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Politik

Angriff auf AfD-Politiker

Schläge ersetzen keine Argumente

Der AfD-Abgeordnete Frank Magnitz redet furchtbares Zeug. Er verfolgt politische Ziele, die scharf abzulehnen sind. Wer damit jedoch Gewalt gegen den Politiker rechtfertigt, stellt sich selbst außerhalb der Demokratie.

REUTERS

Spurensicherung am Tatort in Bremen

Ein Kommentar von
Dienstag, 08.01.2019   18:17 Uhr

Noch wissen wir nicht, wer Frank Magnitz so verprügelt hat, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Noch kennen wir die Motive der Täter nicht. Naheliegend ist der Verdacht, dass sie den AfD-Politiker aus politischen Gründen überfallen haben. Wahrscheinlich sehen sie sich als Kämpfer für das Gute, gegen Rechtsradikalismus und Faschismus.

Die AfD ist gefährlich, weil sie Nazis und Rassisten eine politische Heimat gibt. Viele Äußerungen aus der Partei sind abstoßend, sie vergiften den gesellschaftlichen Diskurs mit Hetze und Verschwörungstheorien. Bei nicht wenigen Anhängern muss man davon ausgehen, dass sie unsere liberale Demokratie durch ein autoritäres System ersetzen wollen. Deshalb ist es richtig, sie zu bekämpfen: in den Parlamenten, auf Podien, und wenn nötig auch mit den Mitteln der Justiz und des Verfassungsschutzes.

Schläge jedoch ersetzen keine Argumente. Kein AfD-Anhänger wird sich wegen einer solchen Tat von der Partei abwenden, vielmehr schließt ein solcher Angriff ihre Reihen - deshalb ist er zu allem Übel auch eine politische Dummheit. Die Attacke ist zudem keine demokratische Notwehr gegen eine vermeintlich drohende Übernahme unseres Landes durch die autoritäre Rechte. Wer so denkt, hält unsere Demokratie für schwächer, als sie ist. Wer so handelt, hat die Demokratie im Grunde bereits verloren gegeben.

Der Abgeordnete Magnitz mag furchtbares Zeug reden, er mag politische Ziele verfolgen, die falsch sind und aufs Schärfste abzulehnen. Aber er ist ein Mensch. Wenn es noch etwas Verbindendes geben sollte in dieser politisch gespaltenen Gesellschaft, dann doch bitte die Einigkeit darüber, dass wir uns bei aller Ablehnung nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen dürfen.

Hoffentlich werden die Täter, die Magnitz überfallen und verprügelt haben, schnell gefasst und bestraft. Sie mögen sich für antifaschistische Helden halten, tatsächlich sind sie nur brutale Kriminelle. Und möge sich Frank Magnitz schnell und vollständig erholen. Auf dass man ihn bald wieder bekämpfen kann: mit Worten.

insgesamt 119 Beiträge
dasfred 08.01.2019
1. Kaum was hinzuzufügen
Ich will in keinem Land leben, dass von der AFD regiert wird. Noch weniger aber will ich in einem Land leben, in denen Meinungen mit Kantholz und Stiefeln vertreten werden. Solche Staaten haben wir schon genug auf der Welt. Auch [...]
Ich will in keinem Land leben, dass von der AFD regiert wird. Noch weniger aber will ich in einem Land leben, in denen Meinungen mit Kantholz und Stiefeln vertreten werden. Solche Staaten haben wir schon genug auf der Welt. Auch Menschen, die jetzt heimlich mit den Tätern sympathisieren, haben nicht begriffen, dass das Gewaltmonopol beim Staat liegt und es keinerlei Rechtfertigung für Körperverletzung oder fast Totschlag gibt. Damit stellt man sich außerhalb der Gesellschaft.
dirkcoe 08.01.2019
2. Volle Zustimmung
Das Wesen der Demokratie besteht darin, dass eben nicht mehr das Faustrecht gillt. Wir müssen nicht alle Vorstellungen von Politikern, oder Parteien mögen - aber wir müssen jede Meinung akzeptieren und aushalten.
Das Wesen der Demokratie besteht darin, dass eben nicht mehr das Faustrecht gillt. Wir müssen nicht alle Vorstellungen von Politikern, oder Parteien mögen - aber wir müssen jede Meinung akzeptieren und aushalten.
touri 08.01.2019
3.
Ich finde es interessant, wie die komplette erste Hälfte des Artikels auf die AfD und deren Anhänger einprügelt und das Opfer des Angriffs pauschal beschuldigt "furchtbares Zeug" zu reden ohne Zitate zu liefern (ich [...]
Ich finde es interessant, wie die komplette erste Hälfte des Artikels auf die AfD und deren Anhänger einprügelt und das Opfer des Angriffs pauschal beschuldigt "furchtbares Zeug" zu reden ohne Zitate zu liefern (ich persönlich kenne den Politiker nicht und 99% der Foristen dürfte es ähnlich gehen), so nach dem Motto, eigentlich ist er ja selbst Schuld und die Schläger hättens ja gut gemeint aber schlecht gemacht. Warum verurteilt man nicht einfach den Gewaltakt und schreibt ganz neutral das Gewalt, egal von welcher Seite, immer abzulehnen und zu verurteilen ist? Mehr hätte es nicht gebraucht.
igelfeld 08.01.2019
4. Rechts und links
So fing es auch in der Weimarer Republik an. Die Rechtsaußen und die Linksaußen schaukeln sich gegenseitig hoch. Es ist an der Zeit, dass die Vernünftigen in der Mitte stärker Flagge zeigen.
So fing es auch in der Weimarer Republik an. Die Rechtsaußen und die Linksaußen schaukeln sich gegenseitig hoch. Es ist an der Zeit, dass die Vernünftigen in der Mitte stärker Flagge zeigen.
Southwest69 08.01.2019
5.
Bevor man hier irgendwelche Statements abgibt, würde ich erst mal die Ermittlungsergebnisse abwarten
Bevor man hier irgendwelche Statements abgibt, würde ich erst mal die Ermittlungsergebnisse abwarten
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