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Reise

Geld im Urlaub

So vermeiden Reisende hohe Kreditkartenkosten

Welche Gebühren fallen beim Geldabheben an? Soll man lieber in Euro oder in Landeswährung abrechnen? Viele Kosten lassen sich mit der richtigen Kreditkarte vermeiden. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

TMN
Donnerstag, 02.11.2017   15:30 Uhr

Eine Kreditkarte ist für Reisende praktisch und oft sogar unverzichtbar. Flüge und Hotelzimmer lassen sich mit ihr bezahlen und auch die Mietwagenkaution. Und natürlich ist die Karte der einfachste Weg, um im Ausland an Bares zu kommen. Geld an einem Automaten zu ziehen, sollte allerdings möglichst wenig eigenes Geld kosten.

Die Gebühren der Kartenanbieter unterscheiden sich deutlich. Worauf muss man daher achten, wenn man sich für einen Anbieter entscheidet? Wie kommen Reisende am günstigen weg?

Was verursacht Kosten bei einer Kreditkarte?

Die Kosten einer Kreditkarte setzen sich aus mehreren Gebührenbestandteilen zusammen:

Jede Bank regelt die Gebühren anders, wie Kerstin Backofen von der Stiftung Warentest erläutert. Hier hilft nur, genau die Preise zu vergleichen. "Je nach Kreditkartenanbieter können einige der Gebühren nämlich auch wegfallen." Was jedoch der Automatenbetreiber kassiert, hat mit der Karte nichts zu tun.

Welche Karten sind empfehlenswert?

Für Weltenbummler galt die kostenlose Visa-Card der Deutschen Kreditbank (DKB) lange als Goldstandard. Mit ihr ließ sich weltweit ohne Gebühren Geld abheben. Das hat sich geändert: Zwar sind Zahlungen und Geldabhebungen im Euro-Raum weiterhin kostenlos - außerhalb der Eurozone jedoch gilt dies nach einem Jahr nur noch bei einem monatlichen Geldeingang von 700 Euro. Josefine Lietzau vom Verbraucherportal Finanztip empfiehlt die DKB-Karte aber weiterhin.

Auch die 1plus Visa Card der Santander Consumer Bank ist laut der Expertin empfehlenswert: Es gibt keine Grundgebühr, und das Bezahlen und Geld abheben im Ausland ist kostenlos. Einen größeren Haken hat die Karte jedoch: Es handelt sich um eine sogenannte Revolving Card.

Bei diesem Kartentyp tilgt der Nutzer den belasteten Betrag in kleinen monatlichen Raten. "Für den beanspruchten Kreditrahmen fallen dann teilweise sehr hohe Sollzinsen an", erklärt Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "So besteht die Gefahr der Verschuldung." Um das zu verhindern, muss man den Saldo der Karte jeden Monat ausgleichen. "Der Nutzer kann sich den Betrag, mit dem die Kreditkarte belastet ist, bei vielen Karten einfach selbst von seinem Girokonto auf das Kartenkonto überweisen", sagt Lietzau.

Sogenannte Reisekreditkarten mit Zusatzleistungen empfiehlt Backofen von Stiftung Warentest nur eingeschränkt: "Die sind nur sinnvoll, wenn man die Zusatzleistungen tatsächlich nutzen kann. Zum Beispiel einen Tankrabatt, weil man mit dem eigenen Auto reist." Reiseversicherungen sollte man immer separat abschließen, weil die Leistungen der Kartenanbieter oft schlechter sind.

Welche Regeln gelten für die Eurozone?

Wer innerhalb der Eurozone reist, profitiert von der EU-Preisverordnung. Demnach darf das Bezahlen mit Kredit- und Girokarte nicht mehr kosten als im Inland - und ist laut Verbraucherzentrale damit kostenlos.

Auch das Geld abheben darf nicht mehr kosten als im Inland. Hier kommt es auf das Entgelt an, das der Kunde an einem inländischen Automaten einer fremden Bank bezahlen muss. Somit kann das Geld abheben im Ausland des Euroraums mehrere Euro kosten - wie in Deutschland auch.

Und welche außerhalb der Eurozone?

Außerhalb der Eurozone fällt beim Zahlen mit Kreditkarte laut Lietzau fast immer eine sogenannte Fremdwährungsgebühr an. Der Aufschlag liegt häufig zwischen 1,5 und 2 Prozent.

Beim Abheben von Bargeld verlangen außerdem oft die Anbieter von Geldautomaten eine Extragebühr. "In den USA wollen einige Anbieter um die sieben Dollar pro Abheben. Das ist nicht gerade wenig", sagt die Expertin. Ihr Tipp: Mehrere Automaten vergleichen, sofern Zeit dafür ist. Denn auf die Gebühr wird man vor der Transaktion am Automaten hingewiesen. Manchmal hat man Pech: "Ob man einen günstigen Automaten findet, ist einfach ein Glücksspiel."

Und es gibt noch eine Gebührenfalle der Automatenanbieter: Oft wird die Sofortumrechnung in Euro angeboten (Dynamic Currency Conversion). Dabei wird dann aber ein schlechter Wechselkurs angelegt, der Kunde verliert oft Geld. Die Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest nannte diese Praxis einmal "moderne Wegelagerei". Reisende sollten am Automaten daher immer in der Landeswährung abrechnen.

Was muss man vor dem Urlaub beachten?

Vor der Reise sollte man noch einmal die Gültigkeit der Karte sowie den Kreditrahmen prüfen. "Außerdem sollte man schauen, dass genug Geld auf dem Girokonto ist, wenn es belastet wird. Sonst gerät man dort in den Dispo und muss Überziehungszinsen zahlen", sagt Lietzau. Und die Karte muss im Zielland akzeptiert werden. Darüber kann die Bank informieren. Außerdem gibt es im Internet Automatenfinder für Visa, Mastercard und American Express.

Reisende sollten außerdem prüfen, ob sie eine richtige Kreditkarte oder nur eine sogenannte Debitkarte haben. Dieser zweite Kartentyp, bei dem der ausgegebene Betrag direkt vom Girokonto eingezogen wird, findet nicht überall auf der Welt Akzeptanz.

Und was, wenn die Karte verloren geht?

Für den Notfall eines Verlusts der Karte sollte man wissen, wie sich diese sperren lässt. "Mastercard- und Visa-Kreditkarten kann man telefonisch meist über die 116116 sperren. Bei anderen Kreditkarten gilt diese Nummer aber nicht unbedingt", sagt Lietzau. Sichaber auf Auslandsreisen allein auf die Kreditkarte zu verlassen, ist mit einem Risiko verbunden. Eine Girokarte und etwas Bargeld sollte man ebenfalls dabei haben.

Pauline Sickmann, dpa

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