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Reise

Nach Air-Berlin-Pleite

Innerdeutsche Flüge sind teurer geworden

Geschäftsreisende und Wochenendflieger merken deutlich: Innerdeutsche Flüge sind nach der Air-Berlin-Insolvenz teurer geworden. Tickets für Kurzstrecken kosten derzeit zwischen 26 und 39 Prozent mehr.

DPA

Auch die Ticketpreise fliegen hoch

Dienstag, 14.11.2017   17:25 Uhr

Nach der Air-Berlin-Pleite klagt die deutsche Wirtschaft über drastisch gestiegene Kosten für Geschäftsreisen. Flugtickets seien nach den Beobachtungen der Unternehmen in der Spitze um bis zu 50 Prozent teurer geworden, berichtete der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) am Dienstag in Frankfurt.

Der von Airline-Großkunden getragene VDR stützt damit Berechnungen des Internet-Portals "Mydealz", über die das "Handelsblatt" berichtet hatte. Demnach sind nach der Aufgabe des Linienverkehrs der Air Berlin auf Kurzstrecken die Preise zwischen 26 Prozent an Werktagen und knapp 39 Prozent an Wochenenden gestiegen - was natürlich auch Privatkunden trifft.

Experten hatten den Anstieg erwartet, weil nun auf vielen Strecken insbesondere aus Berlin und Düsseldorf ein wichtiger Wettbewerber fehlt. "Gerade bestätigt sich leider das, was wir bereits vor einigen Monaten befürchtet haben", sagte VDR-Hauptgeschäftsführer Hans-Ingo Biehl dem "Handelsblatt".

Ausreizung der 26 Preisklassen

Vor allem auf den innerdeutschen Verbindungen ist die Lufthansa derzeit weitgehend allein unterwegs und kann die Nachfrage trotz des vereinzelten Einsatzes von Großraumflugzeugen wie der Boeing 747 kaum abdecken. Auf der Mittelstrecke sieht es etwas besser aus, weil hier auch Billigflieger und die jeweiligen nationalen Fluggesellschaften der Zielländer im Rennen sind.

Die höheren Preise im Lufthansa-Konzern seien allein durch die gestiegene Nachfrage entstanden, die ihrerseits auf das verkleinerte Angebot zurückzuführen sei, erklärt das Unternehmen. "Wir haben unsere Preisstruktur nicht verändert", betont eine Sprecherin.

Aber: Die Jets sind derzeit viel schneller ausgebucht, das nahezu vollautomatische Buchungssystem reizt die insgesamt 26 Preisklassen zügig aus und bittet die Kunden entsprechend zur Kasse. Schon im Oktober, als viele Passagiere bereits die dann am 27. Oktober abgewickelte Air Berlin gemieden haben, kletterte die Auslastung im Lufthansa-Konzern auf Rekordwerte.

Die Preisbildung funktioniert wie bei nahezu allen Airlines: Ist der Flugtermin noch weit entfernt und sind erst wenige Plätze verkauft, werden die Tickets günstig angeboten. Die letzten Plätze kurz vor Abflug werden hingegen nur noch zu Höchstpreisen abgegeben.

Status "ausverkauft"

Immer häufiger zeigen die Systeme der Lufthansa und ihrer Tochter Eurowings speziell für Inlandsflüge zu günstigen Tageszeiten nur noch den Status "ausverkauft" an. "Es leiden insbesondere die Unternehmen, die auf Flugverbindungen von dezentralen Airports abseits der großen Hubs angewiesen sind. Deren Situation hat sich in Bezug auf Ticket-Verfügbarkeit, Frequenz und Preis dramatisch verschlechtert", klagt VDR-Präsidiumsmitglied Christoph Carnier.

Seit gut zwei Wochen sind deutlich weniger Flieger am Himmel als vor der Air-Berlin-Pleite. Rund 80 der 140 rot-weißen Flugzeuge stehen am Boden, laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr fehlen jeden Tag rund 60.000 Sitzplätze. Weitere Abhilfe sei erst nach einer positiven Kartell-Entscheidung der EU-Kommission zu erwarten.

1000 zusätzliche Flüge pro Monat soll dann allein die Tochter Eurowings anbieten, sofern sie denn bis dahin ausreichend Crews angeworben hat. Mit einer Entscheidung aus Brüssel noch in diesem Jahr wird es allerdings nur etwas, wenn die Kommission auf eine vertiefte Prüfung des Air-Berlin-Deals verzichtet.

Auch kleine Anbieter wie Germania, Condor, Sundair oder die griechische Aegean stocken ihre Flotten auf. Der zweite Air-Berlin-Käufer Easyjet will nach der Brüsseler Entscheidung nach und nach die erworbenen Kapazitäten in den Markt bringen.

Neue Angebote für innerdeutsche Rennstrecken

Wegen der komplexen Formalien bei der Übernahme der Flugzeuge und des Personals wollen sich die Briten dabei bis September 2018 Zeit nehmen. Mit der Gewerkschaft Verdi verabredeten sie dazu sogar Übergangsgelder für das Personal der Air Berlin, das noch länger auf seinen Einsatz unter neuer Flagge warten muss.

Auf welchen Strecken und zu welchen Terminen die Londoner die bis zu 25 Jets einsetzen wollen, haben sie bislang nicht kommuniziert. Erwartet wird aber schon aus kartellrechtlichen Gründen ein Angebot auf den aktuell so überbuchten innerdeutschen Rennstrecken wie Frankfurt-Berlin, Berlin-München oder Düsseldorf-München.

Ausgerechnet auf diesen Verbindungen hat nun auch die Lufthansa-Tochter Eurowings neue Angebote ab 2018 angekündigt. Das kann Spielmaterial für die Kartellprüfung sein oder tatsächlich die Hoffnung auf wieder sinkende Ticketpreise schüren.

VDR-Mann Carnier wünscht sich daher eine schnelle Entscheidung: "Die Europäische Kommission und die zuständigen Kartellbehörden sollten den Antrag der Lufthansa auf Teilübernahme der Air Berlin im Sinne des Wettbewerbs Strecke für Strecke sehr genau prüfen - ohne jedoch das Verfahren unnötig in die Länge zu ziehen."

Christian Ebner, dpa

insgesamt 34 Beiträge
tekau 14.11.2017
1. Gott sei Dank
Flüge sind viel zu billig. Ständig wird am Verkehr rumkritisiert,aber die tausende Flüge täglich sind seltsamerweise nie Thema bezüglich des Umweltschutzes. Super Lobby, oder? Muß wirklich jeder für 30.- Euro nach Londom [...]
Flüge sind viel zu billig. Ständig wird am Verkehr rumkritisiert,aber die tausende Flüge täglich sind seltsamerweise nie Thema bezüglich des Umweltschutzes. Super Lobby, oder? Muß wirklich jeder für 30.- Euro nach Londom oder so? Ich finde das krank
J. Hotzenplotz 14.11.2017
2. Ist doch super!
Daß man mit den billigen AB Tickets nicht kostendeckend arbeiten könnte, zeigt doch das eigentlich Problem bestens auf, oder? Teure Tickets sind auch für die Umwelt besser: weniger fliegen und weniger [...]
Daß man mit den billigen AB Tickets nicht kostendeckend arbeiten könnte, zeigt doch das eigentlich Problem bestens auf, oder? Teure Tickets sind auch für die Umwelt besser: weniger fliegen und weniger Billigflieger/Airbnb/Rollkoffer-Wochenendtouris in so einigen Destinations...herrlich!
rgsf 14.11.2017
3. Das ist VWL/BWL erstes Semester!
Ich und viele andere haben das von Anfang an vorhergesagt. Das Beispiel Airlines und Preise (inkl. unerlaubter Absprechen), Wettbewerb oder Mangel desselben wird seit Jahrzehnten! an Unis der Welt gelehrt. Aber Freund Dobrindt [...]
Ich und viele andere haben das von Anfang an vorhergesagt. Das Beispiel Airlines und Preise (inkl. unerlaubter Absprechen), Wettbewerb oder Mangel desselben wird seit Jahrzehnten! an Unis der Welt gelehrt. Aber Freund Dobrindt verkauft dem deutschen Michel „Deutsche Champions“. Der vergoldet sich jetzt schon seinen Lobbyistenjob für nach der Politkarriere. Und wir zahlen!
Rheinlandpragmatiker 14.11.2017
4. Eine kurze Atempause für die Umwelt
Es wäre ja zu schön, wenn das dauerhaft so bliebe.
Es wäre ja zu schön, wenn das dauerhaft so bliebe.
SozLib 14.11.2017
5. Seltsam
Also ich kann nur sagen, das der Ticketpreis MUC-HH wenn man 8 Wochen vorausbucht nur bei ca. 60% des alten Preises liegt. Und nein, Ticketpreise sind nicht zu teuer. Es gibt Unmengen Menschen die wöchentlich zwischen großen [...]
Also ich kann nur sagen, das der Ticketpreis MUC-HH wenn man 8 Wochen vorausbucht nur bei ca. 60% des alten Preises liegt. Und nein, Ticketpreise sind nicht zu teuer. Es gibt Unmengen Menschen die wöchentlich zwischen großen Städten pendeln. Fliegen ist immer noch umweltschonender als Auto und wer sich mal 6 Stunden in einen ICE zwischen brüllende Kindern, chipsfressende Teenagern und gröhlende Fussballfans gequetscht hat (bei Preisen die man nichtmal in der Businessclass zahlt) wird weiter fliegen. Es sind auf meiner Stunde 12 Stunden Lebenszeit die ich nicht der deutschen Bahn opfern werde.

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