Lade Daten...
07.04.2011
Schrift:
-
+

Reisebücher mit Biss

Geschmack des Fernwehs

Von Antje Blinda
Reise-Koch-Bücher: Rezepte für Fernweh
Fotos
Echtzeit Verlag

Was isst ein Vegetarier bloß in Südchina? Was liebt Jamie Oliver an Schweden und was treibt einen Gourmet nach London? Drei besondere Kochbücher nehmen ihre Leser mit auf kulinarische Ausflüge über die Grenzen - und wecken durch Fotos und Illustrationen den Appetit aufs Reisen.

"Reisen und Essen sind Geschwister", schreibt Christian Seiler in seinem gerade erschienenem Buch "Reise zum Geschmack" - und gibt das Motto für diese Zusammenstellung besonderer Kochbücher vor: Rezepte sollen sie enthalten, das schon, aber sie sollen auch in Wort und Bild von den Regionen der Welt erzählen, aus denen ihre Kochanleitungen stammen und so Appetit auf die Fremde machen - oder Erinnerungen schmeckbar machen.

Ist doch der Duft und der Geschmack der Speisen untrennbar mit dem Augenblick des Genießens verwoben: Wer den Koriandergeruch einer Tom-Ka-Gai-Suppe inhaliert, wird sich vielleicht an den lauen, schwülen Wind am thailändischen Strand erinnern, an den Sand zwischen den Zehen und das Palmenrauschen. Wer den Sesamhauch der arabischen Baba-Ganoush-Paste wahrnimmt, wird den Ruf der Muezzin wieder im Ohr haben. Und wem der Essigduft von Fish 'n' Chips in der Nase beißt, der fühlt sich an den Trafalgar Square versetzt.

Drei Werke machen den Anfang einer kleinen Serie über die schönsten Koch-Reise-Bücher, und die Autoren nehmen ihre Leser mit um den Globus: Christian Seiler und Jamie Oliver vorwiegend in europäische Länder, Chris und Carolyn Caldicott bis in die hintersten Ecken der Welt.

Wie schmeckt's wirklich?: Christian Seilers "Reise zum Geschmack"

Christian Seiler, Wiener Kulturjournalist mit entschiedenem Hang zum Gourmet, hat sich von Stockholm bis Sardinien, von Lissabon bis London durchgefuttert, pardon, durchgekostet. In zwölf Kolumnen spürt er landestypischen Gerichten in Europa nach, lässt sich durch eine Anzahl bester Restaurants treiben und testet sich durch skurrile Speisen wie Weißweinbeuschel in Wien und Geröstetes Knochenmark in London.

Ganz nebenbei erweckt er sogar Lebensmittel zum Leben: "Der Ofen atmet tief ein. Die Pizza spannt ihre Muskeln an. Die Mozzarella schwitzt" - so beschreibt Seiler den Entstehungsprozess der Urpizza, der Margherita, an ihrem Geburtsort Neapel.

Nicht immer enthalten seine launigen Ausführungen wie im Klappentext versprochen ein Rezept, und wenn doch, dann ist es nicht gesagt, dass dieses zum Nachkochen geeignet ist (als Ausgleich führt Seiler im Anhang aber die Adressen der besuchten Restaurants auf). Etwa wenn Seiler selbst die "Rognons de veau à la moutarde" zu flambieren versucht und sich die "köstlich duftenden Nierenscheiben" in Leder verwandeln.

Spaß bringen die Episoden dennoch, auch gerade weil er die sonst oft so mühsam zu lesenden Restaurant- und Speisen-Beschreibungen mit viel Ironie und Sprachwitz garniert und in seinen Landesküchen-Porträts auch Nebendarsteller wie einen smarten Istanbuler Schuhputzer auf die Bühne lässt.

Nicht zuletzt tragen auch die naturalistisch-schrägen Illustrationen von Markus Roost zum Buchvergnügen bei. Der Schweizer lässt Ziegen wie Derwische tanzen und die Kleine Meerjungfrau auf Smörrebröd posieren, und bei ihm wird der Fisch gleich unter Wasser serviert. Eine Buchreise zum und mit viel Geschmack - vor allem aber für Menschen, die sich ebenfalls schon als Gourmets bezeichnen würden.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
1. °|°
Layer_8 07.04.2011
Manchmal kann man nur vegetarisch essen, nachdem man z.B. eine Pakistanische Metzgerei gesehen hat. Da hilft dann nur Rice&Dal(Linsencurry) plus Mangosaft/Lassi und Tee. Am besten ist ein Indisches Frühstück: Channa Bathura [...]
Zitat von sysopWas isst ein Vegetarier bloß in Südchina? Was liebt Jamie Oliver an Schweden und was treibt*einen Gourmet nach London?*Drei besondere Kochbücher nehmen ihre Leser mit auf kulinarische Ausflüge über die Grenzen*- und*wecken durch*Fotos und Illustrationen den Appetit aufs Reisen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,748179,00.html
Manchmal kann man nur vegetarisch essen, nachdem man z.B. eine Pakistanische Metzgerei gesehen hat. Da hilft dann nur Rice&Dal(Linsencurry) plus Mangosaft/Lassi und Tee. Am besten ist ein Indisches Frühstück: Channa Bathura = Kichererbsencurry mit frittiertem Brot plus eine Peperoni als Beilage. Oder ein ägyptisches Frühstück: Foul = Bohnenpürree mit gekochtem Ei und Fladenbrot, dazu Hibiskustee. Oder ein griechisches Frühstück: Joghurt mit Honig und Nüssen, dazu ein Frappé. Nur in Südostasien wird es schwerer mit dem Vegetariertum: Fischsuppe mit Reisnudeln zum Frühstück, dazu ein dünner Nescafé... Hachje, jetzt sitze ich in Berlin mit meinem täglichen Berliner Frühstück: Capuccino und ne Kippe... * seufz *

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Verwandte Themen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter RSS
alles zum Thema Bücher rund ums Reisen
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten