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Reise

Übernahme durch Lufthansa

Was passiert jetzt mit Air-Berlin-Tickets?

Wer bei Air Berlin einen Flug ab November gebucht hatte, musste sich mit dem Verlust seines Kaufpreises abfinden. Ändert sich daran etwas durch die Übernahme durch Lufthansa? Die wichtigsten Antworten.

dapd
Donnerstag, 12.10.2017   16:14 Uhr

Ab spätestens Ende Oktober wird auf den Abflug- und Ankunftstafeln der Flughäfen kein Flug mehr mit dem "AB" am Anfang auftauchen: Air Berlin stellt den Flugbetrieb unter ihrem Kürzel ein, wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab. Am Donnerstag hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Kaufvertrag für große Teile der insolventen Airline unterschrieben.

Was bedeutet die Übernahme für den Flugbetrieb?

Die Lufthansa will 81 Flugzeuge und die damit verbundenen Start- und Landerechte übernehmen, mehr als die Hälfte der insolventen Air Berlin. Diese soll in die Billigtochter Eurowings integriert werden.

Ein stabiler Flugbetrieb sei aber erst in sechs bis neun Monaten zu erwarten, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Die EU-Kommission muss außerdem prüfen, ob das Geschäft wettbewerbsrechtlich in Ordnung ist, dafür hat sie 25 Arbeitstage Zeit. Bei Bedenken kann sie vertieft prüfen, mit weiteren 90 Tagen. So lang liegt das Geschäft aus Eis.

"Wir werden das irgendwie hinbekommen", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Berlin. Der Übergang werde aber nicht ohne "Ruckeleien" verlaufen. Man habe Piloten aus dem Urlaub zurückgeholt und fliege innerhalb Deutschlands auch mit Jumbo-Jets, um alle Passagiere aufnehmen zu können. Tausende Mitarbeiter müssten eingestellt werden, zugleich sei der Übergang der Air-Berlin-Flugzeuge beim Luftfahrtbundesamt aufwendig.

Spohr kündigte an, zum Teil auch bei der Langstrecke Lücken zu schließen, die Air Berlin hinterlassen hat. Lufthansa nimmt zum Beispiel zum 8. November die Strecke von Berlin nach New York neu in den Flugplan auf. Innerdeutsch springt Eurowings auf Strecken ein, auf denen bislang Air Berlin unterwegs war. Eine genaue Übersicht mit allen Strecken, die übernommen werden, gibt es allerdings noch nicht.

Bleibt mein Air-Berlin-Ticket für Flüge ab November nun doch gültig?

Bisher gibt es von Lufthansa dazu noch keine Aussage. Denkbar wäre theoretisch die Umwandlung von Air-Berlin-Tickets in Gutscheine für die neuen Eurowings-Flüge. Dass Air-Berlin-Tickets vom Lufthansa-Konzern anerkannt würden, sei unwahrscheinlich, sagt Felix Methmann von der Verbraucherzentrale Bundesverband dem SPIEGEL. Lufthansa wolle in erster Linie Flugzeuge kaufen.

Noch gilt daher die Ankündigung der Air-Berlin-Geschäftsführung, dass Tickets für Flüge nach dem 28. Oktober nicht mehr gültig sind. "Diese Tickets verfallen", erklärte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch. Davon betroffen sind etwa 100.000 Kunden. Schon ab Sonntag wird es keine Langstreckenflüge der Berliner Airline mehr geben - auch hier verlieren etwa 100.000 Tickets ihre Gültigkeit.

Wird der Kaufpreis für bereits annullierte Flüge erstattet?

Geld zurück gibt es nur für jene Flüge, die nach dem Air-Berlin-Insolvenzantrag vom 15. August gebucht und bezahlt wurden. Die Kunden könnten laut Air Berlin mit einer Rückzahlung vom eigens für diese Fälle angelegten Treuhand-Konto rechnen. Verbraucherschützer Methmann zeigt sich skeptisch: Ob dies tatsächlich so eintritt, bleibe abzuwarten.

Wer vor dem 15. August gebucht hat, wird aller Voraussicht nach nichts oder nur sehr wenig vom Kaufpreis wiedersehen. Das Geld dieser Passagiere ist - sofern noch vorhanden - Teil der Insolvenzmasse. Diese Kunden müssen als Gläubiger eine Forderung beim Insolvenzverwalter anmelden. Das Verfahren kann Jahre dauern. Am Ende dürfte für sie kaum etwas übrig bleiben.

Was passiert mit Air-Berlin-Kunden, deren Rückflug abgesagt wurde?

Lufthansa-Chef Spohr kündigte in der "Rheinischen Post" an, den "im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben". Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Details seien noch nicht ausgearbeitet.

Was passiert mit Gutscheinen und Topbonus-Meilen?

Gutscheine für Air-Berlin-Flüge können nicht mehr eingelöst werden. Wer noch einen besitzt, kann seine Forderung beim Insolvenzverwalter anmelden - die Chance, Geld zurückzubekommen, ist allerdings minimal. Auch dass stattdessen Lufthansa diese auszahlt, gilt als relativ ausgeschlossen.

Das Topbonus-Meilen-Programm hat zwar im August ebenfalls Insolvenz angemeldet. Wie bereits am 20. September angekündigt, können aber bei Air Berlin gesammelte Meilen wieder in Prämienprodukte und Gutscheine für andere Serviceleistungen eingetauscht werden. Bei Partnern des Programms wie Etihad Airways ließen sich außerdem wieder neue Meilen sammeln, hieß es. "Das gilt unverändert", sagte ein Sprecher. Dass Lufthansa Topbonus-Meilen einlöst, gilt aber ebenfalls als unrealistisch.

Was bedeutet der Teilverkauf für meine Pauschalreise?

Viele Reiseveranstalter haben ihre Pauschalpakete mit Flügen von Air Berlin geschnürt und müssen jetzt umplanen. Doch der Urlauber ist in diesem Fall abgesichert. Der Veranstalter muss für Ersatz sorgen, ohne Extrakosten für den Kunden. "Die Reiseveranstalter buchen die Gäste jetzt schon um, das gilt auch für den Sommer 2018", sagt Kerstin Heinen, Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV). Sie rechnet mit geringen Auswirkungen für Pauschalurlauber.

Allerdings können sich die Flugzeiten empfindlich ändern und Zeit am Urlaubsort verloren gehen. Unter Umständen können Urlauber Geld zurückverlangen. Geht durch die Umbuchung des Fluges zum Beispiel ein Urlaubstag verloren, dürfen Pauschaltouristen den Reisepreis anteilig mindern. Wer bei einer einwöchigen Reise für 700 Euro all inclusive einen Tag verliert, dem stehen 100 Euro zu.

Doch die Rechte sind im Einzelfall noch umfassender. Ein Urteil des Amtsgerichts Köln zeigt: Wenn ein Reiseveranstalter den Rückflug in die Nacht vorverlegt, kann der Urlauber vor Reisebeginn den Vertrag ohne Stornogebühren kündigen (Az.: 133 C 265/15). Das Argument: Die Vorverlegung des Rückflugs beeinträchtigt die Nachtruhe empfindlich und ist nicht zumutbar. Im verhandelten Fall wurde der Flug von 14.30 Uhr am Nachmittag auf 3.50 Uhr in der Nacht vorverlegt. Grund war auch hier die Insolvenz der Fluggesellschaft.

Was passiert mit Eurowings-Flügen, die von Air Berlin durchgeführt werden sollten?

Eurowings hat eine Wetlease-Vereinbarung mit Air Berlin: Sie hat Flugzeuge und Besatzung der insolventen Fluggesellschaft gemietet. Hier ist immer Eurowings zuständige Airline und Ansprechpartner, wenn es um bestehende Tickets geht. Es gelten die üblichen Rechte für Passagiere: Bei einer Annullierung muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung anbieten oder die Kosten für das Flugticket erstatten. Und Passagieren steht eine Entschädigung zu.

Sollte man mit der Buchung von Sommerflügen für 2018 noch warten?

Bei den Strecken und Preisen im Flugsommer 2018 könnte sich noch viel tun. Ob man deshalb mit der Buchung lieber noch abwarten sollte, hängt vor allem vom Flugziel ab. "Bei den beliebten Urlaubszielen würde ich zu Ferienterminen nicht auf Schnäppchen warten", sagt der Luftverkehrsexperte Cord Schellenberg aus Hamburg. "Die Preise werden da nicht sinken, keiner wird Umsatz verschenken wollen." Das Prinzip von Angebot und Nachfrage gelte unverändert. "Das wird die Lufthansa nicht neu erfinden", so Schellenberg. Entsprechend gilt auch: Günstig wird es vor allem für Flugziele, die in der Gunst der deutschen Urlauber derzeit nicht vorne liegen - etwa die Türkei.

Was ist mit Niki?

Die Air-Berlin-Tochter Niki soll wohl ebenfalls von Lufthansa übernommen werden. Die Fluggesellschaft ist nicht insolvent, der Flugverkehr soll weitergeführt werden. Für Urlauber ändert sich erst einmal nichts. Wann und wie die Niki-Flüge mittel- bis langfristig in Eurowings-Flüge überführt werden und zu welchen Konditionen, ist noch unklar. Niki wickelt auch die beliebten Mallorca-Flüge ab.

Wo informiert Air Berlin seine Kunden?

Das Unternehmen gibt hier weitere Auskünfte.

abl/apr

insgesamt 11 Beiträge
brooklyner 12.10.2017
1.
Was für ein dürftiger Artikel, die Informationen sind allesamt nicht neu, sondern können seit Wochen anderswo nachgelesen werden. Warum die Steuern bei einem gestrichenen Flug auch nicht zurückerstattet werden, sondern beim [...]
Was für ein dürftiger Artikel, die Informationen sind allesamt nicht neu, sondern können seit Wochen anderswo nachgelesen werden. Warum die Steuern bei einem gestrichenen Flug auch nicht zurückerstattet werden, sondern beim Finanzamt landen, das wäre Mal etwas, das Laien wie mir erklärt werden könnte. Ganz zu schweigen davon, Mal etwas Licht in das Gemauschel von Politik und Lufthansa bei dieser inszenierten Übernahme zu bringen. Und der Verweis, dass man seine Meilen wieder bei Topbonus einlösen kann, ist fast lächerlich. Angeboten wird dort ausschliesslich wertloser Krempel, bzw. liegt die Zuzahlung zu den Meilen höher als der Preis, den die Artikel anderswo kosten. Was der Grund für diese Verhöhnung der Topbonus Kunden ist, wird sich noch zeigen. Vielleicht möchte man ja so versuchen, dass sich möglichst viele von den Meilen trennen, um bei einer Übernahme nicht so viele Verpflichtungen Altkunden gegenüber zu haben, wer weiss.
Daueronline 12.10.2017
2. Das ist doch das letzte.
ich habe früh im Juli gebucht, meine Flüge finden nicht statt und "dank" frühbuchens gibt es auch keine Erstattung. Wieso eigentlich nicht? Wenn Lufthansa die Flugzeuge von AB kauft, kommt doch Geld in die Kasse. Mir [...]
ich habe früh im Juli gebucht, meine Flüge finden nicht statt und "dank" frühbuchens gibt es auch keine Erstattung. Wieso eigentlich nicht? Wenn Lufthansa die Flugzeuge von AB kauft, kommt doch Geld in die Kasse. Mir leuchtet ein, dass man vielleicht nicht alles ersetzt bekommt, aber "wahrscheinlich nichts", wie kann das sein?
Nadelbaum 12.10.2017
3. Reise-Sicherungsschein
Für Reiseveranstalter gibt es doch den gesetzlich vorgeschriebenen Reise-Sicherungsschein (Insolvenzversicherung). Sollte man diese Pflicht nicht auch auf Fluggesellschaften und ähnliche Unternehmen ausweiten. Muss man sich [...]
Für Reiseveranstalter gibt es doch den gesetzlich vorgeschriebenen Reise-Sicherungsschein (Insolvenzversicherung). Sollte man diese Pflicht nicht auch auf Fluggesellschaften und ähnliche Unternehmen ausweiten. Muss man sich jetzt als einfacher Flugkunde auch noch mit der Unternehmens-Bilanz auseinandersetzen?
Lisa345 12.10.2017
4. Isso
Zum einen schreibt das Insolvenzrecht es so vor, dass alles vor der Anmeldung zur Insolvenz in die Insolvenzmasse fließt und zum anderen kauft LH keine Flieger von AB, denn AB hat keine eigenen Flieger, alle geleast. Das Geld [...]
Zitat von Daueronlineich habe früh im Juli gebucht, meine Flüge finden nicht statt und "dank" frühbuchens gibt es auch keine Erstattung. Wieso eigentlich nicht? Wenn Lufthansa die Flugzeuge von AB kauft, kommt doch Geld in die Kasse. Mir leuchtet ein, dass man vielleicht nicht alles ersetzt bekommt, aber "wahrscheinlich nichts", wie kann das sein?
Zum einen schreibt das Insolvenzrecht es so vor, dass alles vor der Anmeldung zur Insolvenz in die Insolvenzmasse fließt und zum anderen kauft LH keine Flieger von AB, denn AB hat keine eigenen Flieger, alle geleast. Das Geld was AB von LH bekommt wird dann aufgeteilt, da geht es der Reihe nach, die Käufer stehen in der Gläubigerreihe leider ziemlich weit hinten, deshalb wird am Ende fast nichts übrig bleiben.
m.a.t.e.w. 12.10.2017
5. Und was ist
mit den 150 Millionen Euro Steuergeld für AirBerlin??
mit den 150 Millionen Euro Steuergeld für AirBerlin??

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