Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Bewerbung um Merkel-Nachfolge

Merz nennt Erfolge der AfD "unerträglich"

Spahn will mehr jüngere Parteimitglieder, Merz ruft zum Kampf gegen die AfD auf, Kramp-Karrenbauer wirbt mit ihrer Erfahrung. Alle drei Bewerber um den Parteivorsitz haben sich den Delegierten kämpferisch präsentiert.

Foto: REUTERS
Freitag, 07.12.2018   14:21 Uhr

Als zweiter der drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz hat Friedrich Merz betont, wie notwendig eine Bekämpfung der AfD sei. Er bestreite niemandem den guten Willen, an die Rechtspopulisten verlorene Wähler zurückzuholen. "Aber es gelingt uns augenscheinlich nicht", sagte er in seiner Bewerbungsrede auf dem Parteitag in Hamburg.

Die AfD sei mittlerweile in 16 Landesparlamenten. Dieser Zustand sei für ihn "einfach unerträglich". Notwendig sei bei der CDU ein Strategiewandel im Umgang mit Themen und dem politischen Wettbewerber und vor allem in der Kommunikation mit den Menschen im Land.

Die CDU könne als "Volkspartei der Mitte" wieder 40 Prozent der Menschen im Land erreichen. Das setze eine Erweiterung des politischen Angebots voraus. Christlich, soziale, liberale und wertkonservative Frauen und Männer aus allen sozialen Schichten müssten dazu in der Partei ihren Platz finden. Die CDU brauche eine vernünftige Streitkultur über Sachfragen.

Stimmenfang Podcast #77 - "Jetzt wird wieder diskutiert" - Wie der Wettstreit um den CDU-Vorsitz die Partei befreit hat

Merz forderte eine "Agenda für die Fleißigen" im Land. Diese müsse sich an diejenigen wenden, die mit Arbeit und Fleiß das Land stark machten und nicht zuerst nach dem Staat riefen. Er sprach sich zudem für einen starken Staat aus und sagte im Hinblick auf die Einwanderungspolitik: "Es gibt auch Grenzen unserer Möglichkeiten."

"Wir lassen immer noch zu viele Menschen allein, Bürger haben abends Angst", sagte der frühere Unionsfraktionschef. "Das Vertrauen in die Sicherheit im Land ist verlorengegangen."

Kramp-Karrenbauer wirbt mit ihren Erfolgen im Saarland

Zuvor hatte Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Partei aufgerufen, den "Mut" für die Aufgaben der Zukunft zu haben. Die CDU müsse den Mut haben, "nicht den Schwarzmalern hinterherzulaufen", sagte die Generalsekretärin am Freitag auf dem CDU-Parteitag in Hamburg. Die CDU müsse die Digitalisierung vorantreiben, einen starken und konsequenten Staat durchsetzen und Verantwortung für das Gemeinwohl auch mit einem Gesellschaftsjahr schaffen.

CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

Annegret Kramp-Karrenbauer in Hamburg

Die CDU müsse mit ihren Ideen eine Strahlkraft entwickeln und daraus ihre Stärke ziehen und nicht, weil sie den stärksten Angriff auf den politischen Gegner fahre, sagte Kramp-Karrenbauer. "Das reicht mir für eine Volkspartei wie die CDU nicht aus." Die Partei müsse stark sein und "unzweideutig" zu ihrem Wertekompass stehen. "Wir sind als Volkspartei das letzte Einhorn in Europa", sagte sie.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Kramp-Karrenbauer warb mit ihren 18 Jahren Regierungserfahrung im Saarland für sich. Auch wisse sie als Mutter von zwei Kindern, wie schwer es sei, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Zudem habe sie die Parteireform im Februar begonnen.

"Keiner der drei Kandidaten wird der Untergang der Partei sein", sagte die frühere Ministerpräsidentin unter lauten Applaus der Delegierten. Sie dankte zudem ausdrücklich der scheidenden Parteichefin Angela Merkel.

AFP

Jens Spahn

Spahn: "Freiheit gegen alle Feinde der Freiheit verteidigen"

Als letzter Bewerber trat dann Jens Spahn ans Rednerpult. Er will nach eigenen Worten kein "Weiter-so" und "kein Zurück in die Vergangenheit". Notwendig sei eine Vision für die Zukunft. "Ich will, dass wir unsere Freiheit verteidigen, gegen alle Feinde der Freiheit heute und in Zukunft jeden Tag." Er selbst laufe nicht weg, wenn es eng werde, und er sei auch bereit gegen den Strom zu schwimmen. Die CDU müsse unterschiedliche Positionen aushalten.

Er wolle sich im Falle einer Wahl um mehr junge Mitlieder bemühen, sagte der Gesundheitsminister. Zurzeit gebe es mehr Mitglieder über 75 als unter 40. Wenn man die Zukunft dieses Landes gestalten wolle, würden mehr Jüngere gebraucht. Die CDU müsse zudem debattierfreudiger werden. Die Wahl eines neuen Vorsitzenden müsse hierzu ein Startpunkt sein.

Spahn kündigte an, im Falle seiner Wahl nicht pflegeleicht zu werden. "Ich kann Ihnen nicht versprechen, ein bequemer Parteivorsitzender zu sein", sagte er. "Ich bin wie ich bin. Ich werde auch in Zukunft manche Debatte anstoßen, wo dann morgen der Nachbar Sie anspricht: Was ist denn das nun wieder?" An die CDU appellierte er, sich ihre neue, in der Diskussion um die Nachfolge von Parteichefin Angela Merkel erworbene Diskutierfreude zu bewahren. "Da ist ein neuer Geist in der CDU zu spüren."

als/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 27 Beiträge
Sportzigarette 07.12.2018
1. Es wird wohl doch AKK
Ich hoffe als SPDler auf Merz und war sicher, er wird heute gewinnen. Nun habe ich beide Reden gehört und muß sagen, wäre ich CDU Delegierter, würde ich AKK wählen Starke Rede, kämpferisch und Blick in die Zukunft einer [...]
Ich hoffe als SPDler auf Merz und war sicher, er wird heute gewinnen. Nun habe ich beide Reden gehört und muß sagen, wäre ich CDU Delegierter, würde ich AKK wählen Starke Rede, kämpferisch und Blick in die Zukunft einer modernen, weltoffenen Gesellschaft. Merz ist eben Vergangenheit, aber die kommt nicht wieder, auch wenn sich das viele in diesem Land wünschen würden. Merkel hat die CDU modernisiert, da gibt es kein Zurück mehr.
thinking_about 07.12.2018
2. Warum eigentlich nicht
auch mal den Weg einer Doppelapitze gehen, wie die Grünwn es doch recht erfolgreich uns derzeit vorleben? Daran hat wohl niemand gedacht, denn die Wahl wird wohl eng ausgehen ...schade eigentlich...denn davon würde viel [...]
Zitat von SportzigaretteIch hoffe als SPDler auf Merz und war sicher, er wird heute gewinnen. Nun habe ich beide Reden gehört und muß sagen, wäre ich CDU Delegierter, würde ich AKK wählen Starke Rede, kämpferisch und Blick in die Zukunft einer modernen, weltoffenen Gesellschaft. Merz ist eben Vergangenheit, aber die kommt nicht wieder, auch wenn sich das viele in diesem Land wünschen würden. Merkel hat die CDU modernisiert, da gibt es kein Zurück mehr.
auch mal den Weg einer Doppelapitze gehen, wie die Grünwn es doch recht erfolgreich uns derzeit vorleben? Daran hat wohl niemand gedacht, denn die Wahl wird wohl eng ausgehen ...schade eigentlich...denn davon würde viel Power ausgehen, jeder der beiden hat seine Stärken, die zum Tragen kommen sollten
wasnu23 07.12.2018
3. Volkspartei
Einhörner und Volkspartei in einem Atemzug zu nennen hat was. Beides eine Chimäre?! Zumindest schien es so, als man vor kurzem Begriffe, wie Volk und Nation am liebsten klammheimlich entsorgt hätte.
Einhörner und Volkspartei in einem Atemzug zu nennen hat was. Beides eine Chimäre?! Zumindest schien es so, als man vor kurzem Begriffe, wie Volk und Nation am liebsten klammheimlich entsorgt hätte.
jan07 07.12.2018
4. 'unerträglich'
Soso, Herr Merz wird das schon ertragen können. Es bleibt ihm auch nichts Anderes übrig, denn die AfD ist längst im Parteiensystem der Bundesrepublik fest etabliert. Irgendwann wird es auch zu Koalitionen kommen. Das ist nur [...]
Soso, Herr Merz wird das schon ertragen können. Es bleibt ihm auch nichts Anderes übrig, denn die AfD ist längst im Parteiensystem der Bundesrepublik fest etabliert. Irgendwann wird es auch zu Koalitionen kommen. Das ist nur eine Frage der Zeit...
hauro2005 07.12.2018
5. Und so dreht man sich weiter im Kreis
Die Bekämpfung der AfD ist also der CDU so wichtig. Klar, sie hat den Schwarzen jede Menge Sitze in den Parlamenten abgerungen. Und zwar ganz einfach deswegen, weil die CDU für bestimmte Probleme keine sinnvollen Lösungen [...]
Die Bekämpfung der AfD ist also der CDU so wichtig. Klar, sie hat den Schwarzen jede Menge Sitze in den Parlamenten abgerungen. Und zwar ganz einfach deswegen, weil die CDU für bestimmte Probleme keine sinnvollen Lösungen angeboten hat. Aber sich als Gegner nur eine andere Partei auszusuchen statt die wahren Probleme zu benennen und Lösungsansätze zu bieten, erinnert mich an den Streit zwischen den unterschiedlichen Volksfronten im Film "Das Leben des Brian".

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP