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11.04.2012
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Kursänderung der Gedenkfahrt

"Titanic"-Cruise mit Tücken

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Das Menü ist gleich und auch die Musik, und an Bord befindet sich die gleiche Anzahl an Passagieren wie auf der "Titanic": Auf ihrer Gedenkfahrt nimmt die "Balmoral" Kurs auf den Ort des Untergangs - allerdings plagen auch den modernen Luxusliner ein paar Schwierigkeiten.

London - Die "Titanic" steht einfach unter keinem guten Stern: Hundert Jahre nach dem Untergang des Luxusliners musste eine Erinnerungsfahrt des Kreuzfahrtschiffs "Balmoral" auf der Originalroute unterbrochen werden. Wegen der schweren Erkrankung eines Reisenden habe die "Balmoral" den Kurs ändern müssen, teilte die Reederei Fred. Olsen am Dienstagabend mit.

Das Schiff näherte sich bis auf 20 Seemeilen der irischen Küste, um in die Reichweite eines Hubschraubers zu kommen. Der Patient - ein 56-jähriger Kameramann des Fernsehsenders BBC - wurde am Abend per Helikopter vom Schiff abgeholt und in ein Krankenhaus gebracht. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme auf Anraten eines Arztes an Bord.

Das Schiff setzte noch am Abend seine Fahrt wie geplant in Richtung New York fort, hieß es. Es soll trotz der Verzögerung rechtzeitig zu den geplanten Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des "Titanic"-Unglücks an der Stelle im Atlantik eintreffen, an dem der Luxusliner in der Nacht zum 15. April 1912 sank.

Die 1988 in der deutsche Meyer Werft gebaute "Balmoral" war schon bei der Ankunft in ihrem letzten Hafen vor der Atlantik-Überquerung im irischen Cobh um über zwei Stunden verspätet. Hoher Wellengang und heftiger Sturm hatten das Vorankommen erschwert.

Menü von der Original-Speisekarte

Das Schiff hat am 8. April in Southampton abgelegt - wie seinerzeit die "Titanic". Viele der Passagiere waren entsprechend der Mode von 1912 gekleidet. Die "Balmoral" wird von Fred. Olsen Cruise Lines betrieben, deren Mutterunternehmen, Harland and Wolff, die "Titanic" in Belfast baute. In der nordirischen Stadt wurde vor kurzem die größte "Titanic"-Ausstellung der Welt eröffnet, in einem eigens errichteten Gebäude.

Die Organisatoren der Kreuzfahrt versuchen, die damalige Atmosphäre an Bord - ohne den Untergang - erlebbar zu machen. Während der Reise sind Vorträge von "Titanic"-Experten geplant, ein Orchester spielt Musik aus der damaligen Zeit, auch die Mahlzeiten sind auf die Original-Speisekarte abgestimmt. Und an Bord sind 1309 Passagiere - genauso viele wie einst auf der "Titanic", heißt es vom Veranstalter.

Menschen aus 28 Ländern haben die Fahrt nach Angaben der Organisatoren gebucht, zu Preisen zwischen 2799 und 5995 Pfund (3396 und 7274 Euro). Der als Gentleman der Edwardischen Epoche gekleidete, 37-jährige Graham Free sagte begeistert, bevor er an Bord ging: "Ich bin 'Titanic'-Fan, seit ich neun Jahre alt war, und näher als auf dieser Kreuzfahrt komme ich ihr nie."

Gedenkgottesdienst über dem Wrack

Zu den Mitfahrern gehören neben "Titanic"-Fans auch Nachfahren der mehr als 1500 Opfer sowie der rund 700 Überlebenden des Schiffsunglücks. Sie verteidigten die Reise gegen Vorwürfe, sie sei makaber. "Ich finde es sehr schön, genau hundert Jahre nach seinem Tod am Grab meines Ur-Großvaters sein zu können", sagte Susie Millar, Urenkelin eines Miterbauers der "Titanic". Philip Littlejohn, dessen Großvater Alexander James Littlejohn das Unglück überlebte, sagte, dieser wäre sicherlich stolz, wenn er wüsste, dass die Passagiere der "Balmoral" an seiner Geschichte Anteil nehmen würden.

Ein weiteres Erinnerungsschiff sticht von New York aus in See, um das britische Schiff am Fundort des Wracks zu treffen. Dort - über der in knapp vier Kilometer Tiefe liegenden "Titanic" - soll in der Nacht vom 14. zum 15. April eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Katastrophe abgehalten werden. Die "Balmoral" wird dann nach New York weiterreisen und auch das kanadische Halifax ansteuern. Auf dem Friedhof der Stadt sind zahlreiche "Titanic"-Opfer beerdigt worden.

abl/dpa/dapd

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