Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Terrorverdacht in Köln

Islamist soll an Biowaffe gearbeitet haben

Spezialkräfte der Polizei haben in Köln einen Mann festgenommen, der mutmaßlich einen mit Gift versetzten Sprengsatz herstellen wollte. Der BGH hat nun Haftbefehl wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz erlassen.

DPA

SEK-Beamte im Kölner Stadtteil Chorweiler

Von und
Mittwoch, 13.06.2018   17:11 Uhr

Nach dem Aufsehen erregenden Polizeieinsatz in Kölner Stadtteil Chorweiler werden nun neue Details bekannt. Der Tatverdächtige Sief Allah H. soll an einem perfiden Sprengsatz gearbeitet haben, in den womöglich auch hohe Dosen des Giftstoffes Rizin eingearbeitet werden sollten.

Der Bundesgerichtshof erließ am Mittwoch Haftbefehl gegen den 29-Jährigen. Es bestehe der dringende Verdacht des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, sagte ein Sprecher des Generalbundesanwaltes. Außerdem ermittelt die Behörde auch wegen des Anfangsverdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Hier besteht aber kein dringender Tatverdacht.

Nach Informationen des SPIEGEL bestellte der Verdächtige Sief Allah H. offenbar bei einem Internet-Versandhändler mehrere Stoffe, die zur Herstellung einer Bombe geeignet gewesen wären. Auch soll H. etwa 1000 Samen einer Pflanze beschafft haben, aus denen sich Rizin gewinnen lässt. Als der Tunesier zudem eine Chemikalie kaufte, die zur Gewinnung des Giftstoffes notwendig gewesen wäre, entschied sich die Kölner Polizei zum Zugriff. Nach SPIEGEL-Informationen entdeckten Beamte eine rizinhaltige Paste in der Wohnung des Verdächtigen.

Zuvor hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz H. für einige Zeit im Blick. Der deutsche Inlandsnachrichtendienst war von ausländischen Behörden über dessen auffälligen Bestellungen im Internet informiert worden. Sief Allah H. war zwar bislang weder dem Verfassungsschutz noch der Polizei als Islamist aufgefallen, seine Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken soll aber Rückschlüsse auf eine ideologische Nähe zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zulassen.

Mögliche Pläne des Mannes alarmieren die Ermittler

Die Bestellungen des Sief Allah H. orientierten sich an einer Anleitung des IS zur Herstellung einer Rizin-Bombe, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Allerdings fanden Spezialkräfte der Kölner Polizei keinen funktionsfähigen Sprengsatz in dem Mehrfamilienhaus im Kölner Stadtteil Chorweiler, in der H. mit seiner Familie lebte.

Die Bundesanwaltschaft hat den Fall wegen seiner besonderen Bedeutung an sich gezogen. Die mögliche Kombination einer Splitterbombe mit biologischen Kampfstoffen alarmiert die Karlsruher Ermittler. Rizin gilt als eines der tödlichsten Gifte der Welt. Vor einigen Wochen waren in Frankreich zwei Brüder festgenommen worden, die nach Überzeugung der Behörden Rizin-Bomben herstellen wollten.

Amazon wegen Kaufempfehlungen in der Kritik

In der Vergangenheit hatten Terrorverdächtige immer wieder Bestandteile zur Herstellung von Sprengsätzen im Internet bestellt. So orderten etwa die jungen Männer, die im April 2016 eine Bombe vor einem Sikh-Tempel in Essen zündeten und dabei einen Priester schwer verletzten, über Amazon kiloweise Chemikalien und Zünder.

Die deutschen Sicherheitsbehörden waren über diese Entwicklung alarmiert - auch weil die Amazon-Algorithmen potenziellen Attentätern offenbar automatisch gefährliche Zutaten vorschlugen, nach dem Motto: "Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch..."

Amazon hatte im vergangenen Jahr auf Anfrage des SPIEGEL mitgeteilt, man würden "im Rahmen der jüngsten Ereignisse" Änderungen an der Internetseite vornehmen.

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP