Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Annegret Kramp-Karrenbauer

Wie tickt die neue CDU-Chefin?

Ruhig und abwägend wie ihre Vorgängerin ist sie - und macht deshalb keine flüchtigen Fehler. Bei allen Ähnlichkeiten gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel.

Getty Images

Neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, Kanzlerin Angela Merkel

Von
Samstag, 08.12.2018   09:52 Uhr

Im Augenblick des Triumphs zeigte Annegret Kramp-Karrenbauer, dass sie nicht einfach eine saarländische Version von Angela Merkel ist. Als der Tagungspräsident das knappe Wahlergebnis bekannt gab, schossen der neuen CDU-Vorsitzenden die Tränen in die Augen. Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder so gefasst hatte, dass sie auf die Bühne treten konnte. Einen solch ausgiebigen Moment der Rührung hatte sich Merkel selbst bei ihrem Abschied vom Parteivorsitz nicht erlaubt.

Die Emotionalität ist nicht das Einzige, das die neue von der alten CDU-Chefin unterscheidet.

Nach 18 Jahren an der Spitze wird eine ostdeutsche Protestantin von einer westdeutschen Katholikin abgelöst. Kramp-Karrenbauer ist in vielen Dingen konservativer als Merkel es je war.

Fähigkeiten, die man für eine Führungsrolle braucht

Sie lehnt die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare mit einer Vehemenz ab, die Merkel fremd ist. Auch vor Populismus schreckt sie nicht zurück. Vor der Landtagswahl im Saarland im vergangenen Jahr machte sie klar, dass sie in ihrem Bundesland keine Wahlkampfauftritte türkischer Politiker für Präsident Recep Tayyip Erdogan dulden würde. Es gab allerdings keine türkischen Politiker, die das wollten. In der Debatte um die Migrationspolitik schlug Kramp-Karrenbauer auf den Regionalkonferenzen einen Ton an, den man eher von ihren Konkurrenten erwartet hätte. Eine Abschiebung von Straftätern nach Syrien hätte Merkel wohl nicht zur Debatte gestellt.

Stimmenfang Podcast #77 - "Jetzt wird wieder diskutiert" - Wie der Wettstreit um den CDU-Vorsitz die Partei befreit hat

Trotz aller Unterschiede bürgt der Aufstieg der Generalsekretärin zur Parteivorsitzenden für Kontinuität. Das bezieht sich weniger auf inhaltliche Positionen, als auf die Frage der politischen Kultur. Die CDU hat vielleicht genug von Merkel und ihrer Politik. Den ruhigen, abwägenden Stil der Kanzlerin aber schätzt die Mehrheit noch immer. Daran wird sich unter Kramp-Karrenbauer nichts ändern. Das vielleicht Wichtigste: In der CDU folgt auf eine Frau eine Frau. Das zeigt mehr als alles andere, in welchem Ausmaß Merkel ihre Partei verändert hat.

Foto: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Die überlegte Art, Politik zu gestalten und zu vermitteln, ist nicht das Einzige, das Kramp-Karrenbauer mit ihrer Vorsitzenden verbindet. Sie hat wie Merkel eiserne Nerven und ein Gespür für politisches Timing. Im Wahlkampf um den Parteivorsitz hat sie, anders als ihr Widersacher Merz, keine Fehler gemacht. Als es darauf ankam, hielt sie die Rede ihres Lebens. Das sind Fähigkeiten, die man für eine Führungsrolle braucht.

Kampf um die Einheit der CDU beginnt gerade erst

Ob sie Erfolg haben wird, ist dennoch völlig offen. Im Saarland wurde Kramp-Karrenbauers integrative Art auch vom politischen Gegner geschätzt. Doch im Vergleich zur Union ist das Saarland eher übersichtlich. Kramp-Karrenbauer muss jetzt die Parteifreunde einbinden, die sich einen Bruch mit der Ära Merkel gewünscht haben. Die werden sich nicht mit ein paar inhaltlichen Konzessionen zufriedengeben. Der Kampf um die Einheit der CDU beginnt für die neue Parteichefin gerade erst.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Gleichzeitig muss Kramp-Karrenbauer beweisen, dass sie sich von Merkel emanzipiert hat. Als Generalsekretärin gelang ihr das nur teilweise. Als Parteivorsitzende ist es für sie eine Überlebensfrage. Wenn sie die eigenen Leute nicht davon überzeugen kann, dass die CDU mit ihr Wahlen gewinnen kann, dann könnte ihre Zeit an der Spitze der Partei sehr kurz sein.

Als die alte der neuen Vorsitzenden zum Sieg gratulierte, lagen sich die beiden Frauen einen Moment in den Armen. Die Umarmung währte nur kurz, Merkel zog sich schnell zurück. Sie spürte, dass dieses Bild ihrer Nachfolgerin eher schaden als nutzen würde.

