28.03.2007
Klischees im Orient
Typisch deutsch
Von Moritz Behrendt und Kamila KlepackiWenn Deutsche im Orient unterwegs sind, prahlen sie nicht mit ihrem Dichter- und Denkertum, mit ihrer Pünktlichkeit und ihrem Fleiß. Umso größer ist der Schrecken, wenn sie von fremdem Völkern hemmungslos auf die ewig gleichen Schlagworte reduziert werden: Mercedes, Klinsmann, Hakenkreuz. Da hilft nur eins: bierernst dagegenhalten. Und beweisen, es gibt auch andere Klischee-Teutonen. "zenith" greift in die Schublade und präsentiert die schillerndsten Vertreter deutscher Tugenden zwischen Bagdad und Bamako.
Erstes Klischee: Der Bildungsreisende
In den Sechzigern hat er mit der Bibel unterm Arm das Heilige Land bereist. Heute ist der pensionierte Studienrat Gasthörer an der Universität und besucht Vorlesungen über alte Philosophen und Steine – die Ursprünge unserer Kultur. Nun hat es ihm Ägypten besonders angetan. Zwei Wochen Nilkreuzfahrt mit Vollpension, Tal der Könige, Luxor und Pyramiden.
Seine Reiselektüre: die Grammatik des Mittelägyptischen, der Baedeker Reiseführer "Ägypten" von 1978 und zur Entspannung Cerams Klassiker "Götter, Gräber und Gelehrte" in der Originalausgabe.
Unter der erbarmungslosen Sonne Ägyptens lauscht er dem Vortrag des Reiseführers und kaut dabei abwesend am Brillenbügel. Mit seinen profunden Kenntnissen hilft er ihm auch mal aus der Patsche.
Meist geht er aber seine eigenen Wege, rezitiert halblaut die zehn biblischen Plagen oder übersetzt einem netten Japaner eine Wandinschrift ins Denglische – mit lebenden Sprachen tat er sich schon immer etwas schwer. Furchtlos wagt er sich immer tiefer in das Labyrinth von Tempeln und Gräbern. Vielleicht macht er ja hier endlich einen bedeutenden archäologischen Fund.
"Es heißt die fünf Bücher Mose, nicht Moses!"