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Reise

Kritik an der Rheintalbahn-Sperrung

Plan B? Fehlanzeige

Täglich bis zu 370 Züge haben die Rheintalbahnstrecke passiert - jetzt ist sie nach Tunnelbauarbeiten abgesackt und auf unbestimmte Zeit stillgelegt. Kritik an der Bahn wird laut: Warum hat sie keinen Notfallplan?

DPA
Dienstag, 22.08.2017   13:59 Uhr

Längst war die 200 Kilometer lange Rheintalbahn zwischen Basel und Karlsruhe bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet. Auf 182 Kilometern Länge von Rastatt bis Basel sollten zwei zusätzliche Gleise sowie mancherorts Tunnel gebaut werden - bei Arbeiten an einem dieser Tunnel sackten in Rastatt am 12. August die Gleise der bestehenden Strecke ab.Seitdem ist die wichtige europäische Nord-Süd-Hauptstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden gesperrt.

Angesichts der andauernden Sperrung mehrt sich die Kritik an der Deutschen Bahn - wegen Fehlplanung und wegen des Krisenmanagements. "Die Bahn ist einfach in der Kommunikation zu langsam. Da sind sie noch der alte Staatsbetrieb", sagte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) dem "Mannheimer Morgen". Man brauche in solchen Fällen einen Krisenplan. "Da könnte man schon die Risiken und mögliche Zwischenfälle kalkulieren und durchspielen." Hermann will sich am Mittwoch vor Ort ein Bild von der Lage machen. Der Ausbau ist neben Stuttgart 21 das größte Bahnprojekt in Baden-Württemberg.

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) warf der Bahn schlechte Planung vor. "Wenn man da so eine große Baustelle hat, dann wäre es selbstverständlich, einen doppelten Boden zu planen", sagte der Bundesvorsitzende Wasilis von Rauch im Radioprogramm "SWR Aktuell". "Das heißt: Im Falle eines Unfalls, wie jetzt geschehen, sollte es einen Plan geben, wie man mit der Situation umgehen kann. Und der liegt offensichtlich nicht vor." Alternativstrecken seien nicht rechtzeitig ausgebaut worden, monierte er.

Pro Bahn: Europas Bahnsysteme sollte sich angleichen

Minister Hermann äußerte sich im "Mannheimer Morgen" auch verärgert über das Schienenkonzept der Bundesregierung. Im neuen Bundesverkehrswegeplan seien alle Vorschläge aus Baden-Württemberg zur Beseitigung von Engpässen abgelehnt worden.

"Es rächt sich jetzt auf fatale Art und Weise, dass das Netz so ausgedünnt ist. Nur die Hauptstrecken sind modern. Nebenstrecken sind nicht elektrifiziert, nur eingleisig und weisen Engpässe auf." Das sei eine lange Kette der Versäumnisse, die nicht nur der amtierende Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), sondern auch seine Vorgänger und die jeweiligen Regierungskoalitionen zu verantworten hätten.

Unterdessen drängte der Fahrgastverband Pro Bahn darauf, Eisenbahnsysteme in Europa anzugleichen. "Hier von Rastatt geht eine Strecke (...) rüber nach Frankreich, die man sofort benutzen könnte", sagte Gerhard Stolz vom Regionalverband Pro Bahn Mittlerer Oberrhein im Morgenmagazin von ARD und ZDF. "Aber da hat man in den vergangenen Jahren (...) auf europäischer Ebene einfach versäumt, dass man sagt, wir machen die Eisenbahnen kompatibler untereinander." Dadurch sei das deutsche Eisenbahnnetz zweigeteilt in Norden und Süden.

Tunnelbohrer wird mit einbetoniert

Der beschädigte Tunnelabschnitt unter der abgesackten Rheintalbahn im badischen Rastatt soll bis Freitag auf 150 Metern Länge mit Beton gefüllt sein. Bisher seien etwa 6000 von geplanten 10.000 Kubikmetern Beton in die Röhre eingefüllt worden, sagte der zuständige Arbeitsgebietsleiter der Deutschen Bahn, Jürgen Kölmel, bei einer Besichtigung der Baustelle im Stadtteil Niederbühl am Montag.

Deutsche Bahn

Unfallstelle bei Rastatt: Reparaturarbeiten der Bahn

Die 18 Millionen Euro teure und 90 Meter lange Tunnelvortriebmaschine wird komplett mit einbetoniert. Anschließend sollen die Gleise wieder hergestellt werden. Bereits am Mittwochabend war zur Stabilisierung der Problemstelle ein kegelförmiger Pfropfen aus Beton in den Untergrund gegossen worden, um eine bereits fertiggestellte Tunnelröhre gegen den Schadensbereich abzusichern Am Wochenende hatte das Unternehmen mitgeteilt, die Ursachenforschung für den Schaden beim Bohren des Tunnels könne länger dauern.

Die Strecke selber wird auch noch einige Wochen lang gesperrt werden: Voraussichtlich erst ab Samstag, 7. Oktober soll sie wieder in Betrieb genommen werden. Dies teilten die Deutsche Bahn und die Arbeitsgemeinschaft Tunnel Rastatt am Dienstag in Karlsruhe mit. Für den Personenverkehr gibt es einen Ersatzverkehr mit Bussen, Pendler benötigen für die Strecke Rastatt-Baden-Baden bis zu einer Stunde länger.

abl/dpa

insgesamt 65 Beiträge
spaceagency 22.08.2017
1. Endlich wird über dieses Desaster etwas ausführlicher berichtet
was aber hier fehlt ist die internationale Dimension dieser Schlamperei. Die ganze Schweiz und Italien sind von der Achse Rotterdam-Basel-Genua abgeschnitten. Zum Glück gibt es den Rhein und den Rheinhafen in Basel. Der Verkehr [...]
was aber hier fehlt ist die internationale Dimension dieser Schlamperei. Die ganze Schweiz und Italien sind von der Achse Rotterdam-Basel-Genua abgeschnitten. Zum Glück gibt es den Rhein und den Rheinhafen in Basel. Der Verkehr auf dem Rhein hat sich bereits verdoppelt in diesen Tagen. Die schweizer Transportunternehmen glühen vor Wut und es wird eine Klagewelle auf die DB losrollen. Es gibt in Deutschland nicht eine einzige Alternative Strecke an der gesamten Deutsch-Schweizerischen Grenze. Eine kleine Linie über Stuttgart muss mit Diesellocks betrieben werden und schafft gerade mal 37 Züge pro Tag. Die 300 zitierten Züge sind in eine Richtung, insgesamt gehe es um 600 Züge wird in der Schweiz gesagt. Zum Glück ist in Italien noch Ferienzeit bis ende Woche. Danach beginnen die Industrien wieder an mit der Arbeit. Weiträumige Umfahrungen für Italien ist der Brenner und westlich die Linie Turin Lyon. Die schnelleren und leistungsfähigeren Simplon und Gotthard können nicht kompensiert werden. Die Umwege von Mailand aus viel zu weit und zu teuer. Die werden sich sehr freuen über dieses erneute deutsche Missmanagement. Ja man sollte die europäischen Bahnen angleichen - aber bestimmt nur in eine Richtung: Deutschland hat sich endlich anzupassen und einen anständigen Standard zu leisten im Bahn und Güterverkehr
ollifast 22.08.2017
2. Avanti Dilettanti
Was sind das eigentlich für Bau-Pappnasen, sind das jene, die sie grad beim Berliner Flughafen entlassen haben ? Erstens gibt es sicher andere Lösungen, als jetzt die für teures Geld gebaute Röhre mitsamt Maschine - hallo, [...]
Was sind das eigentlich für Bau-Pappnasen, sind das jene, die sie grad beim Berliner Flughafen entlassen haben ? Erstens gibt es sicher andere Lösungen, als jetzt die für teures Geld gebaute Röhre mitsamt Maschine - hallo, Umwelt ? - zu verfüllen, und zweitens ist Plan B wirklich erfunden. Gibt es eigentlich keine guten Bauingenieure mehr hierzulande ? Oder ist das so eine Planer-Seuche rundum Berlin, wo auch die DB AG ihren Sitz hat ?
spaceagency 22.08.2017
3. Rheintalbahn
Nicht nur ist die DB und Deutschland auf der Achse Rotterdam-Genua hoffnungslos verspätet wenn der Ceneri Basistunnel 2020 eröffnet werden wird. Deutschland wird dann das einzige Land sein dass nicht bereit sein wird und jenes [...]
Nicht nur ist die DB und Deutschland auf der Achse Rotterdam-Genua hoffnungslos verspätet wenn der Ceneri Basistunnel 2020 eröffnet werden wird. Deutschland wird dann das einzige Land sein dass nicht bereit sein wird und jenes mit dem einfachsten Abschnitt einer Flachbahn im Rheintal. Man geht von 2035 aus als möglicher Termin der Fertigstellung in Deutschland. Das staatsvertraglich geregelte Werk mjit mindestens 15 Jahren Verspätung während das von Deutschen so gern verspottete Italien die Apenninunterquerung Genua-Poebene fertigstellt und die Schweiz das ganze alpenquerende Tunnelsystem. Jetzt ist ohne Plan B und ohne Lösung einfach auch noch die bestehende Linie unterbrochen als ob die Verspätung alleine nicht schon reichte. Und von der deutschen Regierung und dem Superautoverkehrtsminister die grosse Leere und das grosse Nichts. Man sollte Alternativen suchen und planen um Deutschland einfach zu umfahren. Es gibt schlicht kein Verlass. http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/schweiz/ein-gau-fuer-den-schienenguetertransport;art9641,1085229
lahozdeoro 22.08.2017
4. Bus-Ersatzverkehr??
Mir fehlt auch ein Hinweis, was das nun für die Reisezeit Karlsruhe-Basel bedeutet (mindestens 1 Stunde länger vermute ich) und wie das funktionieren soll. Sollen sämtliche Fahrgäste aus einem ICE in Rastatt in Busse (wieviele [...]
Mir fehlt auch ein Hinweis, was das nun für die Reisezeit Karlsruhe-Basel bedeutet (mindestens 1 Stunde länger vermute ich) und wie das funktionieren soll. Sollen sämtliche Fahrgäste aus einem ICE in Rastatt in Busse (wieviele denn?) umsteigen und dann in Baden-Baden wieder in einen Zug?
attemann 22.08.2017
5. Peinlich
Wir Deutsche sind an Arroganz, Dummheit und Unfähigkeit kaum zu überbieten. Wissen immer alles besser und rennen unentwegt mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt. Ich finde uns zum Kotzen.
Wir Deutsche sind an Arroganz, Dummheit und Unfähigkeit kaum zu überbieten. Wissen immer alles besser und rennen unentwegt mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt. Ich finde uns zum Kotzen.

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