Schrift:
Ansicht Home:
Politik

SPON-Wahltrend

FDP fällt zurück, AfD legt zu

Die FDP hat sich offenbar noch nicht vom Scheitern der Jamaika-Gespräche erholt. Im SPON-Wahltrend fallen die Liberalen deutlich zurück. Die AfD legt dagegen weiter zu, die SPD bleibt unter 20 Prozent.

AP

FDP-Chef Christian Lindner

Dienstag, 09.01.2018   17:41 Uhr

"Ich scheue Neuwahlen nicht, im Gegenteil", sagte FDP-Chef Christian Lindner am Montag, bei der Jahrestagung des Beamtenbunds dbb in Köln.

Doch im neuen SPON-Wahltrend liegen die Liberalen nur noch knapp über neun Prozent. Noch im November, als über eine Jamaikakoalition aus Union, FDP und Grünen verhandelt wurde, kam die FDP im SPON-Wahltrend auf 14,7 Prozent. Doch dann brach Lindner die Gespräche ab.

CDU und CSU rangieren in der aktuellen Befragung dagegen mit rund 31 Prozent nach wie vor mit großem Vorsprung auf Platz eins. Die SPD fällt knapp unter die Zwanzig-Prozent-Marke. Auf Platz drei folgt die AfD mit rund 14,5 Prozent. Die Rechtspopulisten konnten damit erneut zulegen - Anfang Dezember lagen sie zwischenzeitlich bei 11,2 Prozent, vergangene Woche bereits bei 13,6 Prozent. Die Grünen kommen auf rund elf Prozent, gefolgt von den Linken (knapp unter zehn Prozent).

Doch kommt es überhaupt zu Neuwahlen? Bis Donnerstag haben sich die Unterhändler von CDU, CSU und SPD Zeit gegeben, sich bei den Sondierungsgesprächen zu einigen. Noch sind sie optimistisch. Heute wollen sie die erste Runde der Beratungen in allen Facharbeitsgruppen abschließen. Parallel dazu will sich die Sechserrunde der Partei- und Fraktionschefs um Kanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chef Martin Schulz und den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer weiter mit den Ergebnissen der einzelnen Gruppen beschäftigen.

Sollten die Gespräche scheitern, ist eine Mehrheit für Neuwahlen. 37,7 Prozent favorisieren dann einen erneuten Gang an die Wahlurnen.

Eine andere Variante wäre das Tolerieren einer Minderheitsregierung. Dabei ist zurzeit ein Kabinett aus Union und Grünen bei den Befragten beliebter als eine Koalition von CDU und CSU mit der FDP: 28,2 Prozent plädierten für eine schwarz-grüne Minderheitsregierung. Die schwarz-gelbe Variante bevorzugen nur 21,8 Prozent unterstützen. Lediglich 4,5 Prozent der Befragten möchte eine Wiederaufnahme der Gespräche über eine Jamaika-Koalition.

Mit mehr als 60 Prozent sind die Fans der AfD wesentlich vehementer als Anhänger anderer Parteien für Neuwahlen.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 11. Dezember 2017 bis 8. Januar 2018 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 5000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 12.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 12.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Man kann nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. In unserem Fall heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

als/dpa

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP