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Politik

Sachsens Ex-Landesvater Biedenkopf über Nachfolger Tillich

"Ich sorge mich um mein Lebenswerk"

Sachsens Ex-Ministerpräsident Biedenkopf hat in einem Interview seinen Nachfolger Tillich kritisiert. Der Parteifreund sei ins Amt des Ministerpräsidenten reingerutscht - und trage Schuld am AfD-Erfolg.

DPA

Kurt Biedenkopf und Stanislaw Tillich

Mittwoch, 04.10.2017   17:12 Uhr

Sachsens früherer Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hat seinen Nachfolger Stanislaw Tillich in einem Interview für das schlechte Abschneiden der CDU in dem Bundesland mitverantwortlich gemacht. "Ich sorge mich um mein Lebenswerk", sagte Biedenkopf der "Zeit" laut Vorabmeldung angesichts des AfD-Triumphs bei der Bundestagswahl.

Für sein Amt fehle Regierungschef Tillich die "Vorbildung", sagte Biedenkopf laut der Zeitung. Tillich sei für das Amt ursprünglich nicht vorgesehen gewesen: "Er hat das nie gelernt", sagte demnach Biedenkopf, von 1990 bis 2002 Ministerpräsident von Sachsen. Ein Ministerpräsident dürfe nicht scheu sein, wenn es um Entscheidungen gehe, sagte er. "Er lebt ein bisschen in einer anderen Welt, ist primär interessiert an Kompromissen" - ein Ministerpräsident sei aber "etwas anderes als ein Präsident".

Die Sachsen "sind mit ihrer Regierung unzufrieden", sagte der langjährige CDU-Landesvater Biedenkopf. "Sie können es nicht vertragen, wenn sie das Gefühl haben, nicht gut regiert zu werden", zitiert das Blatt den 87-Jährigen. "Wenn die Polizeiausstattung fehlt, wenn die Sicherheit an den Grenzen nicht funktioniert, wenn die Lehrer nicht ausreichen, fühlen sich die Menschen unsicher."

Biedenkopf zur AfD: "Wie willst du rechts von denen ankommen?"

Nun werde es schwierig sein, die Leute zurückzugewinnen. "Jetzt an die Bevölkerung zu appellieren, wieder CDU zu wählen, wäre wohl wirkungslos", sagte der Politiker der "Zeit". "Da macht man sich lächerlich. Die CDU regiert seit 27 Jahren." Die AfD war bei der Bundestagswahl in Sachsen knapp stärkste Kraft vor der Union geworden.

Den Versuch Tillichs, einen Rechtsruck anzustreben, hält der Alt-Ministerpräsident für vergebens. Im Landtag säßen bereits AfD-Abgeordnete. "Wie willst du rechts von denen ankommen? Jetzt ist es zu spät", sagte Biedenkopf der "Zeit". In Sachsen hatte er dreimal die absolute Mehrheit für seine Partei geholt.

Als Tillich-Nachfolger würde sich Biedenkopf den bisherigen Bundesinnenminister und ehemaligen sächsischen Landesminister Thomas de Maizière wünschen. "Ich würde mich natürlich freuen, ihn noch einmal in Sachsen zu sehen", sagte Biedenkopf. Aber: "Thomas de Maizière hat eine Bombenstellung in Berlin, und wenn er nicht sich selbst sagt, dass er jetzt über 60 ist und noch mal eine Altersbeschäftigung in Sachsen sucht - dann kommt er auch nicht nach Dresden."

apr

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