Kramp-Karrenbauer muss jetzt zeigen, dass in Hamburg für die CDU wirklich eine neue Zeit begonnen hat.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

insgesamt 41 Beiträge
ruhepuls 08.12.2018
1. Balanceakt
Für AKK folgt nun ein Balanceakt. Auf der einen Seite soll sie - intelligente - Sachpolitik betreiben und auf der anderen Seite nicht vergessen, dass Wahlen im Bauch und nicht im Kopf gewonnen werden. Anders gesagt, sie muss auch [...]
Für AKK folgt nun ein Balanceakt. Auf der einen Seite soll sie - intelligente - Sachpolitik betreiben und auf der anderen Seite nicht vergessen, dass Wahlen im Bauch und nicht im Kopf gewonnen werden. Anders gesagt, sie muss auch Rücksicht auf den Populismus anderer Parteien nehmen, die derzeit den Zeitgeist mitbestimmen - und sich als Opposition nicht mit dem Problem herumschlagen müssen, ihre Positionen auch in Realität umzusetzen. Die AfD kann (verbale) Mauern bauen und zurück in die Vergangenheit wollen - in der Realität wäre sie schnell am Ende. Die Linke kann (verbale) Sozialpolitik versprechen, in der Realität würde sie schnell merken, dass in Deutschland die Mühlen langsam mahlen - und Reiche ein scheues, aber schlaues Wild sind.
thunderstorm305 08.12.2018
2. Also weiterhin eine Merkel 2.0!
Die Wahlen im nächsten Jahr werden mit darüber entscheiden ob AKK Kanzlerin werden kann. Ich habe große Zweifel ob sie die AfD Wähler zurückgewinnen kann. Als Merkel 2.0 die eine Politik von Frau Merkel einfach fortsetzt wird [...]
Die Wahlen im nächsten Jahr werden mit darüber entscheiden ob AKK Kanzlerin werden kann. Ich habe große Zweifel ob sie die AfD Wähler zurückgewinnen kann. Als Merkel 2.0 die eine Politik von Frau Merkel einfach fortsetzt wird das sicher nicht der Fall sein. Und bei all dem Jubel in den Medien sollte man nicht vergessen, dass die Hälfte nicht für sie gestimmt hat. Wenn umgekehrt Herr Merz gewonnen hätte, würde jetzt wohl eher die Spaltung der Partei in den Medien im Vordergrund stehen. Da sieht man dass AKK auch medial einen Vorteil hatte. Schade dass Merz nicht gewonnen hat. Er hätte die Union auf Angriff und eine klare Linie getrimmt. Man hätte wieder gewusst warum man die Union wählt.
manicmecanic 08.12.2018
3. populistisch ?
Ich bin kein Fan,aber ausgerechnet ihre Äußerungen in Sachen Wahlkampf ausländischer Politiker bei uns in die Ecke zu schieben ist voll daneben.Das ist kein Populismus sondern eine klare Ansage.An dieser Verdrehung ihrer Worte [...]
Ich bin kein Fan,aber ausgerechnet ihre Äußerungen in Sachen Wahlkampf ausländischer Politiker bei uns in die Ecke zu schieben ist voll daneben.Das ist kein Populismus sondern eine klare Ansage.An dieser Verdrehung ihrer Worte sieht man nur wie seltsam der Schreiber tickt.
brunnersohn 08.12.2018
4. AKK muss nicht alleine die Partei
einen, sondern die Merzwähler und die Afd-affinen Konservitten der CDU müssen ihr entgegenkommen. Der Schäuble täte gut daran, wenn er in den Ruhestand rollen würde. Er tut der CDU nicht (mehr) gut. Allein seine [...]
einen, sondern die Merzwähler und die Afd-affinen Konservitten der CDU müssen ihr entgegenkommen. Der Schäuble täte gut daran, wenn er in den Ruhestand rollen würde. Er tut der CDU nicht (mehr) gut. Allein seine Wahlempfehlung für Merz in seiner Position war doch eine Frechheit. Jetzt wo die CDU den Weg der Regionalkonferenzen ging- und damit Aufbruchstimmung wagte, da kommt er mit der alten Hinterzimmertaktik daher und versucht die freie Wahlentscheidung der Delegierten zu beeinflussen, mit seiner Wichtigkeit. Moderne Politik geht anders Herr Schäuble
man 08.12.2018
5. Meine Präferenz
ist AKK nicht, aber sie ist konservativ und hat durchaus Erfahrung. Die Frage ist, wie sie die CDU im konsrvativ possitiven Sinn erneuern kann, denn den Worten der letzten 13 Jahre müssen endlich Taten folgen. Baustellen gibts [...]
ist AKK nicht, aber sie ist konservativ und hat durchaus Erfahrung. Die Frage ist, wie sie die CDU im konsrvativ possitiven Sinn erneuern kann, denn den Worten der letzten 13 Jahre müssen endlich Taten folgen. Baustellen gibts mehr als genug.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP