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Politik

Merz' Ambitionen auf Ministeramt

Kampfansage an Kramp-Karrenbauer und Merkel

Friedrich Merz will es noch mal wissen: In einem Interview erklärt er seine Bereitschaft, ins Kabinett zu wechseln - und setzt damit Parteichefin Kramp-Karrenbauer und Kanzlerin Merkel unter Druck.

DPA

Friedrich Merz

Eine Analyse von
Dienstag, 18.12.2018   18:39 Uhr

Mit besinnlichen Tagen wird es in der CDU fürs erste nichts - und das liegt an Friedrich Merz. Anders als erwartet will der bei der Wahl zum Parteichef knapp Unterlegene nicht ins Glied zurücktreten und seine Geschäfte in der freien Wirtschaft wieder aufnehmen, sondern strebt einen Ministerposten an. Sagt er jedenfalls.

Das ist genau das, was seine eifrigsten Fans seit Tagen fordern - aber wohl das Gegenteil dessen, was sich die neue Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer vorgestellt und wohl auch nicht das, was sie aus dem Gespräch mit Merz am vergangenen Donnerstagabend mitgenommen hatte. Ganz zu schweigen von Kanzlerin Angela Merkel.

Nichts anderes als eine Kampfansage an die Parteichefin und die Kanzlerin ist es deshalb, wenn Merz nun der "FAZ" auf die Frage nach einem Ministeramt sagt, "ein solches Amt würde ich mir aufgrund meiner Erfahrungen in Wirtschaft und Politik zutrauen" und ergänzt: "Dies liegt aber nicht in meiner Hand, sondern das ist Sache der Kanzlerin." Man werde, sagt Merz weiter, nach dem für Ende Januar oder Anfang Februar vereinbarten "erneuten Gespräch" mit Kramp-Karrenbauer weitersehen.

Was Merz damit eigentlich sagt: Ich bin bereit für ein Ministeramt - dass die Kanzlerin mir eins anbietet, dafür hat bitteschön die CDU-Vorsitzende zu sorgen.

AKK in der Zwickmühle

Dass er auf dem Hamburger Bundesparteitag nach der Niederlage gegen Kramp-Karrenbauer nicht für ein Amt in der CDU-Führung kandidierte, verteidigt Merz in dem Interview - dafür ist er jetzt offenbar bereit, für einen Ministerposten aufs Ganze zu gehen. "Ich habe mein Angebot noch einmal erneuert, wirklich mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen und dafür auch meine bisherige berufliche Tätigkeit aufzugeben", sagt er über sein Gespräch mit der Vorsitzenden.

Ob es Merz wirklich ernst meint mit seinen überraschenden Ambitionen oder nicht - in jedem Fall bringt er Kramp-Karrenbauer nun in eine Zwickmühle: Falls sie sich bei ihrer Amtsvorgängerin Merkel nicht für einen Kabinettsposten für Merz einsetzt, werden er und seine Anhänger für alle Zeiten behaupten können, die neue CDU-Führung habe den Unterlegenen bewusst ausgebootet. Sollten dann die Wahlen im kommenden Jahr für die Christdemokraten schief gehen, läge der Schwarze Peter bei Kramp-Karrenbauer.

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Setzt sich die Parteichefin jedoch für ein Merz-Ministeramt ein - in Frage käme wohl nur das Wirtschaftsressort, wie es sich seine Unterstützer wünschen -, riskiert sie einen handfesten Konflikt mit der Kanzlerin, die sie bislang gefördert hat. Diese müsste dann ihren Vertrauten Peter Altmaier im Wirtschaftsministerium durch Merz ersetzen.

Wie gesagt, es ist eine Kampfansage. Sie gibt all denen im Merz-Lager wieder Hoffnung, die von einer Niederlage nichts wissen wollen.

Und es ist ganz bestimmt nicht das, was sich die neue CDU-Führung darunter vorgestellt hat, die zerrissene Partei wieder zusammenzuführen.

insgesamt 153 Beiträge
demiurg666 18.12.2018
1.
Ich dachte ja das Einbeziehen der Unterlegenen in einer Wahl sei genau die Stärke der Demokratie. Leute mit anderer Meinung zum Schweigen zu bringen passt eher in totalitäre Systeme. Unter der Prämisse empfinde ich die [...]
Ich dachte ja das Einbeziehen der Unterlegenen in einer Wahl sei genau die Stärke der Demokratie. Leute mit anderer Meinung zum Schweigen zu bringen passt eher in totalitäre Systeme. Unter der Prämisse empfinde ich die "Analyse" als eher fragwürdig. Ganz im Gegenteil, sollte Merz keinen Posten angeboten bekommen wäre dies ein Skandal. Der eher unfähige Spahn muss ja auch nicht dass Kabinett verlassen. Dabei gibt es bei ihm genug Gründe in loszuwerden.
juliaspies 18.12.2018
2.
Herr Merz hat sich meiner Meinung nach seit Ankündigung seiner Kandidatur um den Parteivorsitz wiederholt selbst beschädigt und sich als Volksvertreter eigentlich ins Abseits geschossen. Ich hoffe AKK schätzt die Stimmung in [...]
Herr Merz hat sich meiner Meinung nach seit Ankündigung seiner Kandidatur um den Parteivorsitz wiederholt selbst beschädigt und sich als Volksvertreter eigentlich ins Abseits geschossen. Ich hoffe AKK schätzt die Stimmung in der Bevölkerung so ein und befördert ihn nicht auch noch in ein Ministeramt.
ortibumbum 18.12.2018
3. Größenwahn tut selten gut
Allein schon die Tatsach, sich in den letzten Wochen sich überhaupt nicht zu äußern, ist schon ein Affront gegen jedermann in der CDU. Oder einfach keinen Plan!! Jetzt ist er größenwahnsinnig geworden. Sicher hat er das mit [...]
Allein schon die Tatsach, sich in den letzten Wochen sich überhaupt nicht zu äußern, ist schon ein Affront gegen jedermann in der CDU. Oder einfach keinen Plan!! Jetzt ist er größenwahnsinnig geworden. Sicher hat er das mit Schäuble ausgekaspert. Schäuble sollte ohne sofort abgelöst werden; der ist ja nur noch Intrigant; übrigens die Merkel ist nicht Schuld an seinen Verfehlungen und schon gar nicht an seinem sicher "grausamen Unfall/Anschlag". Muss dieser Mann verbittert sein. Und Merz. Noch nichts politisch bewegt, aber Minister werden wollen: Bei der nächsten Wahl kann er sich ja stellen. Ich muss auch meine Meinung über Spahn revidieren. Was dieser junge Mann in der kurzen Zeit im Gesundheitsministerium bewegt, ist schon atemberaubend. Kein Thema ist ihm zu schwierig. Zudem ist diese junge Mann redegewandt. Ich bin positiv überrascht. Halte viel mehr von ihm für die Zukunft, als von Merz, der einfach nur noch sein EGO bedient.
dirkcoe 18.12.2018
4. Damit ist AKK praktisch am Ende
Wird Merz nicht Minister, dann wird sich die Spaltung der CDU fortsetzen, wird er Minister, hat AKK ihre Option aufs Kanzleramt verspielt, weil ihr jede Bühne fehlt um sich zu profilieren. Ganz so clever scheint das Deamteam [...]
Wird Merz nicht Minister, dann wird sich die Spaltung der CDU fortsetzen, wird er Minister, hat AKK ihre Option aufs Kanzleramt verspielt, weil ihr jede Bühne fehlt um sich zu profilieren. Ganz so clever scheint das Deamteam AKK/Merkel doch nicht zu sein.
josephkaesemacher 18.12.2018
5. Hoffentlich Merz
Die Malaise der CDU ist die seit Jahren fehlende Wirtschaftskompetenz. Altmaier is eine Fehlbesetzung und der schwäbische Finanzminister hat über Jahre hinweg nichts hinbekommen für Innovation, in der liebe Herr Gabriel sowie [...]
Die Malaise der CDU ist die seit Jahren fehlende Wirtschaftskompetenz. Altmaier is eine Fehlbesetzung und der schwäbische Finanzminister hat über Jahre hinweg nichts hinbekommen für Innovation, in der liebe Herr Gabriel sowie die FDP Laien schon gar nicht. Über eine zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik wird auch das Sozialwesen gestärkt und Ungleichgewichte reduziert - christlich- demokratisch halt, wo sich Arbeit wieder lohnt. Der Merkelismus ist Historie.

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