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Politik

Noah Becker zu Rassismus

"Menschen mit Hass müssen wir Liebe geben"

Noah Becker reagiert auf den rassistischen Tweet aus den Reihen der AfD: So etwas passiere ihm andauernd, sagt der 23-Jährige.

DPA

Noah Becker auf dem Modefestival Bread & Butter

Samstag, 06.01.2018   09:12 Uhr

Noah Becker wurde in einem Tweet eines AfD-Abgeordneten übel rassistisch beschimpft. "Das war eine überraschende erste Woche des Jahres. Aber ich war nicht wirklich verletzt", sagte der 23-Jährige, der unter anderem als DJ arbeitet und malt, dem Magazin "Vice.com".

"So was passiert schon öfter - im Club oder auf der Straße. Wenn die Person vor mir steht, dann trifft mich das härter", sagte Becker, Sohn der Tennislegende Boris Becker. Trotzdem sei es frustrierend zu sehen, dass Menschen in Machtpositionen heute immer noch andere so beleidigen könnten. Andere machten es ihnen dann nach, und das sei beängstigend.

Der bereits am Dienstag auf dem Twitter-Account des AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier gepostete Satz "Dem kleinen Halbneger scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären" wurde später gelöscht.

Nach Angaben Maiers hatte nicht er selbst, sondern ein Mitarbeiter den Tweet verfasst. Er sei abgemahnt worden. Der Kommentar bezog sich auf ein Interview, in dem Noah Becker erklärt hatte, Berlin sei im Vergleich zu London oder Paris eine "weiße Stadt". Er selbst sei wegen seiner braunen Hautfarbe attackiert worden.

In dem "Vice.com"-Interview sagte Noah Becker nun, den Vergleich Berlins mit Paris oder London habe er nicht negativ gemeint. "Das ist einfach so. Berlin ist eben anders als Paris oder London." Aber er habe sich in Berlin verliebt. "Verglichen mit anderen Städten kann man hier noch so frei sein, und die Menschen akzeptieren mich, so wie ich bin - abgesehen eben von den rassistischen Vorfällen."

Becker: "Vielleicht ist Maier langweilig"

Maier gilt als Vertreter des rechtsnationalen Parteiflügels um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke. AfD-Parteichef Jörg Meuthen hatte Maiers Tweet als "rassistisch" kritisiert und auf die Möglichkeit "weitreichender" Ordnungsmaßnahmen durch den Parteivorstand hingewiesen.

Becker sagte "Vice.com", er werde auf jeden Fall zu häufig als "Neger" bezeichnet. Es passiere ihm und Freunden andauernd, "dass Leute mit dem Finger auf uns zeigen und Witze über unsere Haare machen. Das machen sie, weil sie einfach Angst haben." Für deren Verhalten habe er absolut kein Verständnis. Diese Menschen seien eben in gewisser Weise ignorant.

"Wenn man aufwächst, wo nur Weiße sind, wenn man nur eine bestimmte Hautfarbe sieht, dann kennt man nichts anderes. Und hat Angst vor Fremden. Diese Leute muss man mehr lieben." Er selbst sei stolz auf seine Hautfarbe. "Und genauso darauf, deutsch zu sein. Den Menschen mit Hass müssen wir einfach Liebe geben und noch mehr Liebe - bis ihr Gehirn voll damit ist."

Über Maier sagte Noah Becker: "Der ist nun mal so. Er weiß es halt nicht besser. Vielleicht ist ihm langweilig." Er sei nicht wütend auf ihn. Nichtsdestotrotz will Noah Becker in Absprache mit seinem Vater juristisch gegen den AfD-Abgeordneten vorgehen.

Rechtsanwalt Christian-Oliver Moser hatte der "Bild" am Mittwoch gesagt, er sei beauftragt, unverzüglich die erforderlichen straf- und zivilrechtlichen Schritte gegen Maier zu ergreifen.

abl/dpa

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