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Politik

Asylskandal

Bamf-Spitze bekam Brandmail aus Bremen

Die Affäre um mutmaßlichen Asylmissbrauch weitet sich aus: Nach SPIEGEL-Informationen alarmierte im Frühjahr 2017 ein Beamter die Leitung des Flüchtlingsamts über jahrelange "Kungeleien".

DPA

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf)

Von und
Donnerstag, 10.05.2018   17:04 Uhr

Die Affäre um mutmaßlichen Asylmissbrauch in Bremen bringt die Spitze des Flüchtlingsamts in Bedrängnis. Nach Informationen des SPIEGEL erreichte die Führungsebene des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im Juni 2017 eine Brandmail eines leitenden Beamten der Bremer Außenstelle. In dieser wies er auf Vorgänge mit "extremer Brisanz" hin und berichtete, dass es in Bremen wohl in Hunderten Asylverfahren zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Die langjährige Leiterin der Außenstelle, Ulrike B., betreibe seit Langem "Kungeleien" mit einem Rechtsanwalt, Irfan C., und habe dessen Mandanten "massenhaft" zum Flüchtlingsstatus verholfen. Gegen beide ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft.

Laut der E-Mail habe B. häufig Druck gemacht, weil sie dem Anwalt die positiven Bescheide persönlich habe übergeben wollen. Einmal will der Beamte in B.s Posteingang zufällig eine Mail gesehen haben, in der C. schrieb, das Hotelzimmer für das Wochenende sei schon bezahlt. Er habe sie gewarnt, dass der Anwalt sie ausnutze - und sie gefragt, ob sie in den Mann verliebt sei. Das habe sie von sich gewiesen, "Herrn C. und ihr gehe es nur um die armen Menschen", habe sie gesagt.

Die Behörde müsse dringend handeln, forderte der Bremer Beamte, Belege für das Treiben könnten bereits gelöscht worden sein. Die E-Mail ging an einen der wichtigsten Männer in der Nürnberger Bamf-Zentrale, den "Leiter operativer Bereich", Rudolf Knorr.

Warum die Behörde damals nicht umgehend handelte, wollte das Bamf nicht kommentieren. Aufgrund der laufenden Ermittlungen könne das Amt sich "aktuell nicht zu Detailfragen äußern". Strafanzeige erstattete die Flüchtlingsbehörde im November 2017, nachdem ein gefälschter Asylbescheid aufgetaucht war. Vom Dienst entbunden wurde B. vor drei Wochen.

Ulrike B. und Irfan C. ließen Fragen zu dem mutmaßlichen Asylmissbrauch unbeantwortet. Vorwürfe, B. habe sich bestechen lassen, hat ihr Strafverteidiger zurückgewiesen.

insgesamt 42 Beiträge
fat_bob_ger 10.05.2018
1. Bei Managern wird Haftung für Fehler eingefordert.
Warum kann man dieser Dame, wenn sich die Vorwürfe als zutreffend herausstellen sollten, nicht die Pension streichen und sie zum halben Verdienst in der gesetzlichen SV nachversichern, natürlich nach der fristlosen Kündigung. [...]
Warum kann man dieser Dame, wenn sich die Vorwürfe als zutreffend herausstellen sollten, nicht die Pension streichen und sie zum halben Verdienst in der gesetzlichen SV nachversichern, natürlich nach der fristlosen Kündigung. Dann sollte man der Dame alles Vermögen bis auf eine Kleinwohnung bzw. 50.000 Euro wegnehmen, um die durch ihr Handeln entstandenen Schäden zu mindern.
stoffi 10.05.2018
2. Betrogen wurden alle Steuerzahler
Zahlen die Betroffenen nun das erschwindelte Geld zurück und werden die Betrüger abgeschoben? Bestimmt nicht. Der Dumme ist mal wieder der Deutsche Staat. Wer als Deutscher so betrübt, fährt für lange Zeit ein
Zahlen die Betroffenen nun das erschwindelte Geld zurück und werden die Betrüger abgeschoben? Bestimmt nicht. Der Dumme ist mal wieder der Deutsche Staat. Wer als Deutscher so betrübt, fährt für lange Zeit ein
Pars pro toto 10.05.2018
3. Unfassbar!!
Das sind zustände, die ich mir nur in den korruptesten Staaten habe vorstellen können. Wo leben wir eigentlich? Sowas darf auch nicht mit Mitleid und Überforderung gerechtfertigt werden. Unserem Staat ist ein Schaden von zig [...]
Das sind zustände, die ich mir nur in den korruptesten Staaten habe vorstellen können. Wo leben wir eigentlich? Sowas darf auch nicht mit Mitleid und Überforderung gerechtfertigt werden. Unserem Staat ist ein Schaden von zig Millionen entstanden und die gute Frau wurde jetzt nach Bayern versetzt um in ein paar Jahren, wenn etwas Gras über die Sache gewachsen ist, villeicht genau so weiterzu machen. Wieso wurde die nicht entlassen und vor Gericht gestellt? Jetzt wird gegen sie ermittelt und in 2-3 Jahren zeigt man ihr nur den bösen Dudufinger. Hier muss ein Exembel statuiert werden um Nacharmer zu warnen. Vielleicht wäre es aber auch nur gut, Leute mit gesundem Menschenverstand in den Entscheidungsämtern zu beschäftigen?
donatellab 10.05.2018
4. An der Tagesordnung
Nicht nur im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kommt es vor, dass sich aus der Chefetage Leute berufen fühlen, sich für den einen oder anderen Flüchtling einzusetzen. Vermutlich weil sie sich dadurch Vorteile bei [...]
Nicht nur im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kommt es vor, dass sich aus der Chefetage Leute berufen fühlen, sich für den einen oder anderen Flüchtling einzusetzen. Vermutlich weil sie sich dadurch Vorteile bei denjenigen erhoffen, denen sie diesen "Gefallen" erweisen. Das ganze System lädt geradezu dazu ein und es sollte dringend über die Rotation von Beschäftigten und die Einführung des 4-Augen-Prinzips auch bei der positiven Bescheiderteilung nachgedacht werden. Das käme der Rechtsstaatlichkeit zugute.
eunegin 10.05.2018
5. @1: auch im öffentlichen Dienst gibt es Konsequenzen!
Nein, bei Managern werden noch Millionen Abfindung hinterhergeworfen und ein armer Tropf im mittleren Management geopfert. Der Staat ist langsam, die Beamte und Angestellte arbeiten in schlecht sitzenden Anzügen und leben [...]
Zitat von fat_bob_gerWarum kann man dieser Dame, wenn sich die Vorwürfe als zutreffend herausstellen sollten, nicht die Pension streichen und sie zum halben Verdienst in der gesetzlichen SV nachversichern, natürlich nach der fristlosen Kündigung. Dann sollte man der Dame alles Vermögen bis auf eine Kleinwohnung bzw. 50.000 Euro wegnehmen, um die durch ihr Handeln entstandenen Schäden zu mindern.
Nein, bei Managern werden noch Millionen Abfindung hinterhergeworfen und ein armer Tropf im mittleren Management geopfert. Der Staat ist langsam, die Beamte und Angestellte arbeiten in schlecht sitzenden Anzügen und leben spießig - wenn einer aus der Spur gerät, dauert es etwas, aber dann mahlen die Mühlen des Beamtenrechts. Das kennt Konsequenzen zusätzlich (!) zu strafrechtlichen Maßnahmen. Und da geht's auch an's Geld.
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