03.08.2012
Italien
Sonnenschirm-Verleiher protestieren gegen EU-Richtlinie
Italienischer Strand: 12.000 Strandabschnitte sind inzwischen kostenpflichtig.
Rom/Hamburg - Tausende Pächter von Privatstränden in Italien haben am Freitag gegen eine neue EU-Direktive protestiert, die sie zur Geschäftsaufgabe zwingen könnte. Die Richtlinie der Europäischen Union sieht vor, dass ab 2016 die Lizenzen für Strandabschnitte in Versteigerungen neu und transparent vergeben werden sollen. An vielen der rund 30.000 privaten Strände, die etwa ein Viertel der Küste ausmachen, blieben die Sonnenschirme geschlossen.
Die Vermieter von Liegeplätzen, Betreiber von Strandrestaurants und Discos befürchten, dass die bevorstehende Auktion einen Investitionsstopp mit sich bringt und viele der 600.000 Saisonarbeiter ihren Job verlieren werden.
Es gehe nicht um eine Versteigerung der Strände, sondern ihrer Unternehmen, sagte Fabrizio Fumagalli, Manager der Med-Strandanlage in Ostia nahe Rom. "Alles, was hier zu sehen ist, habe ich selbst unter vielen Opfern und in vielen Jahren aufgebaut", sagte er. Er könne nicht einfach woanders hingehen und dort einen Laden aufmachen.
Die meisten Italiener haben sich damit abgefunden, vielerorts für das Baden am Strand bezahlen zu müssen: 12.000 Strandabschnitte sind in Italien inzwischen kostenpflichtig. Viele sehen darin den Vorteil, dass die privat betriebenen Strände im Vergleich zu den öffentlichen Stränden deutlich sauberer sind. Dagegen formiert sich aber zunehmend Widerstand. In Neapel etwa begannen Bürger mit der Einrichtung eines öffentlichen Strandes auf einem verlassenen Industriegelände.
jus/AFP