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Reise

BGH-Urteil

Fluglinie muss bei verspätetem Ersatzflug Entschädigung zahlen

Wenn eine Airline einen Flug streicht, muss sie den Passagieren Ersatz organisieren. Muss sie Entschädigung zahlen, wenn sich dieser erheblich verspätet? Der Bundesgerichtshof hat eine verbraucherfreundliche Entscheidung gefällt.

DPA
Dienstag, 10.10.2017   16:54 Uhr

Flugpassagiere haben auch dann Anspruch auf eine Entschädigung, wenn sie für einen annullierten Flug zwar Ersatz bekommen haben, dieser aber erheblich verspätet ist. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Letztlich habe der Fluggast auch dann sein Ziel nicht pünktlich erreicht, hieß es zur Begründung.

Die Kläger hatten bei Singapore Airlines einen Flug von Frankfurt am Main nach Sydney in Australien gebucht, der Umstieg war in Singapur. Der Flug von Frankfurt nach Singapur fiel jedoch aus. Singapore Airlines bot zwar einen Ersatzflug einer anderen Fluggesellschaft an, dieser war jedoch um 16 Stunden verspätet. Dadurch verpassten die Reisenden ihren Anschlussflug nach Sydney und kamen dort erst 23 Stunden später als geplant an.

Daher forderten die drei Flugpassagiere eine sogenannte Ausgleichszahlung, hier für einen Interkontinentalflug jeweils 600 Euro. Singapore Airlines lehnte dies wegen des angebotenen Ersatzfluges ab.

Doch der Ersatzflug befreit die Fluglinie hier nicht von der Ausgleichspflicht, urteilte der BGH. Dies sei nach den EU-rechtlichen Vorgaben nur dann der Fall, wenn die Fluggäste mit dem Ersatzflug ihr Endziel je nach Zeitpunkt der Ankündigung höchstens zwei oder vier Stunden verspätet erreichen. Hier seien es 23 Stunden gewesen.

Singapore Airlines könne auch nicht auf die Ersatzfluglinie verweisen, hieß es weiter. Die Fluggesellschaft habe den ursprünglichen Flug annulliert und bleibe daher verantwortlich.

BGH, Aktenzeichen X ZR 73/16

abl/AFP

insgesamt 8 Beiträge
theodtiger 10.10.2017
1. positives Urteil dank EU Fluggastrechte Verordnung
Diese Urteil ist zu begrüßen. Ohne die EU Fluggastrechte - Verordnung hätte der Kunde hier gar nichts gekriegt. So etwas lässt sich auch nur supranational regeln, denn kein einzelnes Land allein würde dieses - mit Rücksicht [...]
Diese Urteil ist zu begrüßen. Ohne die EU Fluggastrechte - Verordnung hätte der Kunde hier gar nichts gekriegt. So etwas lässt sich auch nur supranational regeln, denn kein einzelnes Land allein würde dieses - mit Rücksicht auf die heimischen Fluggesellschaften - so verbraucherfreundlich regeln.
george2013 10.10.2017
2. Ohne juristische Hilfe wird auch das nichts
Die meisten Fuggesellschaften werden - selbst auf Einschreibebriefe - in solchen Fällen weiterhin nicht reagieren. Das ist Standard. Und deshalb wird auch künftig auf Kundenseite ein langer Atem notwendig sein. Airberlin [...]
Die meisten Fuggesellschaften werden - selbst auf Einschreibebriefe - in solchen Fällen weiterhin nicht reagieren. Das ist Standard. Und deshalb wird auch künftig auf Kundenseite ein langer Atem notwendig sein. Airberlin beispielsweise - ruhe in Frieden - hatte mir einst in Berlin-Tegel bei einer dreieinhalbstündigen Verspätung mitgeteilt, das vorgesehene Flugzeug habe wegen "lang anhaltender Gewitter in Stuttgart" dort nicht in Richtung Berlin abheben können. Stuttgart hatte am betreffenden Tag dauerhaft blauen Himmel.
sir wilfried 10.10.2017
3. Eine Hintertür groß wie ein Scheunentor
Nur in den wenigsten Fällen greifen die so hochgelobten Fluggastrechte. Kann sich nämlich die Fluggesellschaft auf außergewöhnliche Umstände berufen, hat der Fluggast Pech. Außergewöhnliche Umstände können Streik, [...]
Nur in den wenigsten Fällen greifen die so hochgelobten Fluggastrechte. Kann sich nämlich die Fluggesellschaft auf außergewöhnliche Umstände berufen, hat der Fluggast Pech. Außergewöhnliche Umstände können Streik, Schlechtes Wetter, unerwartete technische Probleme, kurzum fast alles sein, was zu Flugausfällen führt. Da hat die entsprechende Lobby wohl wieder mal gute Gesetzestexte (und vermutlich die dicken Umschläge mit den wichtigen Unterlagen) geliefert.
kalim.karemi 10.10.2017
4.
Ein Flugausfall wegen Sturm wie am vergangenen Donnerstag kann man sich schlecht ausdenken und liegt nicht im Ermessen einer Fluggesellschaft. In diesem Fall bekommen Sie Hotelzimmer. Essengutschein und einen Flug am folgenden [...]
Zitat von sir wilfriedNur in den wenigsten Fällen greifen die so hochgelobten Fluggastrechte. Kann sich nämlich die Fluggesellschaft auf außergewöhnliche Umstände berufen, hat der Fluggast Pech. Außergewöhnliche Umstände können Streik, Schlechtes Wetter, unerwartete technische Probleme, kurzum fast alles sein, was zu Flugausfällen führt. Da hat die entsprechende Lobby wohl wieder mal gute Gesetzestexte (und vermutlich die dicken Umschläge mit den wichtigen Unterlagen) geliefert.
Ein Flugausfall wegen Sturm wie am vergangenen Donnerstag kann man sich schlecht ausdenken und liegt nicht im Ermessen einer Fluggesellschaft. In diesem Fall bekommen Sie Hotelzimmer. Essengutschein und einen Flug am folgenden Tag. Geht der Flieger kaputt und es wird in angemessener Zeit kein Ersatz zur Verfügung gestellt, liegt das an der Unfähigkeit der Fluggesellschaft, in dem Fall gibt es zu obigem noch 300€ und zwar recht problemlos und ohne Anwalt. Bei schlechtem Wetter auch noch eine Entschädigung zu verlangen, ist schon dreist.
larry_lustig 11.10.2017
5.
Ohne Anwalt? Sicher nicht......und schon gar nicht immer.... Es gibt Airlines die zahlen erst dann, wenn der Gerichtsvollzieher kurz davor ist einen Flieger zu pfänden....(z.B. Bulgaria Air in Wien)
Zitat von kalim.karemiEin Flugausfall wegen Sturm wie am vergangenen Donnerstag kann man sich schlecht ausdenken und liegt nicht im Ermessen einer Fluggesellschaft. In diesem Fall bekommen Sie Hotelzimmer. Essengutschein und einen Flug am folgenden Tag. Geht der Flieger kaputt und es wird in angemessener Zeit kein Ersatz zur Verfügung gestellt, liegt das an der Unfähigkeit der Fluggesellschaft, in dem Fall gibt es zu obigem noch 300€ und zwar recht problemlos und ohne Anwalt. Bei schlechtem Wetter auch noch eine Entschädigung zu verlangen, ist schon dreist.
Ohne Anwalt? Sicher nicht......und schon gar nicht immer.... Es gibt Airlines die zahlen erst dann, wenn der Gerichtsvollzieher kurz davor ist einen Flieger zu pfänden....(z.B. Bulgaria Air in Wien)

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