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11.05.2005
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Beruf Stewardess

Maloche über den Wolken

"Düse", "Streifenhörnchen", "Saftschubse": Trotz solch flapsiger Ausdrücke gehört der Job der Flugbegleiterin noch immer zu den Traumjobs junger Frauen. Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Inzwischen sind die Damen sogar gegen pöbelnde Fluggäste gefeit - mit einem Selbstverteidigungskurs.

Berlin - Zu den Traumzielen nach New York, Rio, Tokio fliegen und dabei Geld verdienen - das ist seit 75 Jahren für viele junge Frauen eine reizvolle Perspektive. "Das Image von Flugbegleiterinnen bewegt sich zwischen Globetrotterin, Glamourgirl und 'Kellnerin im Jet'", sagt Ariane Bentner, Ex-Stewardess und Buchautorin.

Am 15. Mai 1930 begleiteten erstmals Stewardessen einen Flug der "Boeing Air Transport", eine Tochter der United Airlines. Damals flogen die Maschinen noch deutlich unruhiger, und die häufig luftkranken Passagiere waren froh, wenn sie von Flugbegleiterinnen betreut wurden: alle ausgebildete Krankenschwestern. Ellen Church war die erste in der Berufsgruppe der "Sky Girls". Als "Pionierinnen der Globalisierung" bezeichnet sie die heutige Management-Trainerin Bentner.

In Deutschland gab es zwar schon am 29. April 1928 auf der Route Berlin-Paris einen männlichen Flugbegleiter. Doch schnell erwies sich der Job als weibliche Domäne. "Die fliegenden Mädchen von Berlin-Tempelhof" wurden die Stewardessen im Volksmund bald genannt. Bis heute geben die Frauen bei den Flugbegleitern den Ton an. "Von gut 20.000 sind knapp ein Fünftel Männer", sagt Mirco A. Vorwerk, Vorsitzender von UFO, der "Unabhängigen Flugbegleiter Organisation".

Kaum noch Zeit für traumhafte Landeaufenthalte

Kein Traumberuf kommt ohne Klischees aus. Die Palette der nicht immer ganz nett gemeinten Kosenamen zeigt, dass Stewardessen die Phantasie beflügeln: Vom flapsigen "Düse" über "Streifenhörnchen" (die es auf die Piloten abgesehen haben) bis zum despektierlichen "Saftschubse" - über die Damen im Kabinengang wird viel spekuliert. "Auch wenn jedes Klischee einen Kern an Wahrheit sagt", wie Bentner augenzwinkernd verrät. "Wer Spaß am Umgang mit Menschen hat, Reisen liebt und unabhängig leben will, hat beste Voraussetzungen als Flugbegleiter."

Allerdings hat sich das Arbeitsumfeld auch in der Luft vor allem in den vergangenen 20 Jahren erheblich verändert. "Für traumhafte Landeaufenthalte ist kaum noch Zeit. Früher konnte man sich in Rio zwischen zwei Flügen an den Stand legen oder in New York ausgedehnt shoppen gehen", sagt Bentner, die in den Siebzigern und Achtzigern viele Jahre bei der Deutschen Lufthansa gearbeitet hat. Heute bestimmten vor allem bei den Billigfliegern Massenabfertigung und Zeitdruck das Bild. Und: "Abflugzeiten um 4.30 Uhr gab es früher auch nicht."

Auseinandersetzungen mit pöbelnden Passagieren

Auch das schlechter werdende Benehmen vieler Passagiere mit Pöbeleien und Handgreiflichkeiten gegen das Personal steigere den Stress. "Der Alkoholkonsum im Flugzeug setzt die Hemmschwelle bei vielen herab, und das Anspruchsdenken ist gestiegen", so Bentner. "Die Fluggesellschaften haben inzwischen eigene Richtlinien für 'unruly behaviour' (ungebührliches Benehmen) der Passagiere", bestätigt UFO-Chef Vorwerk. Dazu gehören mittlerweile auch Selbstverteidigungskurse.

Dennoch zählt Stewardess ungebrochen zu den Traumberufen junger Frauen. Nach Designerin (35 Prozent), Ärztin (27 Prozent) und Journalistin (25 Prozent) wünschen sich 22 Prozent immer noch, als Flugbegleiterin zu arbeiten, ergab vor einigen Jahren eine Allensbach-Umfrage. Und der Bedarf steigt: "Es gibt ein jährlich prognostiziertes Wachstum von drei bis fünf Prozent", rechnet Vorwerk vor. "In kaum einem Beruf lernt man in so kurzer Zeit, so intensiv mit Menschen aus gänzlich verschiedenen Kulturen umzugehen", versichert die Autorin.

Peter Leveringhaus, ddp

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