Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Gescheiterte Straftäter-Abschiebung

Rückholaktion aus Afghanistan kostet 25.000 Euro

Afghanistan verweigerte ihm die Einreise, also musste ein abgeschobener Straftäter direkt zurück nach Deutschland - im Businessjet. Kostenpunkt nach SPIEGEL-Informationen: 25.000 Euro.

DPA

Abschiebeflug (Symbolbild)

Samstag, 12.01.2019   07:59 Uhr

Die Entscheidung der afghanischen Behörden, einen aus Hessen abgeschobenen Straftäter gleich nach der Landung in Kabul wieder zurückzuschicken, hat den deutschen Steuerzahler am Dienstag rund 25.000 Euro gekostet.

Titelbild

Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 3/2019
Schutzlos
Jetzt wird's persönlich: Wie Hacker und Trolle Politik und Gesellschaft zersetzen

Die Begleitpolizisten flogen mit ihm zunächst von Kabul nach Tiflis in Georgien, um dort zu übernachten und die nötigen Ruhezeiten einzuhalten. Da die Georgier den Mann aber nicht aussteigen lassen wollten, mussten mehrere Beamte und ein Arzt mit ihm an Bord bleiben, bis ein kurzfristig gecharterter Businessjet aus Deutschland eintraf.

Damit wurde der Afghane umgehend nach München geflogen. Allein dieser Abholservice schlug nach Angaben aus Sicherheitskreisen mit etwa 25.000 Euro zu Buche.

Die Afghanen hatten den Mehrfachstraftäter unter anderem mit der Begründung abgelehnt, dass seine Staatsbürgerschaft nicht eindeutig geklärt sei. Allerdings hatte der 23-Jährige einen abgelaufenen afghanischen Pass, weshalb ihm die afghanische Vertretung in Deutschland ein Passersatzpapier ausgestellt hatte.

Die deutschen Behörden konnten die Ablehnung vorerst nicht erklären.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

amp

insgesamt 29 Beiträge
claudio_im_osten 12.01.2019
1. Empörend.
Was sich die afghanischen Behörden da leisten, sollte politische Konsequenzen haben. Es ist zwar verständlich, dass sie auch keine Lust haben auf die Überstellung von Straftätern, aber wie können nicht für afghanische [...]
Was sich die afghanischen Behörden da leisten, sollte politische Konsequenzen haben. Es ist zwar verständlich, dass sie auch keine Lust haben auf die Überstellung von Straftätern, aber wie können nicht für afghanische Staatsangehörige verantwortlich sein. Wenn er tatsächlich einen abgelaufenen Pass und ein Passersatzpapier hatte, ist es Pflicht des afghanischen Staates, Zweifel an der Staatsangehörigkeit zu klären. Wieso sollen wir dafür verantwortlich sein? Deutschland sollte eines ganz klar machen: Wenn es bei einem solchen Verhalten bleibt, ziehen wir unsere Truppen und die sonstige Unterstützung für dieses Regime ab. Punkt. Es ist nicht einzusehen, dass für einen solchen Staat deutsche Soldaten sterben.
fanasy 12.01.2019
2. Das ist natürlich eine Menge Geld
aber es gibt anderswo noch viel krasser Geldverschwendung als hier die Durchsetzung und Vollziehung eines rechtsstaatlichen Verwaltungsakts. Es ist allerdings fragwürdig, wieso sich die deutschen Behörden von den Afghanen derart [...]
aber es gibt anderswo noch viel krasser Geldverschwendung als hier die Durchsetzung und Vollziehung eines rechtsstaatlichen Verwaltungsakts. Es ist allerdings fragwürdig, wieso sich die deutschen Behörden von den Afghanen derart vorführen lassen.
gammoncrack 12.01.2019
3. Da wir hier mal wieder ein Shitstorm ausbrechen.
Warum hier unbedingt ein Jet gechartert werden musste, frage ich mich allerdings auch. Ansonsten liegt hier ja deutlich das Verschulden bei den Afganischen Behörden. Die Papiere hätten die Einreise auf jeden ermöglichen [...]
Warum hier unbedingt ein Jet gechartert werden musste, frage ich mich allerdings auch. Ansonsten liegt hier ja deutlich das Verschulden bei den Afganischen Behörden. Die Papiere hätten die Einreise auf jeden ermöglichen müssen. Da gab es vorher wohl kaum eine Möglichkeit, das sicherzustellen.
wasistlosnix 12.01.2019
4.
Große Worte werden immer von der Realität eingeholt. Hier ist doch mal wieder ersichtlich das das abschieben von Gewalttätern nicht ganz einfach ist und hier auch keine Ankerzentren helfen. Abgeschoben werden die [...]
Große Worte werden immer von der Realität eingeholt. Hier ist doch mal wieder ersichtlich das das abschieben von Gewalttätern nicht ganz einfach ist und hier auch keine Ankerzentren helfen. Abgeschoben werden die unkomplizierten Fälle die man gut integrieren könnte.
zora81 12.01.2019
5.
Wie hatte neulich jemand so treffend formuliert, rein kommen alle, aber raus wird dann schwierig...erfährt man nicht schon durch die Botschaft, die die Ersatzpapiere ausstellt, ob derjenige zurückgenommen wird? Und wo ist der [...]
Wie hatte neulich jemand so treffend formuliert, rein kommen alle, aber raus wird dann schwierig...erfährt man nicht schon durch die Botschaft, die die Ersatzpapiere ausstellt, ob derjenige zurückgenommen wird? Und wo ist der Mann nun? Zurück im Gefängnis?
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP