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Politik

Ermordete Linken-Ikone

SPD will keine Schuld an Rosa-Luxemburg-Mord tragen

SPD-Chefin Nahles lehnt es nach SPIEGEL-Informationen ab, dass ihre Partei Verantwortung für die Ermordung von KPD-Mitbegründerin Rosa Luxemburg im Jahr 1919 übernimmt. Jüngst hörte sich das noch anders an.

DPA

Rosa-Luxemburg-Gedenkstätte auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin

Freitag, 11.01.2019   12:02 Uhr

Die SPD weist Schuldvorwürfe wegen der Ermordung Rosa Luxemburgs vor hundert Jahren zurück. Der Rosa-Luxemburg-Forscher Klaus Gietinger und andere linke Intellektuelle hatten die Sozialdemokraten aufgefordert, die Verantwortung für den Mord an der KPD-Mitbegründerin im Januar 1919 zu übernehmen. SPD-Chefin Andrea Nahles lehnt dies nach SPIEGEL-Informationen ab.

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Noch im vergangenen November hatte Nahles dagegen in einer Rede in Berlin erklärt, es sei "wahrscheinlich", dass der SPD-Politiker und NS-Widerstandskämpfer Gustav Noske (1868-1946) bei dem Verbrechen "seine Hände im Spiel hatte".

Luxemburg gilt als Märtyrerin der Novemberrevolution von 1918, Linkspartei und SPD reklamieren ihr Erbe für sich.

Der Sozialdemokrat und spätere Reichswehrminister Noske war ab Dezember 1918 Mitglied der Revolutionsregierung - genannt "Rat der Volksbeauftragten" - und zuständig fürs Militär.

Als Kommunisten die für Januar 1919 angesetzten Wahlen zur Nationalversammlung verhindern und eine Diktatur errichten wollten, ließ er den Aufstand niederschlagen und rechte Freikorps nach Berlin kommen. Angehörigen dieser Einheiten fielen Luxemburg sowie deren Genosse Karl Liebknecht zum Opfer. Laut Nahles gibt es jedoch keine "endgültigen Beweise" für eine Verwicklung Noskes.

Der rechtsradikale Generalstabsoffizier Waldemar Pabst (1880-1970) hatte nach eigener Aussage den Mordbefehl erteilt. Jahrzehnte nach der Tat behauptete er, Noske habe ihn am Telefon indirekt dazu aufgefordert. Ob dies zutrifft, ist unter Historikern umstritten.

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klw

insgesamt 98 Beiträge
David.Forster 11.01.2019
1. Mordbefehl
Kann jemand mal erklären, warum Herr Pabst in der Bundesrepublik nie strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurde? Mord (und Anstiftung zum Mord) verjähren doch eigentlich nicht. Danke
Kann jemand mal erklären, warum Herr Pabst in der Bundesrepublik nie strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurde? Mord (und Anstiftung zum Mord) verjähren doch eigentlich nicht. Danke
isi723 11.01.2019
2. Was soll das?
ich frage mich, ob wir sonst keine Probleme haben!
ich frage mich, ob wir sonst keine Probleme haben!
johnnypistolero 11.01.2019
3. Da sieht man mal...
wie gut man sich in so einem Text beeinflussen lassen kann, denn hier wird von einer Diktatur geredet...und der Freiheitskampf von Rosa Luxemburg tritt komplett in den Hintergrund... so etwas nennt man auch Medialetäuschung [...]
wie gut man sich in so einem Text beeinflussen lassen kann, denn hier wird von einer Diktatur geredet...und der Freiheitskampf von Rosa Luxemburg tritt komplett in den Hintergrund... so etwas nennt man auch Medialetäuschung Wer hat uns verraten... ach, Ihr kennt ja die Antwort, und die ist heute so gültig wie damals
nestor01 11.01.2019
4. Ausgerechnet unsere "Genickschuss-Kommunisten" vom Stamme Stalins
maßen sich an, der SPD die Verantwortung für den Mord an Luxemburg zuzuweisen. Ausgerechnet jene, die für Millionen Morde an Andersdenkenden und "Klassenfeinden" bis zu den Tausenden an Mauer und Grenze Getöteten [...]
maßen sich an, der SPD die Verantwortung für den Mord an Luxemburg zuzuweisen. Ausgerechnet jene, die für Millionen Morde an Andersdenkenden und "Klassenfeinden" bis zu den Tausenden an Mauer und Grenze Getöteten eine Verantwortung tragen. Es wird Zeit, dass für die Millionen Opfer der Partei Luxemburgs und Liebknechts ein Denkmal erreichtet wird, um daran jährlich Kränze niederzulegen.
rockwater 11.01.2019
5. Demagogik aus dem Falschwörterbuch
Die Kommunisten wollten mitnichten eine "Diktatur" in Deutschland errichten, sondern: "Die eigentliche Ursache des Januaraufstands waren die gegensätzlichen politischen Ziele und Methoden der an der [...]
Die Kommunisten wollten mitnichten eine "Diktatur" in Deutschland errichten, sondern: "Die eigentliche Ursache des Januaraufstands waren die gegensätzlichen politischen Ziele und Methoden der an der Novemberrevolution beteiligten Gruppen. Die MSPD-Führung um Ebert, Scheidemann und Noske strebten eine rasche Rückkehr zu "geordneten Verhältnissen" über die Wahlen zur Nationalversammlung an. Die USPD, die Arbeiterschaft und die Revolutionären Obleute sowie die KPD wollten die Fortsetzung und Absicherung der Revolutionsziele (Sozialisierung, Entmachtung der Militärs) und erkannten in der Absetzung Eichhorns einen Anschlag auf die Revolution." https://de.wikipedia.org/wiki/Spartakusaufstand Ich verlange eine Korrektur, das ist unerhört.
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