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Politik

CSU-Machtkampf

Die Halb-Starken

Söder und Seehofer - kann das gut gehen? Damit die CSU bei der Landtagswahl ihre absolute Mehrheit verteidigen kann, müssten die beiden ihre tiefe Feindschaft begraben. Wenig spricht dafür, dass das gelingt.

AFP

Markus Söder, Horst Seehofer

Ein Kommentar von
Montag, 04.12.2017   17:03 Uhr

Er hat es tatsächlich getan. Horst Seehofer hat angekündigt, sein Amt als Ministerpräsident abzugeben, ausgerechnet an seinen Erzrivalen, jenen Mann, den er immer wieder als "vom Ehrgeiz zerfressen", bezeichnet hat, als einen, der "Schmutzeleien" unter die Leute bringe und auch sonst charakterlich nicht für den Job als Landesvater geeignet sei. Nun macht Horst Seehofer den Weg für Markus Söder frei. Ein Stück weit jedenfalls.

Markus Söder soll Spitzenkandidat bei der Landtagswahl im kommenden Herbst werden. Damit Söder mit Amtsbonus in die Wahl gehen kann, ist Seehofer sogar bereit, schon im Frühjahr als Regierungschef zurückzutreten. Man könnte fast von menschlicher Größe sprechen, wenn Söder Seehofers Rückzug nicht brutal erzwungen hätte. Seehofer selbst soll als Parteichef weiter dafür sorgen, dass die CSU in Berlin in einer möglichen, neuerlichen Großen Koalition nicht unter die Räder gerät.

Mit dieser Aufstellung will die CSU bei der Wahl im kommenden Herbst ihre absolute Mehrheit verteidigen, ein tollkühnes Unterfangen, nicht nur, wenn man auf die gegenwärtigen Umfragewerte blickt.

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Das liegt daran, dass der jahrelange Machtkampf Seehofer gegen Söder zu keinem Zeitpunkt mehr war, als nur das Ringen zweier übergroßer Egos. Nie ging es um die Frage, mit welchen Inhalten die CSU verhindern will, dass ihr Grüne und AfD gleichzeitig Wähler abspenstig machen und so am Mythos von Europas letzter Volkspartei nagen. Von Söder ist keine Idee, keine Überzeugung, kein Vorschlag überliefert, was er in Bayern und der CSU künftig anders machen will als Seehofer.

Die Machtarithmetik und sonst nichts diktierte ihren Kompromiss. Seehofer ist nicht mehr stark genug, Söder zu verhindern, Söder noch nicht stark genug, nach beiden Ämtern zu greifen.

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Markus Söder: Der Seehofer-Shrek

Herausgekommen ist eine Doppelspitze, also ein Modell, nach dem die CSU immer wieder greift, wenn die Machtverhältnisse nicht geklärt sind. Sicher, die Partei hat nicht nur negative Erfahrungen mit der Ämtertrennung gemacht. Im Idealfall verstärken sich die beiden Spitzen, ergänzen sich, wie einst Alfons Goppel und Franz Josef Strauß. Der eine gab in Bayern den gütigen Landesvater, der andere zog auf der Bonner Bühne gegen die Ostpolitik Willy Brandts zu Felde.

Im schlechtesten Fall jedoch addieren sich die Schwächen, wie bei Günther Beckstein und Erwin Huber, denen es beiden nicht gelang, der CSU in und über Bayern hinaus Profil zu verschaffen.

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Horst Seehofer: Rückzug auf Raten

Die neue Doppelspitze ist eine der Schwäche. Seehofer muss bleiben, weil die Partei Söder nicht zutraut, allein die absolute Mehrheit zu verteidigen. Sicher, Söder mag dafür taugen, die rechte Ecke "auszufeudeln", wie der "Stern" schreibt, also die AfD zu schrumpfen. Doch für das liberale bayerische Bürgertum oder den katholischen Flügel der Partei ist der Mann eine Zumutung. Bei der Landtagswahl ist der Franke zudem auf die Hilfe Seehofers ausgerechnet dort angewiesen, wo in der CSU noch immer Wahlen entschieden werden: in Oberbayern.

Seehofer und Söder ist wie Schalke und Dortmund

Doch wer glaubt, dass Seehofer und Söder künftig vertrauensvoll zusammenarbeiten, der glaubt auch, dass Schalke und Dortmund künftig Freundschaftsspiele austragen. Das christsoziale Wunder wird ausbleiben. Die Wunden, die sich die beiden über die Jahre zugefügt haben, sitzen zu tief. Jahrelang jonglierte Seehofer mit allen möglichen Kandidaten, Fahrenschon, Guttenberg, Weber, Herrmann, wieder Guttenberg, und all das, nur um am Ende mit dem dazustehen, den er immer verhindern wollte - Söder eben.

"Puh"

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Söder wiederum drängelte immer unverhohlener, den alten König endlich vom Thron zu stoßen. Zu Söders Zermürbungstaktik gehörte nicht nur die angeblich spontan in Szene gesetzte Unterstützungsaktion bei der Parteijugend in Erlangen. Er schickte befreundeten CSU-Leuten auch klandestine Nachrichten auf ihre Handys. Vor gar nicht allzu langer Zeit trudelte bei einigen beispielsweise ein Foto ein, das den sterbenskranken Papst Johannes Paul II. in seinen letzten Amtstagen zeigte. Wohl eine Anspielung darauf, dass auch der 68-jährige Seehofer nicht mehr zu jedem Zeitpunkt topfit aussieht.

Fürs erste war Söder brutaler im Angreifen als Seehofer im Aussitzen. Über die Zukunft der CSU wird allerdings erst dann entschieden, wenn sich Leute wie Landesgruppenchef Alexander Dobrindt oder Parteivize Manfred Weber stark genug fühlen, Söder entgegenzutreten. Solange muss Seehofer als Parteichef noch durchhalten.

Im Video: Der Seehofer-Rückzug

Foto: DPA
insgesamt 95 Beiträge
eunegin 04.12.2017
1. Strauss 2.0
Die Figur und die Einstellung eines bayerischen MP hat er ja. Er sieht sich jetzt schon als FJS 2.0
Die Figur und die Einstellung eines bayerischen MP hat er ja. Er sieht sich jetzt schon als FJS 2.0
claus7447 04.12.2017
2.
Hochzeit für das politische Cabaret! Ich freue mich jetzt schon auf den Starkbieranstich! Hallelujah!
Hochzeit für das politische Cabaret! Ich freue mich jetzt schon auf den Starkbieranstich! Hallelujah!
Poli Tische 04.12.2017
3. Armselig......
....... die Kandidatur von Söder ist ein weiterer Grund für das Antreten der CDU auch in Bayern. Der Elvis Presley-Verschnitt aus Franken taugt eher für eine Faschingsveranstaltung als für die Position eines [...]
....... die Kandidatur von Söder ist ein weiterer Grund für das Antreten der CDU auch in Bayern. Der Elvis Presley-Verschnitt aus Franken taugt eher für eine Faschingsveranstaltung als für die Position eines "Landesvaters"
tulius-rex 04.12.2017
4. Sündenfall der CSU
Die Dauerstänkerei gegen die CDU (Unrechtsstaat Deutschland, Obergrenze, usw.) hat dafür gesorgt, dass nunmehr 94 AfD-Hetzer (siehe Parteitag in Hannover) im Bundestag sitzen, die wir Steuerzahler für Nullleistung und [...]
Die Dauerstänkerei gegen die CDU (Unrechtsstaat Deutschland, Obergrenze, usw.) hat dafür gesorgt, dass nunmehr 94 AfD-Hetzer (siehe Parteitag in Hannover) im Bundestag sitzen, die wir Steuerzahler für Nullleistung und mindestens 4 Jahre bezahlen müssen. Das ist der wahre Sündenfall der CSU mit all ihren gegenwärtigen Amtsträgern. Man hätte Seehofer, Söder, Dobrindt und Scheuer schon lange in den Arm fallen müssen.
StefanXX 04.12.2017
5. Fred Feuerstein
Herr Söder hat mich die ganze Zeit schon an jemanden erinnert und ich bin nicht draufgekommen an wen. Jetzt ist es mir eingefallen, es ist Fred Feuerstein. Ich finde die Ähnlichkeit verblüffend.
Herr Söder hat mich die ganze Zeit schon an jemanden erinnert und ich bin nicht draufgekommen an wen. Jetzt ist es mir eingefallen, es ist Fred Feuerstein. Ich finde die Ähnlichkeit verblüffend.

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