Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Merkel-Herausforderer Andreas Ritzenhoff

"Ich will ganz oben einsteigen"

Er ist erst seit diesem Jahr in der CDU - und will jetzt ihr Vorsitzender werden. Hier spricht Andreas Ritzenhoff über seinen Plan und wendet sich gegen Kritiker, die bloße Selbstdarstellung wittern.

DPA

Andreas Ritzenhoff

Ein Interview von
Samstag, 13.10.2018   10:56 Uhr

Zur Person

Andreas Ritzenhoff, 61, leitet als Inhaber die Marburger Firma Seidel, die Aluminiumprodukte herstellt. Seine angekündigte Kandidatur für den Parteivorsitz hatte in der hessischen CDU für einige Irritation gesorgt.

SPIEGEL: Herr Ritzenhoff, seit wann sind sie Mitglied der CDU?

Ritzenhoff: Ich bin im Frühjahr Mitglied der Partei geworden.

SPIEGEL: Und im Dezember wollen Sie Vorsitzender werden. Ist das nicht etwas vermessen?

Ritzenhoff: Ich bin nicht naiv. Ich weiß, dass ich als Außenseiter antrete. Aber es muss sich politisch etwas verändern, und dazu möchte ich beitragen. Ich will ganz oben einsteigen, weil uns die Zeit davonläuft.

SPIEGEL: Wie kam Ihnen die Idee zu kandidieren?

Ritzenhoff: Ich bin schon seit einiger Zeit unzufrieden damit, welche Richtung unser Land einschlägt. Dann war ich auf einer Unternehmertagung, an der Joschka Fischer und Joachim Gauck als Redner aufgetreten sind. Die haben beide gesagt: Ihr müsst euch einmischen. Diese Botschaft ist bei mir angekommen.

SPIEGEL: Ihr Kreisvorsitzender, der hessische Finanzminister Thomas Schäfer, hat zu Ihrer Kandidatur auf Facebook geschrieben, es handele sich um "mediale Selbstdarstellung eines einzelnen Mitglieds, das sich berufen sieht, die Welt - zumindest aber mal die Partei - zu retten".

Ritzenhoff: Ich finde es schade, dass er das so sieht. Um Selbstinszenierung geht es mir als Allerletztes.

SPIEGEL: Was macht Sie als politischen Neuling zuversichtlich, dass Sie eine Regierungspartei führen können?

Ritzenhoff: Ich bin seit Langem als Unternehmer erfolgreich. Natürlich ist es etwas anderes, ob man eine Firma oder eine Partei führt. Aber viele Dinge sind ähnlich: Man muss klare Ziele formulieren, man muss Aufgaben stellen, die Leute mitnehmen und erklären, was man macht. Ich glaube, ich habe bewiesen, dass ich das kann.

SPIEGEL: Was für politische Ziele haben Sie denn?

Ritzenhoff: Lassen Sie mich zwei ganz zentrale Punkte nennen: Viele Bürger haben nicht mehr das Gefühl, dass es ihren Kindern einmal besser gehen wird als ihnen selbst. Das will ich ändern. Zudem glaube ich, dass der Abstieg des Westens, über den so viel zu lesen ist, nicht unabwendbar ist. Wir brauchen ein anderes Auftreten gegenüber China, und wir brauchen wieder neuen Schwung in Europa. Dafür möchte ich sorgen.

SPIEGEL: Wie schätzen Sie Ihre Chancen, gewählt zu werden, ein?

Ritzenhoff: Ich glaube, dass mir gelingen kann, was Ralph Brinkhaus in der Bundestagsfraktion gelungen ist. Der Wunsch nach Veränderung ist spürbar. Ich gehe natürlich nicht als Favorit ins Rennen, aber ich sehe mich auch nicht als reinen Zählkandidaten.

SPIEGEL: Erfüllen Sie überhaupt die formale Voraussetzung für eine Kandidatur?

Ritzenhoff: Ich bin CDU-Mitglied, und es wird einen Delegierten geben, der mich vorschlägt. Damit sind die formalen Voraussetzungen erfüllt.

insgesamt 39 Beiträge
th2609 13.10.2018
1. Ja, warum nicht
Wer etwas ändern oder bewegen möchte muß sich Hunderte von Wahlplakaten kleben, zig Bratwürste grillen, Hinterzimmermauscheleien oder x Jahre Parteizugehörigkeit kann für sich allein jedenfalls keine Qualifikation sein. [...]
Wer etwas ändern oder bewegen möchte muß sich Hunderte von Wahlplakaten kleben, zig Bratwürste grillen, Hinterzimmermauscheleien oder x Jahre Parteizugehörigkeit kann für sich allein jedenfalls keine Qualifikation sein. Unternehmer kommt von unternehmen. Dann mal los. Und mir ist so ein Kandidat lieber als reine Parteokarrieristen wie Frau Nahles. Nur Schulr, Studium und Partei. Keine langfristige Beschäftigung in der Wirtschaft. Auch ein Grund warum die SPD da niederliegt. Und die CDU ebenfalls. Hier mit einer Dauerkanzlerin. Frischer Wind bringt Bewegung. Viel Erfolg!
Siebengestirn 13.10.2018
2. Tja, so kann das in unserer Parteiendemokratie möglich sein.
Allerdings wäre es sehr zu begrüßen, wenn bereits überregional ausgewiesene Personen mit charakterlicher Eignung und nachgewiesenem Verstand sich in allen demokratischen Parteien zur Verfügung stellen würden. Auch wenn das [...]
Allerdings wäre es sehr zu begrüßen, wenn bereits überregional ausgewiesene Personen mit charakterlicher Eignung und nachgewiesenem Verstand sich in allen demokratischen Parteien zur Verfügung stellen würden. Auch wenn das vielleicht einige nicht so sehen, würde ein Ausscheiden von Frau Merkel eine große Lücke hinterlassen, die qualitativ zumindest gleichwertig auszufüllen wäre. Das erfolgreiche Führen eines mittelständigen Betriebes reicht für das Anforderungsprofil wohl eher nicht aus.
hansgustor 13.10.2018
3. Gute Voraussetzung
Das inhaltsleere Gerede hat er schon mal sehr gut drauf. Ich bin zuversichtlich dass es klappt. Ansonsten sollte er in die SPD wechseln, da wird es keinen Widerstand geben. Aber mal im Ernst. Ein bisschen Alpha-männchen gegen [...]
Das inhaltsleere Gerede hat er schon mal sehr gut drauf. Ich bin zuversichtlich dass es klappt. Ansonsten sollte er in die SPD wechseln, da wird es keinen Widerstand geben. Aber mal im Ernst. Ein bisschen Alpha-männchen gegen China spielen, reicht nicht. Die Infrastruktur wurde in letzten Jahren kaputt gespart: Stadtplanung, Schienenverkehr, Internet, ... wenn man nicht endlich anfängt von Prestige-Projekten zu langfristigen Verbesserungen wechselt, war es das. Deutschland ging es lange sehr gut, nichts hält ewig.
quarkspitz 13.10.2018
4. Warum nicht?
Ich bin selbst Mitglied einer Partei und kenne das: Die Platzhirsche und Leitdamen werden intern immer wieder gewählt/müssen immer wieder gewählt werden, weil das ihr Platz ist, weil sie schon lange dabei sind, weil sie [...]
Ich bin selbst Mitglied einer Partei und kenne das: Die Platzhirsche und Leitdamen werden intern immer wieder gewählt/müssen immer wieder gewählt werden, weil das ihr Platz ist, weil sie schon lange dabei sind, weil sie Verdienste um die Partei erworben haben, weil usw. usw. Man kann auch sagen, sie drehen sich immer wieder um sich selbst, um nicht zu sagen, sie kochen immer im gleichen Saft. Das kann ruhig mal einer aufknacken, dass dann alle Etablierten aufgeschreckt werden und sich verwundert die Augen reiben, wundert mich nicht nicht. Huch, was passiert denn jetzt, sowas haben wir noch nie erlebt und dann sind alle aufgeregt. Ich werde das mit Interesse verfolgen.
240td 13.10.2018
5. Das begrüße ich
Einen Macher können wir gut gebrauchen. Das jahrelange Rumgewurstel, das Aussitzen vieler Probleme, muss ein Ende haben. Politische Ziele formulieren und angehen, das wünschen sich doch viele, der politikmüden Bürger. Man [...]
Einen Macher können wir gut gebrauchen. Das jahrelange Rumgewurstel, das Aussitzen vieler Probleme, muss ein Ende haben. Politische Ziele formulieren und angehen, das wünschen sich doch viele, der politikmüden Bürger. Man kann der AFD und Konsorten nur mit nachvollziehbarer und glaubwürdiger Politik Einhalt gebieten. Wir brauchen jemanden, der das Volk rechtsstaatlich mitnehmen und begeistern kann.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP