Schrift:
Ansicht Home:
Politik

TV-Duell in Hessen

Die Stellvertreter

Über die leidige GroKo in Berlin wollten sie nicht reden, doch sie kämpfen auch für ihre Parteichefinnen: Hessens CDU-Ministerpräsident Bouffier und SPD-Herausforderer Schäfer-Gümbel haben sich ein lebhaftes TV-Duell geliefert. Wer konnte punkten?

DPA

Volker Bouffier, Thorsten Schäfer-Gümbel

Von und
Donnerstag, 18.10.2018   09:41 Uhr

Das Duell läuft bereits 45 Minuten, da beginnt die stärkste Phase des Herausforderers: Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) attackiert den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) beim Thema Wohnen.

"Die Landesregierung hat in dieser Frage echt versagt", sagt Schäfer-Gümbel. Er spricht von einer "Mietenexplosion" und warnt, diese führe viele Menschen bis an die Belastungsgrenze - nicht nur in Hessen.

Zum ersten Mal im einstündigen TV-Duell, elf Tage vor der Landtagswahl, gerät Bouffier wirklich in die Defensive. Er beklagt sich, dass Schäfer-Gümbel ihn dauernd unterbreche. Worauf dieser kontert: "Da steht es jetzt 2:2, ist gut."

Bezahlbares Wohnen, Begrenzung der Mietpreisentwicklung und Stopp der Bodenspekulation: Es ist eines der zentralen Themen von Schäfer-Gümbels Wahlkampf. Bouffier spottet zwar, die bayerische SPD habe da den gleichen Schwerpunkt gesetzt - und gerade mal 9,7 Prozent der Stimmen geholt.

DPA

Doch die Lage in Hessen ist wohl anders. Trotz der Krise der SPD ist ein Regierungswechsel in Hessen möglich. Bouffiers schwarz-grünes Bündnis hat in aktuellen Umfragen keine Mehrheit, Schäfer-Gümbels Werte liegen deutlich über jenen der Bundespartei.

Es geht in Hessen jedoch um viel mehr als nur um eine Landtagswahl. Sowohl Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel als auch die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles brauchen einen Erfolg. Bouffier und Schäfer-Gümbel, beide Stellvertreter ihrer Bundespartei, kämpfen also auch für ihre Parteichefinnen. Je nach Ausgang der Hessen-Wahl könnte sich der Konflikt in der Großen Koalition weiter zuspitzen.

Landtagswahl 2018 in Hessen

Zu spüren ist das im Duell des Hessischen Rundfunks (HR) aber nur unterschwellig. Die Themen sind andere. Es geht um Landespolitik, um Verbandsklagerecht, Unterrichtsausfall, Verordnungen und Straßenausbaubeiträge.

Schäfer-Gümbel greift an, Bouffier lobt eigene Erfolge

Bouffier, 66, und Schäfer-Gümbel, 49, sitzen beide seit vielen Jahren im hessischen Landtag. Sie stecken inhaltlich tief in den Themen, haben aber auch erkennbar Schwierigkeiten, ihre Politik verständlich zu vermitteln. Weder der Christdemokrat noch sein sozialdemokratischer Herausforderer sind sonderlich charismatisch. Beliebtester Politiker in Hessen ist übrigens der Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. Ein Grüner.

Trotzdem: Das Duell ist nicht komplett langweilig. Schäfer-Gümbel muss angreifen - und er greift an: "Stillstand hat in Hessen einen Namen", sagt der SPD-Mann: "Schwarz-Grün." Die CDU regiere das Land nun bereits seit 19 Jahren, es sei klar, dass mit Bouffier nichts mehr vorangehe.

DPA

Bouffier dagegen verweist auf die wirtschaftlich solide Entwicklung des Landes, die geringe Arbeitslosigkeit und die Zufriedenheit der Bürger mit der Landesregierung. Diese liegt laut einer Umfrage des HR bei knapp 60 Prozent.

Einigkeit in einem Punkt

Schäfer-Gümbel bringt geschickt seine eigene Lebensgeschichte ins Spiel, seinen Aufstieg aus einfachen Verhältnissen. Bouffier betont, dass er es geschafft habe, ein Bündnis von zwei sehr unterschiedlichen Partnern "ohne Krach, Krawall und ständige Krisengipfel" zu führen.

Es ist eine der wenigen Anspielungen auf Merkels GroKo. Ansonsten versuchen beide, das Thema bestmöglich auszublenden. Der Hintergrund ist offensichtlich: Unter dem Bild, das Union und SPD in Berlin abgeben, leiden sowohl Bouffier als auch Schäfer-Gümbel.

Und tatsächlich sind sie sich da am Ende in einem Punkt einig: Beide sagen, sie strebten eine Große Koalition in Hessen nicht an.

Das heißt allerdings nicht, dass es nicht doch so kommen könnte.

insgesamt 43 Beiträge
Thomas Schröter 18.10.2018
1. Wohnungsnot - Hessens SPD hats nötig
Bis 2011 war doch SPD-OB Walter Hoffmann verantwortlich für die Wohnungsnot in Darmstadt. Statt mit angemessenen Zubau auf die Studentenschwemme infolge G8+Wegfall der Wehrpflict zu reagieren hatte dieser doch nur den Stillstand [...]
Bis 2011 war doch SPD-OB Walter Hoffmann verantwortlich für die Wohnungsnot in Darmstadt. Statt mit angemessenen Zubau auf die Studentenschwemme infolge G8+Wegfall der Wehrpflict zu reagieren hatte dieser doch nur den Stillstand verwaltet und mußte vom Grünen-OB Partsch abgelöst werden, der dann die von der SPD über Jahrzehnte akkumulierten Probleme entschieden anging und so auch 2017 im ersten Wahlgang obsiegte. Unter dem Grünen Partsch in Zusammenarbeit mit den CDU-Koalitionären wird das 10000 Wohnungen-Programm für Darmstadt entschlossen und rigeros umgesetzt und die von der SPD zu verantwortende katastrophale Haushaltslage nun trotz ambitionierter Infrastrukturprogramme deutlich verbessert. Über Jahrzehnte hatte zudem die Politik der hessischen SPD signifikante Defizite in der hessischen Bildungspolitik konserviert, die in den letzten Jahren nur mühselig eingedämmt werden konnten. Das die hessische SPD in ihren alten Hochhburgen heute keinen Blumentopf mehr gewinnen kann ist doch nicht Schuld der Wettbewerber oder gar der Wähler.
winterfichte 18.10.2018
2. Verlierer stellen sich
Beide Parteien werden wieder absacken. Weil Berlin einfach nicht sehen will, was die Bürger umtreibt. Sie zerlegen sich selbst. Volkspartei ist da sicherlich längst der falsche Begriff. Um in einigen Jahren werden wir uns noch [...]
Beide Parteien werden wieder absacken. Weil Berlin einfach nicht sehen will, was die Bürger umtreibt. Sie zerlegen sich selbst. Volkspartei ist da sicherlich längst der falsche Begriff. Um in einigen Jahren werden wir uns noch wundern, wie ein einstig stabiles Land binnen einer Dekade zerlegt wurde
Beijinger 18.10.2018
3. Na ja, wenn die SPD in Hessen
nichts anderes, bzw besseres aufbieten kann, als TSG als Vorsitzenden, ist das ein weiteres Indiz dafür, daß in der Partei komplette Panik herrscht. Wie heißt es daher so richtig? Gott schütze uns vor Sturm und Wind und Sozis, [...]
nichts anderes, bzw besseres aufbieten kann, als TSG als Vorsitzenden, ist das ein weiteres Indiz dafür, daß in der Partei komplette Panik herrscht. Wie heißt es daher so richtig? Gott schütze uns vor Sturm und Wind und Sozis, die am Ruder sind.
nestor01 18.10.2018
4. Schäfer-Gümbel
hat nur mit rot-rot-grün eine Chance, Ministerpräsident zu werden. Diese Mehrheitsmöglichkeit besteht im Jahr 2018 genauso wie im Jahr 2008. Interessant, dass niemand darüber spricht. In 2008 war diese Option Hauptthema und [...]
hat nur mit rot-rot-grün eine Chance, Ministerpräsident zu werden. Diese Mehrheitsmöglichkeit besteht im Jahr 2018 genauso wie im Jahr 2008. Interessant, dass niemand darüber spricht. In 2008 war diese Option Hauptthema und Ypsilanti ist seinerzeit darüber gestürzt, dass sie nach der Wahl anders gehandelt hat, als vor der Wahl versprochen.
Ekatus Atimoss 18.10.2018
5. Ja, die Mieten..
...da wird von TSG und seiner SPD auch nichts, aber auch nichts kommen. Sein Genosse und OB in Frankfurt hat das auch - trotz markigem "Mieten stoppen!" auf dem Wahlkampfplakat, nicht geschafft, wahrscheinlich noch nicht [...]
...da wird von TSG und seiner SPD auch nichts, aber auch nichts kommen. Sein Genosse und OB in Frankfurt hat das auch - trotz markigem "Mieten stoppen!" auf dem Wahlkampfplakat, nicht geschafft, wahrscheinlich noch nicht mal angegangen. Da müssen dann halt alte Mütterchen von ihrer schmalen Rente im Zeitraum von 2 Jahren zweimal Mieterhöhungen a 50 EUR für die gleiche Bude im gleichen Wohnumfeld hinnehmen. Heiße Luft, wie so oft.

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP