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Reise

Viermastbark "Peking" kommt nach Hamburg

Huckepack über den Atlantik

Die "Peking" macht sich auf die Heimreise: Gebaut in Hamburg, wird die historische Viermastbark von New York mit einem Dockschiff in die Hansestadt gebracht. Dort wird sie wieder als Museumsschiff zu sehen sein.

Hans Hartz / Stiftung Hamburg Maritim
Freitag, 14.07.2017   11:54 Uhr

Die "Peking" ist abfahrtbereit. Die historische Viermastbark, die 1911 bei der Hamburger Werft Blohm+Voss vom Stapel lief, lag mehr als 40 Jahre im South Street Seaport Museum in Manhattan nahe der Brooklyn Bridge. Nun soll sie nach langen Diskussionen um die Finanzierung endlich ihre vermutlich letzte Reise antreten.

Mit der für Montag geplanten Abfahrt macht sich eine "Hamburgensie" und "ein Stück deutsches Kulturgut" auf den Weg über den Atlantik in die Hansestadt, sagt Joachim Kaiser. Er ist Sachverständiger für historische Schiffe und Vorstandsmitglied der Stiftung Hamburg Maritim, die für Überfahrt und Restaurierung die Federführung übernommen hat.

Nicht nur die Entrümpelung mit Schwimmkränen und Schweißbrennern bedeutete schwere Arbeit. Vor der Überfahrt muss das rund 170 Meter lange Dockschiff "Combi Dock III" abtauchen und die "Peking" beim Auftauchen an deren tragenden Strukturen greifen. "Der erste Kontakt ist am wichtigsten", erklärt Poirier. Vorbereitete Stützen helfen, die Seiten der "Peking" zu stabilisieren, und wenn alles festgebunden und vertäut ist, heißt es: Abfahrt.

Elf Tage wird die über 100 Jahre alte Bark dann über den Atlantik getragen. Der Verein Freunde der Viermastbark Peking rechnet mit der Ankunft des Doppeldeckers in Brunsbüttel am 28. Juli. Nach Prüfungen wird die "Peking" am Montag, 31. Juli aus dem Dockschiff ausschwimmen und von zwei Schlepper weiter durch das Störsperrwerk zur Werft in Wewelsfleth an der Stör gezogen. Die Stiftung bietet Begleitfahrten mit ihren Museumsschiffen ab Brunsbüttel und Glückstadt an.

"Das Schiff ist groß und die Schäden sind groß"

Sorgen, dass dem Segelfrachter auf hoher See etwas zustoßen könnte, hat Kaiser nicht. "Das sind ausgebuffte Profis, die das ganze Jahr Schwergutladungen aller Art transportieren", sagt er über die Bremer Reederei Combi Lift, die die Ausschreibung mit ihrem Dockschiff für die Überfahrt gewann. "Die wissen, was sie tun." Um nicht in die Hurrikansaison im Oktober zu geraten und auch die Winterstürme auf dem Nordatlantik zu umgehen, hat die "Peking" in New York überwintert. "Wir wollten einfach kein Risiko eingehen", sagte Poirier.

Die wirkliche Arbeit fängt nach der Ankunft in Wewelsfleth erst an. Experten sollen die "Peking" im Trockendock in den Zustand von 1927 versetzen, samt Holzdeck und der ursprünglichen Laderäume, in denen Salpeter und Schüttgut etwa zwischen Hamburg und Chile gesegelt wurde. Auch das Unterwasserschiff muss nachgebaut werden, wenn die "Peking" wie erhofft zum Wahrzeichen des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg werden soll. "Es gibt genug Schiffsliebhaber, denen fällt so etwas auf", sagt Poirier.

26 Millionen Euro sind von den insgesamt 120 Millionen Euro aus Bundesmitteln für die Rückholung und Restaurierung eingeplant. "Das wird nicht leicht", sagt Kaiser, "das Schiff ist groß und die Schäden sind groß." Der Peters-Werft in Wewelsfleth liegt als To-Do-Liste schon jetzt ein 300 Seiten langes Leistungsverzeichnis vor. Wenn alles klappt, soll die "Peking" drei Jahre nach ihrer Ankunft als Museum begehbar sein - voraussichtlich am 50er Schuppen im Hansahafen, gegenüber der Elbphilharmonie.

Nur noch "Padua" alias "Kruzenshtern" unter Segeln

Beim Blick auf die haushohen Containerschiffe von heute ist kaum vorstellbar, dass eine Besatzung von 30 Mann mit der "Peking" einst Ladegut quer durch die Weltmeere segelte. Dampf- und Motorschiffe machten ihr schon Konkurrenz, als sie 1911 zur Jungfernfahrt aufbrach. Kaiser beschreibt die "Peking" als Höhepunkt und Endpunkt in der kommerziellen Segelschifffahrt. Mit minimalen Betriebskosten und ohne Zwang, zum Nachladen von Kohle anzudocken, waren die Crews mit Proviant und Wasser teils ein Vierteljahr unterwegs.

Die "Peking" hat eine abenteuerreiche Geschichte und viele verschiedene Besitzer hinter sich. Sie gehörte zu den sogenannten acht Schwestern, wie die zuletzt gebauten Viermastbarken der Reederei F. Laeisz wegen ihrer ähnlichen Größe und Bauart genannt wurden.

Heute existieren neben der "Peking" nur noch die "Pommern" und "Passat", die als Museumsschiffe in Marieham im finnischen Aland beziehungsweise in Travemünde liegen, und die "Padua" (jetzt "Kruzenshtern"). Nach dem Bau war die "Peking" unter anderem mehrmals zwischen Europa und Südamerika hin- und hergefahren und diente in Großbritannien lange als Schulschiff.

Ist sie ab 2020 wieder begehbar, scheint auch ein Kapitel deutscher Schifffahrtsgeschichte abgeschlossen. "In der Szene der kleinen historischen Schiffe gibt es eigentlich keine Entdeckungen mehr", sagt Kaiser. Als Matrose entdeckte er im Nordostseekanal früher oft noch alte Ewer, Tjalks oder Schoner. Für den 69-Jährigen wird dies das wohl letzte Projekt. "Ich wollte mich nicht auf irgendwelchen dreckigen Werften quälen", sagt er. "Ich wollte segeln."

Johannes Schmitt-Tegge, dpa/abl

insgesamt 16 Beiträge
kulinux 14.07.2017
1. Ein Traum!
Diese Eleganz und perfekt, minimalistische Abstimmung aller Teile bei so einem Großsegler, zusammen mit der für Laien natürlich unentwirrbar komplexen Takelage (man stelle sich vor, sowas planen zu müssen…): Das ist alles [...]
Diese Eleganz und perfekt, minimalistische Abstimmung aller Teile bei so einem Großsegler, zusammen mit der für Laien natürlich unentwirrbar komplexen Takelage (man stelle sich vor, sowas planen zu müssen…): Das ist alles schon sehr beeindruckend! Schön, wenn so ein Schiff erhalten bleibt. Für alle, die noch nicht Fans von Seglern sind, sei die (leider ziemlich überlaufene) Hanse Sail in Rostock empfohlen. Es lohnt sich!
günter_tebbe 14.07.2017
2.
Ja, wer nicht zählen kann (30 Menschen)
Ja, wer nicht zählen kann (30 Menschen)
Lord Menial 15.07.2017
3. 120 000 000
Ja, ganz hübsch anzusehen. Jedenfalls aus der Ferne. Aber 120 Millionen Euro, um den Rosteimer aufzupeppen?! Das ist krass. Nichts gegen ein Museumsschiff, aber dieser Betrag ist verrückt. Na ja, in Hamburg scheinen [...]
Zitat von kulinuxDiese Eleganz und perfekt, minimalistische Abstimmung aller Teile bei so einem Großsegler, zusammen mit der für Laien natürlich unentwirrbar komplexen Takelage (man stelle sich vor, sowas planen zu müssen…): Das ist alles schon sehr beeindruckend! Schön, wenn so ein Schiff erhalten bleibt. Für alle, die noch nicht Fans von Seglern sind, sei die (leider ziemlich überlaufene) Hanse Sail in Rostock empfohlen. Es lohnt sich!
Ja, ganz hübsch anzusehen. Jedenfalls aus der Ferne. Aber 120 Millionen Euro, um den Rosteimer aufzupeppen?! Das ist krass. Nichts gegen ein Museumsschiff, aber dieser Betrag ist verrückt. Na ja, in Hamburg scheinen die Millionen nur so aus der Stadtkasse zu quellen, und andere Probleme scheint die STadt nicht zu haben.
omnium_consensu 15.07.2017
4. ...gut angelegtes Geld!
wenn ich sehe, für wen und was in Deutschland Steuergelder in Milliardenhöhe verbrannt werden, halte ich 120 Millionen Euro für die Erhaltung der wunderschönen Viermastbark für sehr gut angelegtes Geld, auch wenn die [...]
Zitat von Lord MenialJa, ganz hübsch anzusehen. Jedenfalls aus der Ferne. Aber 120 Millionen Euro, um den Rosteimer aufzupeppen?! Das ist krass. Nichts gegen ein Museumsschiff, aber dieser Betrag ist verrückt. Na ja, in Hamburg scheinen die Millionen nur so aus der Stadtkasse zu quellen, und andere Probleme scheint die STadt nicht zu haben.
wenn ich sehe, für wen und was in Deutschland Steuergelder in Milliardenhöhe verbrannt werden, halte ich 120 Millionen Euro für die Erhaltung der wunderschönen Viermastbark für sehr gut angelegtes Geld, auch wenn die tatsächlichen Kosten wie gewohnt weit höher liegen werden..
jujo 15.07.2017
5. ...
Mir ist nicht bekannt was das Heben, Restaurieren, und der Museumsbau der"Vasa" in Stockholm gekostet hat. Jetzt fahren zigtausende jedes Jahr nach Stockholm um in erster Linie dieses Schiff zu sehen. Ein combiticket [...]
Zitat von Lord MenialJa, ganz hübsch anzusehen. Jedenfalls aus der Ferne. Aber 120 Millionen Euro, um den Rosteimer aufzupeppen?! Das ist krass. Nichts gegen ein Museumsschiff, aber dieser Betrag ist verrückt. Na ja, in Hamburg scheinen die Millionen nur so aus der Stadtkasse zu quellen, und andere Probleme scheint die STadt nicht zu haben.
Mir ist nicht bekannt was das Heben, Restaurieren, und der Museumsbau der"Vasa" in Stockholm gekostet hat. Jetzt fahren zigtausende jedes Jahr nach Stockholm um in erster Linie dieses Schiff zu sehen. Ein combiticket Djurgården und Vasamuseet kostet ca 50 Euro und das Museum ist ständig voll, das ganze Jahr über. O.K. das ist nicht ganz vergleichbar, aber doch. Ich sepekuliere mal, das sich die Kosten bei der "Vasa" schon mehr als amortisiert haben.
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