22.05.2012
Bodensee ohne Neoprenanzug
Kälte zwingt Extremschwimmer zum Aufgeben
Konstanz/Hagnau - Die Wellen zu hoch, das Wasser zu kalt: Der Extremschwimmer Bruno Dobelmann hat seinen Rekordversuch, den Bodensee längs ohne Neoprenanzug zu durchqueren, abgebrochen. Nach über zwölf Stunden im 13 Grad kalten Wasser gab er am frühen Dienstagmorgen um 2.19 Uhr auf. "Es waren starke Nierenschmerzen und die Einsicht, dass die Gesundheit vor Erfolg geht", sagte sein Manager Oliver Halder.
Zwölf Stunden und 15 Minuten hatte der Schwimmer durchgehalten und 27,7 der insgesamt 64 Kilometer ohne Pause zurückgelegt, bis er auf der Höhe von Hagnau (Bodenseekreis) aufgeben musste. Er habe starke Schmerzen gehabt und kein Wasser lassen können, sagte Halder. Begleitet wurde Dobelmann bei seinem Rekordversuch von dem Mediziner Beat Knechtle aus dem schweizerischen St. Gallen.
Zurück im Boot sollte der Rekordjäger zunächst wieder aufgewärmt werden. "Aus dem Orca ist ein tiefgekühltes Fischstäbchen geworden", sagte sein Manager in Anspielung auf Dobelmanns Spitznamen "Orca". Ausschlaggebend für das Scheitern sei nicht die Kondition, sondern die Temperatur gewesen. Ursprünglich wollte der Extremschwimmer am Dienstag gegen 14 Uhr in Bregenz ankommen. Dobelmann war nach eigenen Angaben der Erste, der sich ohne den schützenden Neoprenanzug an die Strecke gewagt hatte.
Mit einer dicken Schicht Vaseline auf dem Körper war er am Montag im Strandbad in Bodman (Kreis Konstanz) ins Wasser gestiegen. Nach rund einem Viertel der Strecke, machte ihm am Abend ein schweres Gewitter zu schaffen. Durch die knapp 50 Zentimeter hohen Wellen musste der Sportler die Schlagzahl reduzieren. "Da haben wir Federn gelassen", sagte Halder. "Das hat auch psychisch und mental eine Rolle gespielt." Zuletzt habe Dobelmann rund eine halbe bis dreiviertel Stunde hinter dem Zeitplan gelegen.
Dobelmann hat bereits zahlreiche Freigewässer durchschwommen, die 64 Kilometer durch den Bodensee sind die bislang längste offizielle Strecke. 50 Kilometer hatte der stämmige Stuttgarter bei seiner Doppelquerung des Fehmarnbelts zwischen Deutschland und Dänemark zurückgelegt, dafür benötigte er rund 19 Stunden. Auch den Ärmelkanal hat er als Teil einer Fünferstaffel bereits durchschwommen. Ein Testschwimmen Anfang April im Bodensee brach er nach sechs Stunden ab.
Nach dem gescheiterten Rekordversuch im Bodensee ist Dobelmann laut seinem Manager enttäuscht, aber gefasst. "Natürlich ist er schlecht drauf, aber da muss man Vernunft walten lassen", sagte Halder. Ein erneuter Rekordversuch sei nicht ausgeschlossen: "Sicherlich nicht in den nächsten Tagen. Aber sag niemals nie."
jus/dpa/dapd

