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Reise

Handgepäck im Flugzeug

Bundesregierung richtet sich auf Laptop-Verbot ein

Aus Angst vor IS-Anschlägen wollen die USA Laptops im Handgepäck auf transatlantischen Flügen verbieten. Die Bundesregierung hält das für übertrieben, bereitet sich laut SPIEGEL-Informationen aber intern schon darauf vor.

REUTERS

Handgepäckkontrolle am JFK-Flughafen in New York

Von , und
Freitag, 19.05.2017   12:01 Uhr

Die Bundesregierung bereitet sich auf den Fall vor, dass die Vereinigten Staaten das Verbot der Mitnahme von Laptops im Handgepäck auch auf USA-Flüge ausdehnen, die von deutschen Flughäfen starten. Um die Störungen vor allem auf dem Frankfurter Airport möglichst gering zu halten, sollen beispielsweise umsteigende Fluggäste größere elektronische Geräte bereits beim Ausgangsflughafen einchecken.

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Heft 21/2017
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Nach Informationen des SPIEGEL dringt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zudem darauf, dass es ausreichend Vorlauf gibt, um ein entsprechendes Verbot umzusetzen - und dass ein Elektronikbann in der Kabine für alle USA-Flüge aus Europa gelten soll. Dahinter steckt die Sorge, dass die Briten einen Extra-Deal mit den Amerikanern schließen und ihrem Drehkreuz London-Heathrow so einen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnten.

Die USA versuchen seit geraumer Zeit, den Europäern klarzumachen, dass im Luftverkehr eine neue Gefahr terroristischer Anschläge droht. Die Bastler des IS sind nach Erkenntnissen der Amerikaner offenbar in der Lage, Sprengstoff in Laptops und ähnliche elektronische Geräte so einzubauen, dass er mit den gängigen Sicherheitskontrollen an Flughäfen nur schwer zu entdecken ist.

Erstes Gespräch zwischen EU und den USA ohne Ergebnis

Als ersten Schritt haben die Amerikaner daher im März Laptops in der Kabine auf zehn Strecken aus dem arabischen Raum, der Türkei und Nordafrika in die USA verboten; Großbritannien verfügte ein ähnliches Verbot. Nun könnte der Laptop-Bann auch bald für Flüge gelten, die in Europa und anderen Orten starten.

Am Mittwoch hatten sich Vertreter der EU-Kommission mit der stellvertretenden US-Heimatschutzministerin Elaine Duke in Brüssel getroffen, doch das Gespräch endete ohne Ergebnis und soll nun kommende Woche in Washington fortgesetzt werden. Ein hochrangiger amerikanischer Beamter betonte danach, die Forderung nach einem Laptop-Bann sei weiter auf dem Tisch. Rechtlich brauchen die USA die Zustimmung der Europäer nicht, um diese Entscheidung zu fällen.

Deutschlands Botschafter in Washington geht von einer Ausweitung aus. "Die bislang geführten Gespräche deuten darauf hin, dass eine Ausweitung auf EU-Flughäfen wahrscheinlich ist und dass deutsche Flughäfen von einer solchen Ausweitung nicht ausgenommen würden", heißt es in einem Drahtbericht, den der Botschafter am 11. Mai nach Berlin kabelte ("VS - Nur für den Dienstgebrauch").

Bundesinnenminister de Maizière warb bei einem Treffen mit Donald Trumps nationalem Geheimdienstdirektor Dan Coats am Mittwoch in Berlin dennoch dafür, auf eine Ausweitung zu verzichten. Man habe ja Verständnis für die von den Amerikanern vorgeschlagenen Ideen, heißt es im Sprechzettel des Ministers für das Treffen, der dem SPIEGEL vorliegt, allerdings gebe es in Europa bereits einen "hohen Luftsicherheitsstandard", mit dem sogenannte unkonventionelle Sprengmittel im Handgepäck entdeckt werden können.

Experten warnen vor Laptops im Frachtraum

Warum Computer in der Kabine verboten, im Frachtraum dagegen erlaubt sein sollen, leuchtet selbst Fachleuten nicht ein. Ein deutscher Experte meint, jemand könnte einen oder gar mehrere Laptop-Akkus, die im vollgeladenen Zustand über eine teils enorme Energiedichte verfügen, kurzschließen und so in Brand setzen. Die Folge wäre "ein beachtliches Feuer", sagte der Fachmann dem SPIEGEL. Zudem hätte man es in diesem Fall mit einem Metallbrand zu tun, der extrem schwierig zu löschen ist. "Da hilft nur, Sand drauf zu kippen oder das brennende Gerät in eine feuerfeste Tasche zu stecken."

Lesetipp

Andere Experten warnen genau aus diesem Grund davor, demnächst größere Mengen an Laptops im Frachtraum zu transportieren. Zwar könnte eine Explosion in einem Koffer von anderen Gepäckstücken gedämpft werden. Allerdings wäre ein Brand - der in der Luftfahrt zu den größten Gefahren überhaupt zählt - im Frachtraum schwieriger zu bekämpfen.

"Wenn es zu einem Brand kommt, kann er in der Kabine effektiver gelöscht werden als im Frachtraum", sagt Gerhard Hüttig, ehemaliger Professor für Luft- und Raumfahrttechnik an der TU Berlin, dem SPIEGEL. Zwar gebe es im Frachtraum Kameras und automatische Löschsysteme. "Doch nach deren Aktivierung kann man nicht in den Frachtraum gehen und sicherstellen, dass der Brand tatsächlich gelöscht wurde."

Über die wahren Hintergründe der Verbotsausweitung können offenbar selbst die europäischen Behörden nur spekulieren, da die Amerikaner sie über Details der Gefährdung im Dunkeln lassen. Während US-Präsident Trump möglicherweise Geheimdiensthinweise darauf, wie IS-Terroristen Flugzeuge angreifen könnten, freigiebig mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow teilte, zeigten sich die Amerikaner in den Gesprächen mit ihren europäischen Freunden deutlich weniger offen.

"Informationen, die eine Veränderung der Gefährdungslage auch in der EU zur Folge haben, sollten unmittelbar geteilt werden, damit alle betroffenen Staaten in die Lage versetzt werden, geeignete Maßnahmen ergreifen zu können", heißt es daher auch auf de Maizières Sprechzettel.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 66 Beiträge
jelouis 19.05.2017
1. Sicherheitsaspekte
Sarkasmus ein : "Ich schlage vor, dass demnächst auch keine Passagiere mehr zum Boarding gelassen werden. Damit kann man SICHER die Reise eines Schlechtgesinnten, und somit einen Anschlag verhindern. Und als Nebeneffekt [...]
Sarkasmus ein : "Ich schlage vor, dass demnächst auch keine Passagiere mehr zum Boarding gelassen werden. Damit kann man SICHER die Reise eines Schlechtgesinnten, und somit einen Anschlag verhindern. Und als Nebeneffekt wäre auch der Impakt an Menschenleben weit geringer." Sarkasmus aus !
karl-der-gaul 19.05.2017
2.
Keine Klapprechner mehr, sehr gute Idee, dann Vergnügen wir uns wie in Zeiten vorher mit einem Buch, Zeitung oder Magazin wird super entspannend und erholsam für den ganzen Flug.
Keine Klapprechner mehr, sehr gute Idee, dann Vergnügen wir uns wie in Zeiten vorher mit einem Buch, Zeitung oder Magazin wird super entspannend und erholsam für den ganzen Flug.
larsmach 19.05.2017
3. Brennende Litium-Ionen Akkus... - vor 11 Jahren...
Am 10. August 2006 strandete ich auf dem Weg nach Großbritannien an einem Flughafen: Alle Flüge dorthin waren storniert. Ich erfuhr, dass jemand versucht habe, aus verschiedenen Flüssigkeiten erst während des Fluges [...]
Am 10. August 2006 strandete ich auf dem Weg nach Großbritannien an einem Flughafen: Alle Flüge dorthin waren storniert. Ich erfuhr, dass jemand versucht habe, aus verschiedenen Flüssigkeiten erst während des Fluges Sprengstoff zu mixen. Verblüfft über die folgenden Einschränkungen bei Flüssigkeiten im Handgepäck wies ich - als alter Berufsklugscheißer - britische Behörden in einem Brief darauf hin, dass diese Maßnahme einerseits und die weiterhin erlaubte Mitnahme großer Lithium-Ionen Akkus andererseits recht widersinnig seien: Es reicht eine Gruppe von Selbstmordattentätern, um mit mitgebrachten Akkus ein Höllenfeuer zu entfachen - hoch oben im Himmel. Es fühlt sich etwas komisch an, im Mai 2017 im Spiegel nun exakt von diese Befürchtungen zu lesen...
gossifu 19.05.2017
4. Paranoia
Die USA verhalten sich wie eine Diktatur in den letzten Zuckungen. Hinter jedem Bus(c)h sitzt ein Terrorist (hihi, Wortspiel). Jetzt haben die schon Röntgengeräte bei der Kontrolle und immer noch Angst, das nenne ich Paranoia. [...]
Die USA verhalten sich wie eine Diktatur in den letzten Zuckungen. Hinter jedem Bus(c)h sitzt ein Terrorist (hihi, Wortspiel). Jetzt haben die schon Röntgengeräte bei der Kontrolle und immer noch Angst, das nenne ich Paranoia. Und unsere hörigen Politclowns machen gleich mit. Erst der Müll mit den Flüssigkeiten im Handgepäck und jetzt dieser Hirnf...! Müssen die eine Angst haben, herrlich. Und unser Volk wählt immer noch CDU, SPD und FDP. Willkommen in Lemmingland.
Oskar ist der Beste 19.05.2017
5. was soll das....
...auch hier wieder ein Trump Bashing! Es gibt keinen Hinweis, daß Trump etwas mit den Russen geteilt hat, was er nicht auch mit den Europäern teilen würde. Damit ist der ganze Beitrag ins Lächerliche gezogen worden.
...auch hier wieder ein Trump Bashing! Es gibt keinen Hinweis, daß Trump etwas mit den Russen geteilt hat, was er nicht auch mit den Europäern teilen würde. Damit ist der ganze Beitrag ins Lächerliche gezogen worden.

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