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Umweltschutz

Nabu hält kein Kreuzfahrtschiff für empfehlenswert

Kein Verzicht auf Schweröl und kaum Abgasreinigung: Der Naturschutzbund (Nabu) kann keine wesentlichen Verbesserungen in der Kreuzfahrtbranche erkennen. Auch neuere Schiffe könnten die Umweltschützer nicht empfehlen.

DPA

"Mein Schiff 6" von TUI

Dienstag, 05.09.2017   16:27 Uhr

Der Naturschutzbund (Nabu) hält kein einziges Kreuzfahrtschiff in Europa für empfehlenswert. "Die Umweltbilanz der Kreuzfahrtreeder ist insgesamt weiterhin schlecht", sagte Bundesgeschäftsführer Leif Miller bei der Vorstellung des jährlichen Rankings in Hamburg.

Die Umweltschützer haben Aida Cruises mit ihren neuen Schiffen "Prima" und "Perla" in diesem Jahr von den Spitzenplätzen verbannt. Am besten schnitten in dem Ranking TUI Cruises mit den vier Neubauten "Mein Schiff 3" bis "Mein Schiff 6" und Hapag-Lloyd Cruises mit der "Europa 2" ab. Sie verwenden laut Nabu immerhin einen Stickoxid-Katalysator.

Die Reedereien Costa, MSC und Royal Caribbean hingegen würden keinerlei relevante Aktivitäten zum Schutz von Umwelt und Gesundheit erkennen lassen, teilt der Nabu mit. Alle Reedereien würden weiterhin auf das giftige Schweröl als Kraftstoff setzen und keine Rußpartikelfilter zur Minderung gesundheitsgefährdender Feinstaubemissionen einsetzen.

Nabu-Kreuzfahrtranking 2017

Platz Reederei Schiff Umweltmaßnahmen
1 TUI Cruises "Mein Schiff 3/4/5/6" SCR-Katalysator, Scrubber wird auch außerhalb der SECA genutzt
1 Hapag-Lloyd "Europa 2" SCR-Katalysator, Schwerölverzicht während Fahrt in der Arktis
6 Aida Cruises "Aida Prima"/"Aida Perla" alternative Energieversorgung im Hafen
6 Aida Cruises "Aida Sol" Verwendung von Landstrom im Hafen
9 Hapag-Lloyd "Bremen/"Hanseatic"/"Europa" Schwerölverzicht während Fahrt in Arktis

Quelle: Naturschutzbund Deutschland

Bei der Erstellung des Rankings hat der Nabu allerdings ein Problem: Die Umweltschützer erhalten ihre Daten nicht von den Reedereien, sondern vom Branchenverband Clia, und zwar in Form eines allgemein gehaltenen Schreibens. "Eine bewusste Verschleierungstaktik", wettert der Nabu auf seiner Webseite.

Abgassysteme an oder aus?

Streitpunkt zwischen Umweltschützern und Aida Cruises und Grund für die verschlechterte Bewertung ist das neue Abgasfiltersystem an Bord von "Prima" und "Perla". Während der Nabu aufgrund von Messungen - auch des ARD-Magazins "Plusminus" - annimmt, dass die Anlage gar nicht in Betrieb sein kann, widerspricht Aida: Sechs Schiffe der Flotte - darunter die "Aida Perla" und "Aida Prima" - verfügten über Systeme zur Abgasnachbehandlung. Wo es die Genehmigung zum Betrieb der Systeme gebe, würden diese auch genutzt. Ein unabhängiges Gutachten hat die Reederei allerdings bisher nicht veröffentlicht.

Der Kreuzfahrtverband Clia kritisierte die Messmethoden des Nabu, der am Elbufer vor Hamburg und in Häfen Rußpartikelmessungen durchgeführt hat. Diese entsprächen nicht wissenschaftlichen Standards, meint der Lobbyverband.

Kritik gab es von Clia auch an einer weiteren Darstellung des Nabu: Bereits seit 2015 gelte zum Beispiel in der Nord- und Ostsee ein Schwefelgrenzwert von 0,1 Prozent. Das bedeute, dass dort kein Schiff mehr mit Schweröl fahren darf, ohne eine Filtertechnik an Bord zu haben. Die Behauptung, dass alle Schiffe mit Schweröl fahren, treffe ebenfalls nicht zu. Sämtliche Kreuzfahrtschiffe erfüllten die gesetzlichen Grenzwerte oder überträfen die Anforderungen.

Eine positive Teilentwicklung sieht auch der Nabu. Besserung sei ab 2018 in Sicht, wenn die ersten komplett mit Flüssigerdgas (LNG) betriebenen Schiffe in Dienst gestellt werden. Das Erste wird die "Aida Nova" sein, die im Dezember 2018 an den Start gehen soll.

abl/dpa

insgesamt 11 Beiträge
isar56 05.09.2017
1. Obwohl ich mich
rasant dem Rentenalter nähere, bin ich empört, wie (AUCH) Rentner und Pensionäre die Umwelt auf Kosten der nächsten Generationen rücksichtlos verpesten - per Kreuzfahrtschiff, Viel- und Billigfliegerei, per Auto und 5 [...]
rasant dem Rentenalter nähere, bin ich empört, wie (AUCH) Rentner und Pensionäre die Umwelt auf Kosten der nächsten Generationen rücksichtlos verpesten - per Kreuzfahrtschiff, Viel- und Billigfliegerei, per Auto und 5 Busfahrten im Jahr. Da muss ein Häusle her und dann kann Keine/r mal ein Wochenende daheim bleiben. Besucht Gastvorlesungen an den Unis, geht spazieren, lest.... und hört auf die junge Menschen und Kinder zu ersticken. Flieger und Kreuzfahrtschiffe sind die schlimmsten Dreckschleudern aller Zeiten.
willi2011 05.09.2017
2. Schiffe mit Abgasen ohne Ende
Danke für den guten Beitrag. Es wird wirklich Zeit, dass auch Schiffe sauberer werden.
Danke für den guten Beitrag. Es wird wirklich Zeit, dass auch Schiffe sauberer werden.
elkemeis 05.09.2017
3. Schon klar
Frachter, Containerschiffe und Tanker fahren mit Rosenwasser. Der Transport der ganzen Klamotten und elektrischen Gadgets aus Fernost und anderen Dritte-Welt-Ländern belastet die Unwelt gaaaar nicht. Auch die Fangflotten, die [...]
Zitat von isar56rasant dem Rentenalter nähere, bin ich empört, wie (AUCH) Rentner und Pensionäre die Umwelt auf Kosten der nächsten Generationen rücksichtlos verpesten - per Kreuzfahrtschiff, Viel- und Billigfliegerei, per Auto und 5 Busfahrten im Jahr. Da muss ein Häusle her und dann kann Keine/r mal ein Wochenende daheim bleiben. Besucht Gastvorlesungen an den Unis, geht spazieren, lest.... und hört auf die junge Menschen und Kinder zu ersticken. Flieger und Kreuzfahrtschiffe sind die schlimmsten Dreckschleudern aller Zeiten.
Frachter, Containerschiffe und Tanker fahren mit Rosenwasser. Der Transport der ganzen Klamotten und elektrischen Gadgets aus Fernost und anderen Dritte-Welt-Ländern belastet die Unwelt gaaaar nicht. Auch die Fangflotten, die uns Hering, Lachs und Thunfisch etc. auf den Tisch bringen, sind alle mit Solar- und Windenergie unterwegs. Ich gehöre zwar nicht zu dem von Ihnen kritisierten Rentnertypus, aber Ihre Kritik ist viel zu einseitig und greift viel zu kurz.
thrust26 05.09.2017
4. @elkemeis
Transportschiffe fahren normalerweise weder in die Arktis noch liegen sie in innenstadtnahen Häfen bei laufenden Motoren vor Anker. Außerdem ist die Pro-Kopf Verschmutzung um einige Größenordnungen höher als bei Tankern etc. [...]
Transportschiffe fahren normalerweise weder in die Arktis noch liegen sie in innenstadtnahen Häfen bei laufenden Motoren vor Anker. Außerdem ist die Pro-Kopf Verschmutzung um einige Größenordnungen höher als bei Tankern etc. D.h. Kreuzfahrer verpesten die Luft um ein Vielfaches mehr, als Leute deren Waren mit Schiffen transportiert wurden. Aber natürlich ist es eine Riesen-Sauerei, dass überhaupt irgendein Schiff als Müllverbrennungsanlage für Schweröl genutzt wird.
see_baer 05.09.2017
5. Beobachtung eines Lotsen:
Es darf zwar kein Schweröl mehr verbrand werden -aber die Rußfahnen sind kaum heller geworden - man sieht auch oft einen verräterischen Gelbschleier. Oft wird einen sogenannter synthetischer Marinediesel genutzt - wohl ein [...]
Es darf zwar kein Schweröl mehr verbrand werden -aber die Rußfahnen sind kaum heller geworden - man sieht auch oft einen verräterischen Gelbschleier. Oft wird einen sogenannter synthetischer Marinediesel genutzt - wohl ein erweitertes Destillat aus Schweröl.

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