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Politik

Stasi-Gedenkstätte

CDU-Abgeordnete fordern Auskunft zu Vorwürfen gegen Knabe

Mehrere Frauen warfen dem Vize der Gedenkstätte Hohenschönhausen sexuelle Belästigung vor. Direktor Knabe soll dies geduldet haben - und wurde entlassen. Einigen CDU-Parlamentariern genügt die bisherige Begründung offenbar nicht.

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Hubertus Knabe

Freitag, 05.10.2018   14:15 Uhr

Nach der Absetzung des Direktors der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen haben mehrere ostdeutsche CDU-Bundestagsabgeordnete dringend Auskunft von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) verlangt. In einem Brief forderte der Vizefraktionsvorsitzende Arnold Vaatz von Grütters genaue Angaben zu den Vorwürfen gegen den entlassenen Direktor Hubertus Knabe.

Vaatz schrieb, sollten keine "triftigeren Gründe als die bisher öffentlich bekannten" vorliegen, sei die Entlassung ein "irreparabler Rückschlag für die Aufarbeitung der DDR-Geschichte". Der Vorgang sei daher von "nationaler Bedeutung". Vaatz verfasste den Brief nach eigenen Angaben in Absprache mit fünf der sechs ostdeutschen CDU-Landesgruppenvorsitzenden in der Fraktion. Zur Gruppe der ostdeutschen CDU-Abgeordneten gehören 50 Männer und Frauen.

Knabe war Ende September nach einer Sondersitzung des Stiftungsrates gekündigt und von der Arbeit freigestellt worden. Grund war eine Affäre um sexuelle Belästigungen von Frauen, in der vor allem der Vizedirektor im Fokus stand. Ausgelöst wurde der Fall durch einen Brief mehrerer Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen.

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Gedenkstätte Hohenschönhausen

Demnach soll der Vizedirektor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Helmuth Frauendorfer, über Jahre Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben. Die Senatsverwaltung leitete daraufhin Untersuchungen ein. Der Stiftungsrat entschied schließlich, dass nicht nur Frauendorfer, der zunächst beurlaubt wurde, die Stiftung verlassen soll - sondern auch der Gedenkstättendirektor Knabe. Die Entscheidung fiel einstimmig.

In ihrem Brief hatten sich die Mitarbeiterinnen Anfang Juni an Berlins Kultursenator Klaus Lederer sowie an Grütters gewandt. In dem Schreiben berichteten sie laut dem "Tagesspiegel" von einer "erschreckenden Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster". Dieses Verhalten soll Knabe geduldet haben. Auch er selbst habe sich einigen Frauen gegenüber inadäquat geäußert. Die beiden Leiter hätten insgesamt ein Klima erzeugt, das dem "Frauenbild der Fünfzigerjahre" entsprochen habe.

Knabe hatte sich unmittelbar nach den Vorwürfen in einer Pressemitteilung geäußert, in der er sich betroffen über die Berichte zeigte: "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ein absolutes No-Go." Die Vorwürfe müssten ohne Ansehen der Person aufgeklärt werden.

asa/dpa

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