Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Linke Sammlungsbewegung

Raus aus der Wagenburg

Die deutsche Linke ist zersplittert und schwach. Eine neue Bewegung, die sie in die Offensive bringt, ist notwendig und sinnvoll.

DPA

Sevim Dagdelen (Linke), Marco Bülow (SPD) und Antje Vollmer (Grüne)

Ein Gastkommentar von Marco Bülow, Sevim Dagdelen und Antje Vollmer
Samstag, 04.08.2018   13:28 Uhr

Ein Gespenst flattert durch den deutschen Blätterwald: die neue linke Sammlungsbewegung. Während das Phantom noch gar keine reale Gestalt angenommen hat, wird in den Parteizentralen von Parteifunktionären, die diese Idee am meisten zu fürchten scheinen, bereits zur Jagd geblasen: Es sei ein Spaltungsmanöver, eine Zwei-Personen-Inszenierung, schon im Ansatz gescheitert, eine finstere Machenschaft, ein Verrat, eine Totgeburt.

Titelbild

Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 32/2018
Der Sommer, der nie endet
Wie der Klimawandel unser Leben verändert

Wir sind da grundsätzlich anderer Meinung. Die Idee ist gut. Der Zeitpunkt ist richtig gewählt. Das Bedürfnis nach tiefgreifender Veränderung ist riesig. Und es gibt viele gute Gründe, intensiv darüber nachzudenken, wie das Unternehmen aussehen müsste, um ein Erfolg zu werden und die üblichen Fehler bei der Gründungsphase solcher politischen Bewegungen zu vermeiden.

Der Hauptgrund, warum es eine solche Sammlungsbewegung geben muss, ist die Krise des gesamten Parteiensystems am Ende einer Ära, die 1989/90 begann und sich jetzt ihrem Ende zuneigt. Es war faktisch eine Epoche ohne wirkungsmächtige Gegenkonzepte gegen die ungebremste, ungerechte und aggressive Neuordnung der Welt unter der Ägide der neoliberalen und neokonservativen Oligarchen in West und Ost. Diese haben im Schwung ihres Aufstiegs durch die Methode der globalen Deregulierung und Privatisierung enorme innenpolitische Destabilisierungen und außenpolitisches Chaos, Kriege und Massenmigration produziert. Was dabei als Naturgesetz der Globalisierung dargestellt wurde, war reine Macht- und Interessenpolitik. Die Gewinner dieses Prozesses stehen heute ebenso fest wie die Millionen Verlierer, die kein beliebiges Glücks- und Freiheitsversprechen mehr täuschen kann.

Nicht nur die Hoffnungslosen brauchen eine Stimme - und wenn die nicht mehr aus den herkömmlichen Parteien kommt, wird sie andere Formen finden, sich Gehör und öffentliches Gewicht zu verschaffen. Sie wird entweder auf demokratische Weise Druck auf die festgefahrenen Strukturen in Politik, Wirtschaft und Medien ausüben - oder ihre Vertreter werden sich weiter in Richtung rechter Extreme orientieren. Letzteres zu verhindern, ist einen ernsthaften Versuch wert und geht nicht ohne eine völlig neue linke Bewegung.

Dass sich grundsätzlich etwas ändern muss in der Organisation der öffentlichen Interessen, im Verständnis des Gemeinwohls und in der Gestaltung der Gemeinwesen, die sich Staaten nennen, ist sicher. Weltweit und selbst in einem so reichen Land wie bei uns ist die Spaltung immens: zwischen den reichen Industriestaaten des Westens und der übrigen Welt, zwischen den Metropolen und den abgehängten Regionen, zwischen dem obszönen Reichtum und der Dominanz so Weniger und der Perspektivlosigkeit, Existenzunsicherheit und Ohnmacht Milliarden Anderer.

Erneuerung verkommt erneut zur leeren Worthülse

Die Hoffnung der Menschen, dass sich doch noch etwas ändern ließe, ist das kostbarste Gut linker Politik. Diese Ressource ist nicht unbegrenzt nutzbar. Gerade die SPD sollte das durch die Erfahrung des letzten Jahres bitter gelernt haben. Die anfänglich aufflackernde Hoffnung auf eine Korrektur der Agenda-Politik durch Martin Schulz ist ebenso schnell verpufft, wie der Juso- und Basis-Protest gegen die Große Koalition. Die Erneuerung verkommt erneut zur leeren Worthülse. Kostbares Vertrauen wurde verspielt.

Die Grünen wiederum haben mit der pazifistischen Orientierung ihrer Gründungsphase gebrochen und damit ein Wesensmerkmal aufgegeben - sie könnten bald zur letzten Notlösung und Bestandsgarantie der Ära Merkel mutieren. Die Linken schließlich verlieren sich in unsinnigen, dogmatischen Machtkämpfen.

Die drei Parteien drohen, sich zusammen einer Marke von einem Drittel der Stimmen zu nähern. Zweimal haben sie auf Bundesebene die Chance, gemeinsam eine Regierungsmehrheit zu bilden, ausgeschlagen - aus Angst vor medialen Gegenkampagnen und mangelnder eigener Konsensbereitschaft.

Das Ergebnis: Heute haben SPD, Grüne und Linke gemeinsam gut acht Millionen Wähler weniger als 1998. Das Resultat dieses Versagens ist eine selbstbezügliche, larmoyante Grundhaltung der Parteien des Mitte-Links Spektrums, die ihren Draht zur Wirklichkeit verlieren.

Bei den nächsten Europawahlen droht das realistische Szenario, dass einer stark anwachsenden politischen Rechten unter dem Druck einer rechtsradikalen Sammlungsbewegung nach den Ideen von Stephen Bannon als letztes Gegengewicht nur noch eine neoliberale Macron/Merkel - Formation gegenübersteht, hinter der sich ängstlich CDU, SPD, FDP, Grüne und ein Teil der Linken zusammenscharen. Eine in Hunderte Gruppen zersplitterte europäische Linke würde darauf keinen Einfluss mehr haben und keinen wesentlichen Druck mehr ausüben können.

Eine neue Sammlungsbewegung hätte also einen Anlass, ein Momentum, auch einen Erwartungs- und Hoffnungshorizont. Was aber ist ihre Aufgabe und wo liegen die Gefahren einer erfolgreichen Entwicklung?

Eine wichtige Aufgabe besteht darin, einen Raum für eine wirklich offene Debatte zu schaffen darüber, wie das Gegenkonzept zum herrschenden Politikmodell der letzten 30 Jahre aussehen könnte.

Staat muss endlich wieder Anwalt des Gemeinwesens werden

In der Innenpolitik bedeutet das erneut das Nachdenken über den Staat als Instrument der öffentlichen Daseinsvorsorge und des Schutzes für die Schwachen und die Globalisierungsverlierer. Viel zu viel an sozialer Sicherheit und an mühsam erkämpften demokratischen Errungenschaften ist auf dem Altar der neuen sogenannten freiheitlichen Werte-Ordnung geopfert worden, unter dem durchsichtigen Vorwand, diese Errungenschaften würden "unsere" nationalen Wettbewerbschancen vernichten.

Die Privatisierungsorgie der letzten Jahrzehnte hat so die staatliche Steuerung aus all den Bereichen entfernt oder reduziert, die Bedingung der Teilhabe aller Bürger an einem guten Gemeinwesen sind: kostenlose Bildung, bezahlbare Wohnungen, ärztliche Versorgung, Pflege im Alter, Recht auf faire Löhne und Arbeit, öffentliche Infrastruktur, Busse, Bahnen und Kommunikationsnetze in abgelegenen Regionen, Schutz von Wasser, Böden, Luft, Sicherheit im Alltagsleben vor Ort. Zurück blieben eine soziale Verwüstung und eine Verrohung der politischen Kultur, die den Existenzkampf um alle lebenswichtigen Güter vorrangig den Einzelnen aufbürdet.

Der Staat und seine Institutionen müssen endlich wieder Anwälte des Gemeinwesens, der Mehrheit der Bürger werden. In der neoliberalen Ära haben sie oft nicht einmal versucht, den Interessen und Lobbyisten von Großkonzernen und Banken entgegenzutreten, die sich aus jeder nationalen oder sozialen Loyalität längst entfernt haben.

Vieles muss hier neu gedacht und zusammengeführt werden: Besteuerung und Begrenzung des Kapitalverkehrs, der ganze Volkswirtschaften ruinieren kann, Aufbrechen der Monopolstrukturen bei Banken und Konzernen, Wiederbelebung der Genossenschaftsideen, der kommunalen Selbständigkeit und der regionalen Selbstbestimmung, der öko-sozialen Nachhaltigkeit von Wirtschaftsunternehmen, angemessenere Mindestlöhne, Tarifbindung der Arbeitsverträge, generelle Bürgerversicherung, Grundsicherungen etc.

Außenpolitisch ist eine Rückkehr zur Friedens- und Entspannungspolitik und eine Rekonstruktion einer gesamteuropäischen Sicherheitsarchitektur Grundbedingung, dass überhaupt wieder Vertrauen in die Zukunft Europas entstehen kann. Die aggressive und arrogante Politik des regime change mit ihren medien-gestützten Mobilisierungskampagnen, ihrer Sanktionspolitik und der ständigen Feindbild-Projektion sind sofort zu beenden.

Die internationalen Institutionen und die Uno haben im Vergleich zu 1990 wesentlich an Einfluss verloren und müssen wieder gestärkt werden. Die Aufrüstungsspirale wird gerade auch durch die Nato systematisch angeheizt, die Rüstungsetats steigen gigantisch.

Klares Verhältnis zur Frage von Krieg und Frieden

Die Ausplünderungspolitik der reichen Industrienationen und die nicht enden wollenden Stellvertreterkriege der US-geleiteten Militärbündnisse sind neben den Klimaveränderungen die Hauptursache der weltweiten Massenmigration. Eine solidarische Linke muss zwingend und zuerst diese Ursachen und den anwachsenden Rüstungsexport bekämpfen, sie kann sich nicht mit dem verdienstvollen, praktizierten Mitgefühl und der Sozialarbeiterrolle für jene Migranten begnügen, die unseren Kontinent überhaupt erreichen.

Ohne ein klares Verhältnis zur Frage von Krieg und Frieden wird es kein Wiedererstarken einer europäischen Linken geben. Hier herrschte in der letzten Zeit viel Unklarheit. Der Kampf für die Menschenrechte, ursprünglich ein pazifistisches Postulat, wird zunehmend willkürlich zur kriegsbegründenden Moral pervertiert.

Schon vor 100 Jahren hat diese Frage die damals so hoffnungsvolle europäische Sozialdemokratie gespalten. Damals begann die unselige Debatte der Linken in einen staatstragenden großkoalitionären Flügel einerseits, in linksradikales Sektierertum unter Führung der dritten Internationale anderseits. Sie nutzte immer nur den politischen Gegnern.

Frieden und Demokratie aber sind die wichtigsten Voraussetzungen größtmöglicher Freiheit für alle und der grundsätzlichen Korrigierbarkeit politischer Entscheidungen. Ein Freiheitsversprechen, das nur den Stärksten in der Gesellschaft alle Hindernisse aus dem Weg räumt, ist hohl und nichts anderes als die Ideologie der unbegrenzten Freiheit des Geldes.

Die Sorge um die Existenz des Planeten und die Lebenschancen zukünftiger Generationen ist die dritte Säule der heute notwendigen Politik. Ökologisches Denken ist Denken in den Kategorien öko-sozialer Nachhaltigkeit, es zielt auf Schonung von Ressourcen, strikte Urheberhaftung bei Umweltschäden, Ermutigung und Unterstützung von Erzeugern und Verbrauchern zu zukunftsadäquatem Verhalten, auf Abwendung vom sinnfreien, aggressiven Konsumismus.

Vielleicht nur noch diese Chance für einen neuen Aufbruch

Wer sammeln will, muss auch sammeln können. Er muss die Fähigkeit und den Willen besitzen, alte Gräben zu überwinden. Toleranz und Respekt im Inneren, Überwindung von Sektierertum und ideologischen Grabenkämpfen, größtmögliche Offenheit der Debatten, keine Gedankenpolizei und Verratsvorwürfe - diese Punkte sind unverzichtbar, wenn man die chronische Spaltungstendenz linker Bewegungen sowohl in der Form wie auch im Inhalt überwinden will.

Wir sind uns dieser traditionellen Schwäche gerade linker Bewegungen bewusst, ebenso wie möglicher Selbstüberschätzung und der Tendenz zu alter Rechthaberei. Der Ernst der Lage und die neue Vernetzung mit der sozialen Wirklichkeit müssen hier eine Mentalitätsänderung herbeiführen.

Es ist nicht der erste Versuch einer besseren Vernetzung und Kooperation der politischen Kräfte aus dem rot-rot-grünen Spektrum. Manche Koordinationsversuche waren in der Vergangenheit zu sehr auf die unmittelbare parlamentarische Machtperspektive orientiert und konnten damit von den Parteistrukturen mit ihren Droh-und Abhängigkeitsverhältnissen schnell ausgebremst oder als Spielwiese abgetan werden.

Die neue Sammlungsbewegung soll sich nicht nur auf einzelne Personen oder "Stars" konzentrieren, sie muss allen Gruppen, die nach solchen Perspektiven suchen, eine faire Kooperation zum gegenseitigen Vorteil und zur gegenseitigen Unterstützung anbieten. Neben der notwendigen Kooperation mit den üblichen Bündnispartnern wie Gewerkschaften, linken Jugendorganisationen und Sozialverbände sollte man Plattformen wie Diem25, Demokratie in Bewegung, der Progressiven Sozialen Plattform, der Initiative: Abrüsten jetzt!, den Willy-Brandt-Kreis, den Bundesausschusses Friedensratsschlag einbeziehen. Es gibt vielleicht nur noch diese Chance für einen neuen Aufbruch.

Aufbruch aus dem Elfenbeinturm in die Wirklichkeit

Helfen wird dabei eine Distanz zum üblichen Parteien- und Politikbetrieb. Die Sammlungsbewegung ist keine neue Partei. Sie will auch keine neue Partei gründen. Raus aus den Wagenburgen der Parteien - das ist ihr Motiv und ihre Methode, um wieder in die gesellschaftliche Offensive zu kommen. Sie versteht sich vorrangig als außerparlamentarische Bewegung, bei erwünschter Vernetzung mit all denen in den Parteien, die sich für diese Ziele und eine größere, lagerübergreifende Kooperation öffnen. Wir wissen, dass neben und zwischen den drei Parteien ein großes Potential von Menschen und Initiativen aktiv ist, die verändern wollen.

Ein Hauptanliegen einer Sammlungsbewegung sollte sein, andere Themen und Positionen in die öffentliche Debatte und auch in die Medien zu bringen als die neoliberale Hauptagenda der letzten Jahre. Aufbruch aus dem Elfenbeinturm in die Wirklichkeit - das ist das Gebot der Stunde! Weg von der so beliebten heuchlerischen Wertedebatte mit ihrer Doppelmoral hin zur genauen Lageanalyse und zur Entwicklung von praktikablen Gegenkonzepten!

Es gibt viele engagierte Mitglieder in allen Parteien, in den gesellschaftlichen Organisationen, in den Kirchen und Kommunen, unter den Wissenschaftlern, an den Universitäten und sogar in den Medien, die solchen Raum für Debatten, aber auch Ermutigung und Rückhalt für ihre Initiativen brauchen. Auf die sollten wir setzen. Wir werden uns nicht von Demoskopen und Medien abhängig machen.

Es gibt eine Sehnsucht nach Aufbruch, nach anderen Gesellschaftskonzepten und anderen Formen öffentlicher Debatten, die finden im herrschenden Politik-und Medienbetrieb zu wenig Widerhall. Die neue Sammlungsbewegung sollte dieser Hoffnung so vieler Menschen eine Chance geben.

insgesamt 17 Beiträge
Reinhold Schramm 04.08.2018
1. Aufstehen, gegen Ausbeutung und Kapitalismus!
Der kapitalistische Staat kann nicht ''Anwalt des Gemeinwesens'' werden. Das war der feudale und bürgerliche Staat, die in ihrer jeweiligen historischen Zeit reale Klassengesellschaft, so auch heute, noch niemals gewesen. Dafür [...]
Der kapitalistische Staat kann nicht ''Anwalt des Gemeinwesens'' werden. Das war der feudale und bürgerliche Staat, die in ihrer jeweiligen historischen Zeit reale Klassengesellschaft, so auch heute, noch niemals gewesen. Dafür müsste man schon den Kapitalismus überwinden und aufheben. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel, nationalen und multinationalen Konzerne in demokratisches Gemeineigentum überführen. Es bedarf demokratisches Gemeineigentum an den gesellschaftlichen Produktions- und Reproduktionsmitteln, an: Grund und Boden, Luft und Wasser, Rohstoffen und Bodenschätzen, Tier -Natur- und Pflanzenwelt. Das wäre zugleich die Voraussetzung für die sozioökonomische und ökologische Entwicklung einer tragfähigen Kreislaufwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland und Europa. Zugleich aber auch eine Voraussetzung für eine nachhaltige -weltweite- soziale und ökologische gleichberechtigte Zukunft der gesamten Menschheit. Dafür muss man allerdings auch den Kapitalismus beseitigen und die materiellen Früchte aus der menschlichen Arbeit und Wertschöpfung teilen wollen. Nur auf dem Weg zur Realisierung dieser Zielsetzung können wir sozioökonomische, sozioökologische und gesellschaftspolitische Gleichheit erreichen, dabei unabhängig von der vorausgegangenen sozialen Herkunft und Stellung in der Gesellschaft, unabhängig vom Geschlecht und Hautfarbe. Last uns den Kapitalismus beseitigen und damit auch die Klassengesellschaft nachhaltig überwinden. Auch in unserem Zusammenhang die Menschenrechtlerin Clara Zetkin zitiert: “Um sich von der Ausbeutung und Unterdrückung zu befreien, muss die Arbeiterklasse der Bourgeoisie nicht bloß die Produktionsmittel des Lebens entreißen, sondern auch die Produktionsmittel des Todes. Gewalt lässt sich nicht wegdisputieren und nicht wegbeten. Gewalt kann nur durch Gewalt gebrochen werden. Das sprechen wir Kommunisten offen aus, nicht weil wir ‘Anbeter der Gewalt’ sind, wie sanfte bürgerliche und sozialdemokratische pazifistische Gemüter uns beschuldigen. Nein, wir beten die Gewalt nicht an, jedoch wir rechnen mit ihr, weil wir mit ihr rechnen müssen. Sie ist da und spielt ihre geschichtliche Rolle, ob wir wollen oder nicht. Es fragt sich nur, ob wir sie widerstandslos erdulden oder ob wir sie kämpfend überwinden wollen.“ Quelle: Clara Zetkin, Gegen den Pazifismus. Aus der “Kommunistischen Fraueninternationale“ 1922, S. 13/14.
Knossos 04.08.2018
2.
So kann das nichts werden. In diesem Aufsatz werden zwar einige Symptome genannt, zugleich jedoch weiterhin abwiegelnde Darstellung fortgeführt, wonach das Problem in ideologischem Dissens etablierter Parteien begründet liegt. [...]
So kann das nichts werden. In diesem Aufsatz werden zwar einige Symptome genannt, zugleich jedoch weiterhin abwiegelnde Darstellung fortgeführt, wonach das Problem in ideologischem Dissens etablierter Parteien begründet liegt. Also ob sie des Volkes Wohl wollten, wenn sie nur könnten. Der Staat ist nicht des Volkes, weil er Diener des Geldadels ist. Das Problem liegt in erster Linie nicht in inhärent undemokratischen Ideologien, sondern in Korruption. Und die Mutter dieser und aller weiteren Sinn- und Praxisentfremdung ist angeeigneter Mehrwert aus Arbeit. Dier Erlaubnis zum Goldschürfen aus Übervorteilung von Mitmenschen. Wenn der Zusammenschluß nicht Butter bei die Fische bringt, und festhält, daß Egalität, Demokratie und Rationalität nicht existieren können, wo gesetzlich legitimiert ist, das Menschenrecht am Verdienst des Arbeitenden zu unterschlagen und sich den Produktionswert abhängig Beschäftigter anzueignen, wandelt sich "Aufstehen" nur wieder in Hinsetzen. Tacheles muß her, und endlich das tabuisierte Thema von Bereicherung an Werktätigen, Lohnabhängigen und Konsumenten ins Rampenlicht. Ohne diese Asozialität des Wirtschaftens gibt es keine soziale Ungleichheit, keinen obszönen Reichtum, keine Oligarchie, keine Plutokratie, keinen Wucher, keinen schachernden und bürokratischen Wasserkopf, keine Auslieferung der Bürger an Privatiers, keine gekauften Volks- und Gemeindevertreter, keine 6000 Lobbyisten um den Bundestag, keine anonymen Konten und den Wust irrationaler und kontraproduktiver Ableger der Inhumanität. Bitte vertut die Chance echten Wandels nicht und benennt soziökonomische Realität ohne Gazehandschuhe und verklärende Umschweife (solange man selbst den Geschmierten nicht angehört). Läge die globale Destruktion lediglich in politischen Irrtümern und Versagen Gutmeinender begründet, bräuchte es keine neue und echte soziale Bewegung. Hier sollte es um die Vorsätzlichkeit der Zweckentfremdung und Korruption gehen, sonst geht diese Sammlungsbewegung wieder einmal in die Hose. Und es ist ökologisch keine Zeit mehr für historische Rohrkrepierer und philanthropisch angemalten Etikettenschwindel.
wynkendewild 04.08.2018
3. Links-Sein
Wie will man Erfolge erzielen wenn man sich immer weiter zersplittert? Die Gesellschaft lässt sich doch nicht mit Leuten verändern, die sich untereinander nicht Grün zu sein scheinen. Das Problem mit der Linken ist, dass [...]
Wie will man Erfolge erzielen wenn man sich immer weiter zersplittert? Die Gesellschaft lässt sich doch nicht mit Leuten verändern, die sich untereinander nicht Grün zu sein scheinen. Das Problem mit der Linken ist, dass ihre Forderungen zu weitreichend sind und deren Umsetzung somit schon an der Machbarkeit zu scheitern drohen. Alleine in der Flüchtlingsfrage sieht man die komplette Überforderung der linken Parteien. Es wäre schon ein Anfang, wenn man den Menschen wieder in den Mittelpunkt jeglichen Strebens rücken würde. Dann wäre man auch nicht verwundert, warum die Leute immer rechter werden. Momentan sieht es nur danach aus, als würde man sich aus reinem Neid einfach alles unter den Nagel reißen wollen. Während alle anderen handeln.... Das kann nicht Sinn und Zweck linken Strebens sein. MfG: wynkendewild
hj.binder@t-online.de 04.08.2018
4. Das Kernproblem
der derzeitigen politischen Stimmung ist die SPD. Erst hat die arrogante Kraft in NRW durch ihre Diffamierung der Linkspartei die letzten anständigen SPD-Wählern von der Wahl abgehalten; (in unserer Nachbarschaft wohnen Linke, [...]
der derzeitigen politischen Stimmung ist die SPD. Erst hat die arrogante Kraft in NRW durch ihre Diffamierung der Linkspartei die letzten anständigen SPD-Wählern von der Wahl abgehalten; (in unserer Nachbarschaft wohnen Linke, ich habe mit Linken zusammenmalocht) dann hat jetzt der grenzdebile Oppermann (Sonnenstich?Alzheimer?) einen Kommentar in der ARD zum "Besten gegeben, der die SPD in Richtung 10% treibt. Solange die SPD als politisches Credo nicht begreift, daß sie mit den Hartz-Verbrechen ein Drittel der Menschen in Armut bis zum Tod treibt und etwa 40% aller Kinder keinerlei Chancen lässt; so lange die SPD nicht bereit ist, diesem Verbrechen ein Ende zu setzen - "wir haben uns geirrt, von den Schwätzern der Wirtschaft einlullen lassen" und "wir müssen die Möglichkeit bekommen mit Mehrheiten zu einer humanen und demokratischen Politik zurück zu finden; wenn das so diskutiuert wird, hat die SPD noch Chancen. Dann ist die Frage nach einer linken, demokratischen, sozialen und humanen Sammlungsbewegung zum Wohl der Menschen, des Landes und Europas kein Problem mehr.
jrcom 04.08.2018
5. Danke.
Ich bin regelrecht gerührt, dass es solche Menschen in der Politik noch gibt. Eine super Einführung in die Bewegung. Obwohl ich, wie bestimmt viele, noch Bedenken habe und die weitere Entwicklung gerne abwarte, freue ich mich [...]
Ich bin regelrecht gerührt, dass es solche Menschen in der Politik noch gibt. Eine super Einführung in die Bewegung. Obwohl ich, wie bestimmt viele, noch Bedenken habe und die weitere Entwicklung gerne abwarte, freue ich mich schon jetzt über das, was hier entsteht. Auch dass es nicht einfach "Wagenknechts" Bewegung ist. Ich hoffe, es bleibt so und wir bekommen eine echte Bewegung. Danke an alle, die sich hier engagieren.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP