18.11.2012
Luftfahrt-Studie
Jeder dritte Pilot schon mal im Cockpit eingeschlafen
Berlin - Sie gehen an Bord, obwohl sie zu müde sind: Nach einer Studie der European Cockpit Association (ECA) ist jeder dritte Pilot in Europa schon einmal ohne Absprache mit seinem Co-Piloten während eines Fluges eingeschlafen. Das berichtet die "Bild am Sonntag".
Die ECA hat die Ergebnisse ihrer Befragung von 6000 Piloten aus ganz Europa zusammenfasst. Beunruhigend ist auch, dass in Deutschland 92 Prozent der Piloten angaben, dass sie schon einmal Dienst getan hätten, obwohl sie zu müde zum Fliegen waren. Vier von fünf Piloten in Deutschland sagten gar, dass sie schon einmal wegen Übermüdung Fehler gemacht hätten.
Erst vor wenigen Wochen hat die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) die Flugdienstzeiten als gefährlich eingestuft: Mehr als zehn Stunden lange Flugdienste in der Nacht würden laut Wissenschaftlern zu Ermüdungserscheinungen führen, sagte Cockpit-Präsident Ilja Schulz.
Demnach würden die Vorschläge der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (Easa) zur Änderung der EU-Regeln 11, in Ausnahmefällen auch 12 bis 13 Stunden erlauben. Das sei eine "Gefahr für die Flugsicherheit", so Schulz. Die Easa sieht 14 Stunden als Höchstgrenze bei Kurzflügen und elf Stunden bei Nachtflügen vor.
Bis 2015 sollen die neuen Regeln umgesetzt werden
"Statt der Sicherheit der Menschen oberste Priorität einzuräumen, setzt man sie bewusst vermeidbaren Risiken aus", sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg und warf der Behörde vor, die Sicherheit im Luftverkehr wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen.
Die Flugsicherheitsbehörde argumentierte, es seien zahlreiche wissenschaftliche Studien analysiert worden und alle betroffenen Gruppen angehört worden. Die zulässigen Arbeitszeiten wurden für die Länge der Strecke und die Anfangszeit differenziert. Die neuen Regeln sollen Mitte 2013 in das EU-Recht aufgenommen und bis Ende 2015 umgesetzt werden.
Bereits im vergangenen Jahr kam eine Studie der US-Flugsicherheitsbehörde zu diesem Ergebnis: Viele Piloten moderner Linienmaschinen sind derart an automatische Systeme gewöhnt, dass sie immer weniger von der klassischen Fliegerei verstehen - was dem Bericht zufolge bereits mehrere Abstürze verursacht haben soll.
jjc/dapd