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Politik

Scheidender CSU-Chef

Das war der größte Fehler von Horst Seehofer (sagt Horst Seehofer)

Kurz vor seinem Ende als CSU-Vorsitzender zieht Horst Seehofer in einem Interview Bilanz. Er spricht über Fehler - und sein Verhältnis zur Partei, die er "vor dem Irrweg des Neoliberalismus bewahrt" habe.

DPA

Horst Seehofer

Samstag, 12.01.2019   16:58 Uhr

Am 19. Januar soll Markus Söder auf einem CSU-Sonderparteitag zum neuen Parteichef gewählt werden, zum Nachfolger von Horst Seehofer. Dieser hat nun, kurz vor seinem Rückzug, in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" auf seine Zeit als Vorsitzender der bayerischen Partei zurückgeblickt.

Darin bezeichnete es der Bundesinnenminister als seinen größten politischen Fehler, schon nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im Jahr 2013 gesagt zu haben, bei der nächsten Wahl nicht mehr kandidieren zu wollen. Seine damalige Ankündigung habe zu pausenlosen Personaldiskussionen geführt, sagte der 69-Jährige. "Das lähmte die inhaltliche Arbeit."

Das Risiko sei ihm bewusst gewesen, er habe den personellen Übergang jedoch anders gestalten wollen - und sei eines Besseren belehrt worden, sagte Seehofer. "Man darf als Politiker nicht ankündigen, dass man aufhören will."

Zum geplanten Rückzug von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte der scheidende CSU-Vorsitzende, die Personaldiskussion in der Schwesterpartei CDU laufe recht geordnet, sei jetzt aber eigentlich vollkommen überflüssig. Das bestätige seine These, dass ein angekündigter Rückzug mit mehr Gefahren als Chancen verbunden sei.

Kommentar

Sein Verhältnis zur CSU bezeichnete Seehofer, der der Partei zehn Jahre lang vorstand, als uneingeschränkte Liebe. Bestimmt werde dieses Verhältnis von der Verantwortung für die Gemeinschaft, er habe sich als "Schutzpatron" gefühlt. "Wie bei einem Familienoberhaupt."

Als er das Amt übernommen habe, sei die Partei am Boden gewesen und er "als Retter in der Not" aus Berlin geholt worden, so Seehofer. Man brauchte "eine Art politisches Helfersyndrom, um diese Herkulesaufgabe zu übernehmen".

Daneben sieht Seehofer dem Interview zufolge als seine größte politische Leistung an, die CSU "vor dem Irrweg des Neoliberalismus bewahrt" zu haben. "Ich bin dafür als Herz-Jesu-Sozialist verspottet worden, aber das macht mir nichts aus."

wit/dpa

insgesamt 29 Beiträge
AuslaenderDesDaseins 12.01.2019
1. Neoliberalismus
Es wäre wirklich schön, wenn der Begriff des Neoliberalismus' irgendwann mal wieder in der richtigen historischen Bedeutung benutzt würde: nämlich als Ansatz, die Exzesse des Manchester-Liberalismus zu unterbinden, indem die [...]
Es wäre wirklich schön, wenn der Begriff des Neoliberalismus' irgendwann mal wieder in der richtigen historischen Bedeutung benutzt würde: nämlich als Ansatz, die Exzesse des Manchester-Liberalismus zu unterbinden, indem die ungezügelte wirtschaftliche Machtausübung durch Unternehmen durch das Kartellrecht unterbunden wird. DAS ist Neoliberalismus. Böhm, Eucken, Biedenkopf, Säcker und andere werden oder würden wohl am liebsten Amok laufen, wenn sie wieder und wieder diese Verdrehung mitbekommen. https://www.wiwo.de/politik/deutschland/der-oekonom-franz-boehm-gilt-als-vater-des-deutschen-kartellrechts/5440462.html
RuprechtNikolaus 12.01.2019
2. Seehofer über Seehofer
Herr Seehofer hat viel Gutes für die Bayern und für die CSU geleistet. Man darf Horst Seehofer als "Politiker der Alten Schule" bezeichnen! Dies ist nichts Ehrenrühriges! Auch in der Bundespolitik ist es gut, wenn [...]
Herr Seehofer hat viel Gutes für die Bayern und für die CSU geleistet. Man darf Horst Seehofer als "Politiker der Alten Schule" bezeichnen! Dies ist nichts Ehrenrühriges! Auch in der Bundespolitik ist es gut, wenn jetzt Jüngere Verantwortung übernehmen! Diese Menschen müssen in der Lage sein, Ehrlichkeit, Fleiß, Sozialkompetenz und Führungsverantwortung "vorzuleben"! Herr Seehofer sollte jetzt einmal an sich selbst und seine Familie denken! Hallo Horst: Willkommen im "Club" - wir sehen uns!
floedy 12.01.2019
3. Erstaunlich,
wie groß der Unterschied zwischen Außen- und Selbstwahrnehmung sein kann; aus meiner Sicht gibt es weitaus gravierendere Fehlentscheidungen Horst Seehofers, zum Beispiel aus seiner Zeit als Gesundheitsminister. Auch sein [...]
wie groß der Unterschied zwischen Außen- und Selbstwahrnehmung sein kann; aus meiner Sicht gibt es weitaus gravierendere Fehlentscheidungen Horst Seehofers, zum Beispiel aus seiner Zeit als Gesundheitsminister. Auch sein Auftreten als Parteivorsitzender der CSU (darum geht es im Artikel ja vorrangig) bietet genügen Anlass zu ernsthafter Kritik; das Ende einer Amtszeit zu verkünden ist dagegen geradezu etwas Ehrenhaftes.
Phildemos 12.01.2019
4. Re: Neoliberalismus
+++ Es wäre wirklich schön, wenn der Begriff des Neoliberalismus' irgendwann mal wieder in der richtigen historischen Bedeutung benutzt würde +++ Genau. Die Verunstaltung des Begriffs Neoliberalismus ärgert mich jedesmal. [...]
+++ Es wäre wirklich schön, wenn der Begriff des Neoliberalismus' irgendwann mal wieder in der richtigen historischen Bedeutung benutzt würde +++ Genau. Die Verunstaltung des Begriffs Neoliberalismus ärgert mich jedesmal. Selbst bekannte Politiker scheinen keine Ahnung von der Bedeutung des Begriffs zu haben. Großen Dank an @AuslaenderDesDaseins.
Phildemos 12.01.2019
5. Re: Neoliberalismus
Es wäre wirklich schön, wenn der Begriff des Neoliberalismus' irgendwann mal wieder in der richtigen historischen Bedeutung benutzt würde. Genau. Die Verunstaltung des Begriffs Neoliberalismus ärgert mich jedesmal. Selbst [...]
Es wäre wirklich schön, wenn der Begriff des Neoliberalismus' irgendwann mal wieder in der richtigen historischen Bedeutung benutzt würde. Genau. Die Verunstaltung des Begriffs Neoliberalismus ärgert mich jedesmal. Selbst bekannte Politiker scheinen keine Ahnung von der Bedeutung des Begriffs zu haben. Großen Dank an @AuslaenderDesDaseins.

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