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Reise

Luxus-Suiten im Flugzeug

Mehr Prunk für den A380

Vor zehn Jahren ist der A380 zu seinem ersten Linienflug gestartet. Jetzt hat Airbus seine hundertste Maschine für Emirates ausgeliefert - und Singapore Airlines führt ein neues Kabinendesign vor.

Singapore Airlines
Freitag, 03.11.2017   16:12 Uhr

Wer will, kann in wenigen Wochen aus seinem Doppelbett in einer gut neun Quadratmeter großen Suite in den Himmel über Singapur blicken - liegend und fliegend. Mitte Dezember wird nämlich der erste A380 von Singapore Airlines mit einem neuen Kabinendesign in die Luft gehen. In seinem Bug: sechs luxuriöse Suiten, von denen sich vier zu zwei Doppelzimmern vereinen lassen.

Vor fast genau zehn Jahren hat die Singapurer Fluggesellschaft als Erste den damals neuen A380 von Airbus auf einem Linienflug eingesetzt. 19 der Riesenflieger hat sie zurzeit in ihrer Flotte und möbelt sie nach und nach mit einem Aufwand von mehr als 730 Millionen Euro auf. Vier Jahre Entwicklungszeit hat es gedauert. Fünf Maschinen sollen im Dezember fertig sein, die restlichen 14 bis 2020. Überarbeitet wurden alle Klassen, künftig wird es insgesamt 471 Sitzplätze geben.

Prunkstücke sind die sechs, bis zu 4,6 Quadratmeter großen Suiten im oberen Deck - bisher gab es zwölf, die um einiges kleiner waren. Ausgestattet sind sie mit Bett, massivem Drehsessel, 32-Zoll-Monitor, eigener Garderobe und Stimmungslicht. Für die Gäste der Luxusklasse gibt zwei es Waschräume, Duschen wie bei Etihad und Emirates sind allerdings nicht vorhanden. Wenn eine Trennwand zwischen zwei Kabinen heruntergefahren wird, entsteht aus zwei Einzel- ein Doppelbett und aus einer Einzel- eine Doppelsuite. Der Preis für den Luxus: 5500 Euro für einen Return-Flug von Singapur nach Sydney.

Zum 1,98 Meter langen Doppellager lassen sich auch die Mittelsitze in der Business Class verwandeln - Privatsphäre gibt es hier aber nicht. Der Monitor ist hier auf 18 Zoll geschrumpft. In der Premium Economy Class beträgt der Sitzabstand 96,5 Zentimeter, in der Economy 81,3 Zentimeter (zum Vergleich bei Eurowings: 73,7 Zentimeter). Stromversorgung und USB-Anschluss ist bei allen Klassen im Sitz integriert.

Experten zum A380: Komfortabel, aber zu teuer

Derzeit fliegen 218 der A380 bei 13 Fluggesellschaften. Emirates als größter Abnehmer von A380 hat am Freitag in einer feierlichen Zeremonie in Hamburg seinen hundertsten Riesenflieger in Empfang genommen. Das Flugzeug habe "das Flugerlebnis für unsere Kunden auf das nächste Level gehoben", sagte Emirates-Präsident Sheikh Ahmed bin Said al-Maktoum. Das größte Passagierflugzeug der Welt sei ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, "leise und effizient". Insgesamt hat die Dubaier Fluglinie 142 A380 bestellt.

Die größte Passagiermaschine der Welt gilt allerdings als Flop. Jean-Baptiste Nau von der Beratungsfirma Wavestone spricht von einem "Paradox" beim A380: "Er wird von Passagieren wegen seines Komforts sehr geschätzt und ist technisch auf einem sehr hohen Stand. Aber seine Betriebskosten bleiben hoch." Seit Januar 2016 schon bleiben neue Aufträge für den Riesenflieger aus.

Bei der internationalen Luftfahrtausstellung in Le Bourget bei Paris im Juni hat Airbus deshalb eine neue Modellreihe namens A380Plus vorgestellt. Damit soll das Flaggschiff aerodynamischer werden und Kerosin sparen. Durch eine neue Aufteilung im Innenraum sollen 80 Sitze mehr möglich sein, insgesamt können damit bis zu 575 Passagiere Platz finden. Dadurch sollen die Kosten pro Sitz um 13 Prozent sinken, verspricht Airbus.

Bei der nächsten Luftfahrtausstellung in Dubai vom 12. bis 16. November hofft Airbus auf erste Aufträge für den A380Plus. Für Verkaufsdirektor John Leahy ist der Riesenflieger immer noch "die Lösung" für notorisch überlastete Flughäfen. Leahy glaubt an eine Verdopplung des Luftverkehrs in den kommenden 15 Jahren. Airbus-Chef Tom Enders gab sich zuletzt realistisch. Vorerst werde der A380 nicht aufgegeben, sagte er im April am Rande der Hauptversammlung in Amsterdam. "Aber wir bauen keine Flugzeuge, die niemand will und die dann auf dem Rollfeld herumstehen."

abl/AFP

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