Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Chef der Jungen Union

Paul Ziemiak zum CDU-Generalsekretär gewählt

Er ist jung, er ist konservativ - und er kommt aus Nordrhein-Westfalen: Die CDU hat Paul Ziemiak zum Generalsekretär gewählt. Der 33-Jährige erhielt als einziger Kandidat allerdings weniger als zwei Drittel der Stimmen.

Foto: REUTERS
Samstag, 08.12.2018   13:34 Uhr

Paul Ziemiak ist neuer Generalsekretär der CDU. Auf dem Parteitag in Hamburg wurde der 33-Jährige mit 62,8 Prozent der Stimmen in das Amt gewählt. Ziemiak folgt in dem Amt damit Annegret Kramp-Karrenbauer. Die neue Parteichefin hatte den Delegierten am Samstag gleich zu Beginn des Programms ihren Parteimanager-Kandidaten vorgeschlagen.

Damit erhielt Ziemiak überraschend wenig Zustimmung. Er war der einzige Kandidat für das Amt des Generalsekretärs. "Ich danke Euch für dieses ehrliche Ergebnis", sagte Ziemiak nach der Wahl und versuchte so erst gar nicht, die niedrige Zustimmung positiv darzustellen. Das sei für ihn aber Ansporn, hart zu arbeiten.

Die Union habe mit der Jungen Union (JU) die größte Jugendorganisation, diese Chance sollte genutzt werden, hatte zuvor Kramp-Karrenbauer bei der Präsentation ihres Kandidaten gesagt. In der CDU habe es das aber noch nie gegeben, dass ein JU-Chef Generalsekretär geworden sei. Mit dem Wechsel muss Ziemiak das Amt an der Spitze der Jugendorganisation abgeben.

Bei seiner Vorstellung sagte Ziemiak, nun gehe es darum, die Partei zu erneuern, mit einem klaren Kurs und einer klaren Sprache. "Wir müssen die Partei des Rechtsstaates sein."

Ziemiak wurde 1985 im polnischen Stettin geboren und ist seit 2014 Vorsitzender der Jungen Union. 2017 zog Ziemiak als Abgeordneter in den Bundestag ein. Er gilt als profiliertes Mitglied des konservativen Parteiflügels und als Freund von Gesundheitsminister Jens Spahn, der im Rennen um den Vorsitz im ersten Wahlgang ausgeschieden war.

Neue CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer

Kramp-Karrenbauer räumte ein, Ziemiak das Amt bereits vor ihrer Wahl das Amt angeboten zu haben für den Fall, dass sie den Wettstreit um den Parteivorsitz gewinne. Demnach sagte Ziemiak ihr aber ab und begründete dies mit seiner Loyalität zu den beiden Gegenkandidaten Friedrich Merz und Jens Spahn. Wie die beiden gehört auch Ziemiak dem nordrhein-westfälischen Landesverband an.

Noch am Vorabend des Parteitags ließ Ziemiak laut Teilnehmern vor Mitgliedern der Jungen Union durchblicken, dass er bei der Wahl nicht für Kramp-Karrenbauer stimmen werde. Die JU stellt mehr als 110 Delegierte auf dem Parteitag. Kramp-Karrenbauer sagte am Samstag, sie habe Ziemiak den Posten am Freitagabend erneut angeboten. Dann habe er dies angenommen.

Die neue Parteivorsitzende versucht mit der Personalie offenbar, sowohl die Jungen in der Partei als auch konservative Kritiker der Politik der bisherigen Vorsitzenden Angela Merkel ansprechen.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Dies wäre auch ein Signal, mit dem sie eine tiefere Spaltung der Partei verhindern will, die sich in dem niedrigen Wahlergebnis für Ziemiak ausdrückt. Zuvor hatte Kramp-Karrenbauer dem Befund noch widersprochen: "Nein, die Partei ist nicht gespalten", sagte sie zu Beginn des zweiten Tags des Parteitags.

Der unionsnahe Studentenverband RCDS begrüßte die Berufung Ziemiaks als Generalsekretär auch rasch. Die neue Parteivorsitzende zeige damit, "dass sie die junge Generation in den Erneuerungsprozess der Partei einbinden möchte", sagte RCDS-Chef Henrik Wärner.

Am Freitag war die frühere saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer in einer Kampfabstimmung gegen Ex-Unionsfraktionschef Merz zur Nachfolgerin von Kanzlerin Angela Merkel zur CDU-Vorsitzenden gewählt worden.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

fdi/dpa/AFP

insgesamt 27 Beiträge
trex#1 08.12.2018
1. CDU in der Krise
Die neue Parteichefin mit 51,..% gewählt, zwei Präsidiumsmitglieder mit weniger als 60% (ohne alternativen Kandidaten), der neue Geschäftsführer mit 62,8% (ohne Gegenkandidat) - so schlechte Ergebnisse hat es wohl noch nie [...]
Die neue Parteichefin mit 51,..% gewählt, zwei Präsidiumsmitglieder mit weniger als 60% (ohne alternativen Kandidaten), der neue Geschäftsführer mit 62,8% (ohne Gegenkandidat) - so schlechte Ergebnisse hat es wohl noch nie gegeben. Da helfen auch alle Jubelberichte in den Medien wenig, das sind Zahlen einer Krise. Informationen über die Ausbildung und den beruflichen Werdegang des neuen Geschäftsführers erspart man uns auch. Da gibt es wohl nichts zu berichten.
demokrat2 08.12.2018
2. Die Augen sagen viel.
Ziemiak wirkt kalt und gefühllos. In Talkshows habe ich ihn als unangenehmen "Rechthaber" erlebt. Unsympathisch! Kramp-Karrenbacher versucht die härtesten Brocken in der Partei einzubinden und zugleich die Jugend zu [...]
Ziemiak wirkt kalt und gefühllos. In Talkshows habe ich ihn als unangenehmen "Rechthaber" erlebt. Unsympathisch! Kramp-Karrenbacher versucht die härtesten Brocken in der Partei einzubinden und zugleich die Jugend zu gewinnen.
viellärmumnichts 08.12.2018
3. Rosige Aussichten
Nach dem ganzen Wind der letzten Woche könnte man glauben, es ging um den nächsten Kanzler und seine Gefolgschaften. Zum Glück hat da der Wähler das letzte Wort, ob die das bei der CDU auch so sehen. Mit Weiter-So-AKK und dem [...]
Nach dem ganzen Wind der letzten Woche könnte man glauben, es ging um den nächsten Kanzler und seine Gefolgschaften. Zum Glück hat da der Wähler das letzte Wort, ob die das bei der CDU auch so sehen. Mit Weiter-So-AKK und dem JU-Nachwuchs wird das sicher nix. Aber die NRW-Union musste halt zufrieden gestellt werden, egal wie die Realität ausschaut.
Bürger92 08.12.2018
4. Wer hätte das gedacht?
Ausgerechnet die CDU macht der SPD vor, wie man sich in friedlicher und demokratischer Weise neu aufstellen und personelle Reformen durchführen kann. Und die SPD? Die wartet noch immer auf Godot.
Ausgerechnet die CDU macht der SPD vor, wie man sich in friedlicher und demokratischer Weise neu aufstellen und personelle Reformen durchführen kann. Und die SPD? Die wartet noch immer auf Godot.
skeptikerjörg 08.12.2018
5. Zweite Delle
Für diejenigen, die die CDU unbedingt nach rechts rücken wollen, ist das Stimmenergebnis, nach der Nichtwahl von Merz, eine zweite Delle. Der Strippenzieher Schäuble und seine Baden-Württemberg Konnektion sind ganz schön [...]
Für diejenigen, die die CDU unbedingt nach rechts rücken wollen, ist das Stimmenergebnis, nach der Nichtwahl von Merz, eine zweite Delle. Der Strippenzieher Schäuble und seine Baden-Württemberg Konnektion sind ganz schön gegen die Wand gefahren. Das schlechte Ergebnis für den Herrn Schwiegersohn bei der Vorstandswahl war ein weiterer Fingerzeig. Die Delegierten wollen eben nicht zurück in die schlimmen 90er. Der größere Teil der Basis wohl auch nicht. Das Gute an der Wahl Ziemiaks ist immerhin, dass er Zukunft hat und nicht dem Club der alten rachsüchtigen Männer angehört. Und dass er sich, wie Merz jetzt zum zweitenmal, bei einer Niederlage sofort vom Acker machen wird, ist nicht zu erwarten. Seine wichtigste Aufgabe wird das neue Grundsatzprogramm sein, und da ist zu erwarten, dass Zukunft im Vordergrund stehen wird und nicht die Sehnsucht nach Vergangenheit, wie sie die Schäuble, Merz und andere umtreibt.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP