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Politik

SPON-Umfrage

Mehrheit lehnt Schulz-Kandidatur für Europawahl ab

In der SPD werden Stimmen laut, die Martin Schulz als Spitzenkandidat für die Europawahl fordern. Bei Anhängern der Sozialdemokraten und der Grünen ist die Idee populär. Aber auch nur dort.

REUTERS

Martin Schulz

Mittwoch, 16.05.2018   16:22 Uhr

Martin Schulz hat eine ereignisreiche Zeit hinter sich: Zu Beginn des Wahljahres 2017 war er SPD-Hoffnungsträger und Namensgeber des "Schulz-Zuges", der ihn direkt ins Kanzleramt bringen sollte. Dann die krachende Niederlage bei der Bundestagswahl im September.

Danach lehnte er erst trotzig die Regierungsbeteiligung ab, handelte dann aber doch den Koalitionsvertrag mit der Union aus. Im innerparteilichen Machtkampf scheiterte er schließlich - und gab den Parteivorsitz ab.

Nun sieht es so aus, als könnte Schulz eine neue Chance bekommen: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der konservative Seeheimer Kreis machen sich für einen EU-Spitzenkandidaten Schulz bei der Wahl zum Europäischen Parlament im Mai 2019 stark.

Eine gute Idee? Eine Umfrage von SPIEGEL ONLINE und dem Meinungsforschungsinstitut Civey zeigt: Die Begeisterung ist gering. Rund 61 Prozent der Befragten in der repräsentativen Erhebung lehnen eine Spitzenkandidatur bei der Europawahl ab. Zwei Drittel derer, die Schulz in dieser Rolle ablehnen sagen sogar, er solle sie "auf keinen Fall" bekommen.

Die Ablehnung ist über alle Altersgruppen hinweg einhellig. Am besten schneidet Schulz noch bei den über 64-Jährigen ab. Am wenigsten begeistert die Idee die Menschen mittleren Alters, also zwischen 40 und 49 Jahren.

Allein bei den potenziellen Wählern der SPD und der Grünen gibt es mehrheitlich Zustimmung dafür, Schulz nur ein Jahr nach seinem Scheitern bei der Bundestagswahl zum Frontmann für die EU-Wahl zu machen.

Unter potenziellen SPD-Wählern sind gut 59 Prozent für einen Spitzenkandidaten Schulz (33 Prozent dagegen), bei den Grünen immerhin gut 48 Prozent (39 Prozent dagegen). Am unpopulärsten ist eine Kandidatur Schulz' bei jenen, die sich für die Rechtspopulisten und Europagegner der AfD interessieren.

Geplant ist die Nominierung in der SPD für die zweite Jahreshälfte. Für Schulz wäre sie eine Rückkehr auf bekanntes Terrain. Vor der Spitzenkandidatur in Deutschland war er lange Präsident des Europaparlament, in Brüssel und Straßburg gilt er als begeistert und begeisternd für die europäische Sache.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Wer steckt hinter Civey?

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cht

insgesamt 28 Beiträge
Andreas P. 16.05.2018
1. Sind wir völlig schmerzfrei oder haben wir Europa bereits aufgegeben?
Mister 100% Zustimmung, der dann für den tiefsten Fall der SPD verantwortlich war, keinerlei politisches Rückgrat oder Verantwortung nach der Wahlschlappe der SPD gezeigt hat, sich dann noch einen vorher verneinten [...]
Mister 100% Zustimmung, der dann für den tiefsten Fall der SPD verantwortlich war, keinerlei politisches Rückgrat oder Verantwortung nach der Wahlschlappe der SPD gezeigt hat, sich dann noch einen vorher verneinten Ministerposten selbst zugeschachert hat und der dann ENDLICH gehen musste? Das soll unser Mann für Europa sein? Der hat doch schon vorher Europa nicht weiter gebracht und wurde dann als Kanzlerkandidat weggelobt. Wie schmerzfrei oder politikverdrossen müssen wir sein. Das wird die SPD im weiteren freien Fall noch beschleunigen, sollten die das ernsthaft durchsetzten.
womo88 16.05.2018
2. Coole Sache!
Die Sozen wollen mal wieder was machen, was die Mehrheit ablehnt. War das nicht mit der Bundestagswahl ähnlich? Aber jetzt kommt die Eneuerung der SPD! Martin Schulz, den keiner kennt, soll Spitzenkandidat für die EU-Wahl 2019 [...]
Die Sozen wollen mal wieder was machen, was die Mehrheit ablehnt. War das nicht mit der Bundestagswahl ähnlich? Aber jetzt kommt die Eneuerung der SPD! Martin Schulz, den keiner kennt, soll Spitzenkandidat für die EU-Wahl 2019 werden. Endlich mal ein neues Gesicht in Europa! *Ironie aus* Man kann es auch anders nennen: Die Sozen haben nichts, aber auch rein gar nichts dazugelernt!
Liton 16.05.2018
3. Schulz ist
und bleibt ein hervorragender Politiker. Die Wahlschlappe hat nicht Schulz sondern die SPD verdient.
und bleibt ein hervorragender Politiker. Die Wahlschlappe hat nicht Schulz sondern die SPD verdient.
jun26128 16.05.2018
4.
"Am unpopulärsten ist eine Kandidatur Schulz' bei jenen, die sich für die Rechtspopulisten und Europagegner der AfD interessieren." Diese Aussage ist einfach nur eine Frechheit. Der Kurs von Merkel, Schulz und co [...]
"Am unpopulärsten ist eine Kandidatur Schulz' bei jenen, die sich für die Rechtspopulisten und Europagegner der AfD interessieren." Diese Aussage ist einfach nur eine Frechheit. Der Kurs von Merkel, Schulz und co spaltet Europa. Und "Rechtspopulisten"? Das ist so 2015, einfach ausgelutscht...
Mr Bounz 16.05.2018
5.
Ich finde Seehover war auch unwählbar und sicher dachte das auch die absoloute Mehrheit der SPD/Grünen/Linken/FDP Wähler, aber das hatte die CSU zu entscheiden. Über einen SPD Kandidaten entscheidet die SPD und sonst keiner!
Ich finde Seehover war auch unwählbar und sicher dachte das auch die absoloute Mehrheit der SPD/Grünen/Linken/FDP Wähler, aber das hatte die CSU zu entscheiden. Über einen SPD Kandidaten entscheidet die SPD und sonst keiner!

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