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Politik

Kandidatenfrage

Scholz verärgert SPD mit Kanzlerambitionen

Gerade erst hat Finanzminister Olaf Scholz gesagt, er traue sich das Kanzleramt zu. Schon gibt es Kritik mehrerer Sozialdemokraten: "Falscher Zeitpunkt, falscher Mann, falsche Methode".

DPA

Olaf Scholz

Montag, 07.01.2019   12:22 Uhr

Die nächste planmäßige Bundestagswahl steht 2021 an. Dann treten für Union und SPD neue Kandidaten an, die um das Kanzleramt buhlen. Aber schon jetzt, zweieinhalb Jahre vorher, hat sich mit Olaf Scholz ein erster Politiker selbst ins Spiel gebracht. Das sorgt in der eigenen Partei für klare Kritik.

Dabei geht es vor allem um den Zeitpunkt der Aussagen des Finanzministers und Vizekanzlers. "Das Letzte, was die SPD vor der so wichtigen Europawahl braucht, ist es, eine Kanzlerkandidaten-Debatte zu führen", sagte der SPD-Landeschef von Nordrhein-Westfalen, Sebastian Hartmann, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Europawahl steht im Mai an. "Ich erwarte nach dem schwierigen Jahr 2018, dass sich alle Vertreter der Parteiführung auf die wesentlichen Dinge konzentrieren", sagte Hartmann weiter.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil findet den Zeitpunkt falsch, um über mögliche Kanzlerkandidaten zu sprechen: "Im Moment stellt sich diese Frage innerhalb der SPD nicht besonders dringlich, denn bis zur nächsten Bundestagswahl sind es noch mehr als zwei Jahre", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

"Der falsche Zeitpunkt, der falsche Mann und die falsche Methode"

Im Interview mit der "Bild am Sonntag" war Scholz gefragt worden, ob er sich das Kanzleramt zutraue. "Ja. Frau Kramp-Karrenbauer hat gerade gesagt, dass von einer Parteivorsitzenden erwartet wird, dass sie sich das Amt zutraut. Für einen Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland gilt das Gleiche", antwortete er. Ausdrücklich fügte Scholz selbst hinzu: "Weder bei der Union noch bei uns steht diese Frage heute aber an."

Durch seine Antwort befeuerte er die Debatte trotzdem selbst. Vize-Chef Ralf Stegner bekräftigte anschließend seinen Wunsch nach einer Urwahl, was die Festlegung auf einen Kanzlerkandidaten angeht. "Ich glaube, dass wir mit mehreren Bewerbern um die Kanzlerkandidatur gut beraten wären", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die meisten Mitglieder wünschten sich einen Wettbewerb. "Wir haben mit Selbstausrufungen nicht die besten Erfahrungen gemacht", sagte Stegner. Martin Schulz, der SPD-Kanzlerkandidat der vergangenen Wahl, hatte die Option ins Spiel gebracht. Auch Weil sprach sich zuletzt dafür aus.

Positiv sehen die Idee dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zufolge auch die beiden größten SPD-Landesgruppen, NRW und Niedersachsen/Bremen. "Wir müssen als Partei mehr Mut haben", heißt es demnach in einem gemeinsamen Positionspapier der beiden Landesgruppenchefs Achim Post (NRW) und Johann Saathoff (Niedersachsen/Bremen).

Es brauche Mut, neue Wege zu gehen. Dazu gehöre auch die Idee, "Spitzenkandidaturen per Urwahl zu bestimmen, wenn es mehrere Kandidatinnen und Kandidaten für ein Amt gibt". Das sei ein Verfahren, "mit dem einige Landesverbände der SPD bereits gute Erfahrungen gemacht haben".

Die SPD-Parteijugend (Jusos) sagten zu den Aussagen von Olaf Scholz, sie lehnten den Vize-Kanzler ihrer Partei als Kandidaten für das Kanzleramt ab. "Das ist der falsche Zeitpunkt, der falsche Mann und die falsche Methode", sagte Juso-Vize Katharina Andres der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Für sie sei SPD-Chefin Andrea Nahles die "erste Wahl", sagte Andres, "zumal es an der Zeit ist, dass die SPD eine Frau zur Kanzlerkandidatin macht".



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aev/AFP/dpa

insgesamt 230 Beiträge
Ontologix II 07.01.2019
1. Viel mehr als Scholz ...
... hat die SPD aber auch nicht mehr zu bieten. Oder soll Stegner antreten?
... hat die SPD aber auch nicht mehr zu bieten. Oder soll Stegner antreten?
cirus27 07.01.2019
2. na also!
...und wann wird kevin der einzigartige gefragt, ob er sich das zutraut? vielleicht 2034? macht doch nix!
...und wann wird kevin der einzigartige gefragt, ob er sich das zutraut? vielleicht 2034? macht doch nix!
franxinatra 07.01.2019
3. Reingefalle (so wie ich)
die BILD hat ihn doch bloß gefragt, ob er es sich zutraue; und wer seine Worte diesem Blatt ausliefert darf sich nicht wundern gewulfft zu werden!
die BILD hat ihn doch bloß gefragt, ob er es sich zutraue; und wer seine Worte diesem Blatt ausliefert darf sich nicht wundern gewulfft zu werden!
realistico 07.01.2019
4. Etwas unfaire Behandlung
Ich habe in der Regel wenig Mitleid mit den aktuell Verantwortlichen bei der SPD. Grundsätzlich auch nicht mit Herrn Scholz, den ich zwar für sehr intelligent, dennoch als einen Mann von gestern betrachte, eines der letzten [...]
Ich habe in der Regel wenig Mitleid mit den aktuell Verantwortlichen bei der SPD. Grundsätzlich auch nicht mit Herrn Scholz, den ich zwar für sehr intelligent, dennoch als einen Mann von gestern betrachte, eines der letzten Relikte der Schröder-Ära. In diesem Fall wird ihm m. E. aber übel mitgespielt. Denn was anderes als ein eindeutiges "Ja" hätte er denn auf die Frage ob sich Kanzler zutraut sagen sollen? Etwa "Öh, ähem, neee, lass mal - ich bin nicht so einer"? Was natürlich offen ist, ist die Frage, ob seine PR-Leute das komplette Interview zur Freigabe bekommen haben. Diese hätten dann die Verantwortung gehabt, die gesamte Frage inklusive Antwort komplett rauszustreichen. Nur so hätte diese Kommunikationspanne verhindert werden können.
Hautversessener 07.01.2019
5. Scholz
schlechtestes Ergebnis bei den Vorstandswahlen, praktisch keinen Beitrag nach seiner Rede auf dem letzten Parteitag. Da war Steinbrück um Dimensionen besser! N E I N ! Nein, Martin Schulz sollte wieder Vorsitzender werden. Er [...]
schlechtestes Ergebnis bei den Vorstandswahlen, praktisch keinen Beitrag nach seiner Rede auf dem letzten Parteitag. Da war Steinbrück um Dimensionen besser! N E I N ! Nein, Martin Schulz sollte wieder Vorsitzender werden. Er ist der einzige, der begeistern und reden kann. Man nehme nur die Intervention zu Gaulands "Vogelschiss". Minutenlange Ovationen des stehenden Bundestags. Wer das das überhaupt schon in den letzten Jahren geschafft.

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