22.07.2012
Hamburg-Köln-Express
Privat-Schnellzug vor dem Start
Hamburg-Köln-Express: Ab 20 Euro pro Strecke - Nostalgie inklusive
Hamburg - Die Deutsche Bahn bekommt an diesem Montag einen neuen Konkurrenten im Fernverkehr. Der Hamburg-Köln-Express (HKX) fährt mindestens einmal am Tag von der Elbe an den Rhein und zurück. Um 6.35 Uhr startet der HKX in Hamburg-Altona. Zurück geht's von Köln um 12.01 Uhr. Von Donnerstag bis Sonntag verkehren weitere Züge.
Der Zug fährt unter anderem über Essen, Gelsenkirchen und Münster, hält aber nicht in Bremen. Die HKX-Betreiber werben mit "Fahrzeiten so schnell wie der IC" und günstigen Preisen. Die Fahrkarten werden über das Internet verkauft. Zum Start kostet die einfache Fahrt inklusive Reservierung zwischen 20 und 60 Euro für die ganze Strecke. Ob es 20 Euro, 50 Euro oder 60 Euro sind, hängt davon ab, für welchen Tag man bucht. Wer nur einen Teil der Strecke fährt, ist laut Werbung ab 5 Cent pro Kilometer dabei.
In Deutschland hat die Bahn zwar in vielen Regionen Konkurrenten im Nahverkehr. Wettbewerb auf einer Fernstrecke gibt es bisher aber nur auf der Route Leipzig-Rostock. Verkehrswissenschaftler Daniel Krimphoff von der Uni Münster hält die Verbindung Köln-Hamburg sehr gut geeignet für einen Angriff auf die bundeseigene Deutsche Bahn: "Es ist eine Strecke mit einer extrem hohen Auslastung." Außerdem sei es keine Hochgeschwindigkeitstrasse. Eine solche wäre ein K.o.-Kriterium, denn der Betrieb von ICE-Zügen sei für Neueinsteiger nicht zu finanzieren. Die Zielgruppe des HKX seien wahrscheinlich zunächst eher Studenten, Wochenpendler und Familien, erwartet Krimphoff. Geschäftsreisende bräuchten Züge mit festem Stundentakt.
Hinter HKX stehen die US-Firma Railroad Development Corporation, die Berliner Firma locomore rail und der aus Kanada stammende Investor Michael Schabas. Die Deutsche Bahn reagierte zum Start gelassen auf den Nebenbuhler. Man sei darauf eingestellt, dass Wettbewerb "der Regelfall" sei, sagte eine Sprecherin in Berlin. "Im Regionalverkehr haben wir diesen seit über 15 Jahren und auch im Fernverkehr gibt es bereits Konkurrenz. Es ist gut, wenn unsere Kunden auch im Fernverkehr vergleichen können." Die DB beobachte den Wettbewerb aufmerksam, sei aber von ihren Angeboten überzeugt.
Gerade für die Strecke Hamburg-Köln ist das eine ziemlich mutige Aussage, denn in dieser Relation setzt die deutsche Bahn überwiegend Waggons ein, die mehrere Jahrzehnte alt sind und denen man ihr Alter auch deutlich ansieht. Nostalgisch wird es allerdings zunächst auch beim HKX zugehen: Ein modernisierter Zug ist noch nicht rechtzeitig einsatzbereit, deswegen rollt der Express zunächst mit plüschigen Intercity-Wagen aus den siebziger Jahren zum Einsatz. Immerhin - es handelt sich um ehemalige Wagen der ersten Klasse.
ric/dpa