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Politik

Jörn Kruse

Hamburger AfD-Fraktionschef tritt aus Partei aus

"Irgendwann ist auch der längste Geduldsfaden zu Ende": Der Hamburger AfD-Fraktionschef Jörn Kruse tritt aus der Partei aus. Die Zusammenarbeit mit Rechtsradikalen sei für ihn "untolerierbar".

DPA

Jörn Kruse

Donnerstag, 27.09.2018   17:38 Uhr

Jörn Kruse, einer von zwei Vorsitzenden der AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, äußerte sich schon häufiger kritisch über den Kurs der Partei. Jetzt hat er angekündigt, zum 1. Oktober den Fraktionsvorsitz niederzulegen und Anfang November aus der Partei auszutreten. Das geht laut der Presseagentur dpa aus einer E-Mail hervor, die Kruse am Donnerstag an die Fraktionsmitglieder schrieb.

"Die zunehmende Zusammenarbeit von Teilen der AfD, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern, mit Rechten und Rechtsradikalen ist für mich vollständig untolerierbar. Irgendwann ist auch der längste Geduldsfaden zu Ende", heißt es darin.

Kruse, Jahrgang 1948, ist Wirtschaftswissenschaftler und trat unter dem Eurokritiker Bernd Lucke der AfD bei. "Ich habe mich schon oft über meine Partei geärgert", sagte Kruse kürzlich in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE, "aber mit der Demonstration in Chemnitz wurde für mich eine rote Linie überschritten. Die AfD steht seit Chemnitz an einem Scheideweg."

Hamburgs AfD-Landeschef Dirk Nockemann und Co-Fraktionschef Alexander Wolf wiesen die Gründe für Kruses Austritt zurück. "Wir bedauern die Entscheidung, aber wir teilen seine Aussagen über einen angeblichen 'Rechtsruck' der AfD in keiner Weise", erklärten sie.

Der Bürgerschaft will Kruse angeblich weiter angehören, allerdings nur noch als fraktionsloser Abgeordneter.

Die AfD ist seit der Bürgerschaftswahl 2015 im Landesparlament der Hansestadt vertreten. Damals erreichte sie 6,1 Prozent. Anfangs hatte sie acht Abgeordnete, verlor aber bereits 2016 einen Sitz durch den Fraktionsaustritt eines anderen Abgeordneten.

Im Video: Wie rechts ist die AfD?

Foto: dbate.de

flx/dpa/AFP

insgesamt 37 Beiträge
swandue 27.09.2018
1.
'Rechtsruck' der AfD - und das schon mehrfach. Lucke wurde von Petry rausgedrängt und inzwischen ist Petry auch weg. Wann kommen die "besorgten Bürger" mal zur Besinnung?
'Rechtsruck' der AfD - und das schon mehrfach. Lucke wurde von Petry rausgedrängt und inzwischen ist Petry auch weg. Wann kommen die "besorgten Bürger" mal zur Besinnung?
furylan 27.09.2018
2. die Anständigen müssen eintreten!
vertreibt die ewig gestrigen, braungefärbten aus der AFD und etabliert eine konservative Alternative! Dann ist die AFD für mich wählbar!
vertreibt die ewig gestrigen, braungefärbten aus der AFD und etabliert eine konservative Alternative! Dann ist die AFD für mich wählbar!
hasselblad 27.09.2018
3.
Das ist einerseits etwas Gutes, weil der Mann Haltung zeigt wenn er sich gegen die fortschreitende Nazifizierung der Partei aufstellt. Andererseits: je weniger sich die 2-3 Gemäßigten, die man dort noch findet, deutlich [...]
Das ist einerseits etwas Gutes, weil der Mann Haltung zeigt wenn er sich gegen die fortschreitende Nazifizierung der Partei aufstellt. Andererseits: je weniger sich die 2-3 Gemäßigten, die man dort noch findet, deutlich innerhalb der Partei positionieren, desto mehr ebnen solche Rücktritte nur den Weg hin zur der NSAfD, die sich Figuren wie Gauland, Höcke oder der Storch insgeheim erträumen. Insofern ein zweischneidiges Schwert, auch wenn die Entscheidung die einzig richtige ist. Es bleibt zu hoffen, dass dadurch eigentlich gemäßigte Wähler ebenfalls abgeschreckt werden, es macht für den einen oder anderen nicht komplett Abgestumpften vielleicht doch noch einen Unterschied, ob er eine etwas dumme Protestpartei wählt oder knallharte Neonazis.
Shaka Zulu 27.09.2018
4. kein Rechtsruck...
"Hamburgs AfD-Landeschef Dirk Nockemann und Ko-Fraktionschef Alexander Wolf wiesen die Gründe für Kruse Austritt zurück. "Wir bedauern die Entscheidung, aber wir teilen seine Aussagen über einen angeblichen [...]
"Hamburgs AfD-Landeschef Dirk Nockemann und Ko-Fraktionschef Alexander Wolf wiesen die Gründe für Kruse Austritt zurück. "Wir bedauern die Entscheidung, aber wir teilen seine Aussagen über einen angeblichen 'Rechtsruck' der AfD in keiner Weise", erklärten sie." .... und damit ist doch auch klar, wesen geistige Nachfolger diese Herren und auch der größte Teil der AFD sind. Denn wenn es kein Rechtsruck ist, muß die AFD wohl schon vorher dort gewesen sein! Ist doch somit der einzig mögliche Rückschluß, den Mensch daraus ziehen kann
Schlaflöwe 27.09.2018
5. Mich wundert eher,
dass Herr Kruse bei der Partei der institutionellen Unanständigkeit so lange mitgemacht hat.
dass Herr Kruse bei der Partei der institutionellen Unanständigkeit so lange mitgemacht hat.
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