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23.11.2012
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Umstrittene Kontrollen

Frankfurter Flughafen setzt Körperscanner ein

DPA

Neue Körperscanner in Frankfurt: Datenschützer wollen Betrieb "kritisch begleiten"

Am Frankfurter Flughafen sind ab sofort die umstrittenen Körperscanner im Einsatz. Die Geräte werden im normalen Betrieb benutzt, um Passagiere vor Flügen in die USA zu kontrollieren. Die können allerdings selbst entscheiden, ob sie sich durchleuchten lassen.

Hamburg - Beim Praxistest am Hamburger Flughafen haben die sogenannten Nacktscanner versagt. Doch nun startet die Bundespolizei einen zweiten Versuch mit der umstrittenen Technik. Der Frankfurter Flughafen setzt die Körperscanner als erster deutscher Airport im normalen Betrieb ein. Dabei handelt es sich um weiterentwickelte Geräte, die ab heute im Einsatz sind.

"Wir sind die Ersten, die die Körperscanner der neuen Generation verwenden", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Die neuen Geräte zeigten keine Körperbilder, sondern markierten an einem Piktogramm die zu kontrollierenden Körperteile. "Die Geräte arbeiten mit aktiver Millimeterwellentechnologie, welche keine gesundheitlichen Auswirkungen hat."

Die Scanner fertigten außerdem keine realistischen Körperbilder an, betonte die Bundespolizei. In den Medien waren die Geräte anfangs auch als "Nacktscanner" bezeichnet worden, was Befürchtungen hinsichtlich des Persönlichkeits- und Datenschutzes genährt hatte. Mit den in Deutschland getesteten und nun eingesetzten Modellen ist es laut Bundespolizei unmöglich, wirklichkeitsgetreue Bilder zu erzeugen.

Körperscanner sind nach EU-Recht für die Sicherheitskontrollen im Luftverkehr zugelassen. Wegen der höheren Sicherheitsanforderungen sollen sie den Angaben zufolge zunächst bei Flügen in die USA eingesetzt werden.

Es handle sich "grundsätzlich nicht um einen erneuten Testbetrieb", betonte ein Sprecher der Bundespolizei. Nach EU-Bestimmungen dürfen Passagiere nicht dazu gezwungen werden, durch einen Körperscanner zu laufen. Die Alternative sei dann eine manuelle Kontrolle, sagte der Sprecher der Bundespolizei, Christian Altenhofen.

"Geräte weisen jetzt eine deutlich geringere Fehlerquote auf"

Von September 2010 bis Juli 2011 waren Körperscanner in Hamburg über einen Zeitraum von zehn Monaten erprobt worden - doch sie sorgten nicht für mehr Sicherheit, sondern für lange Schlangen am Flughafen. Rund 809.000 Passagiere ließen sich während der Testphase durchleuchten. Dabei war es häufig zum Fehlalarm gekommen, was den Geräten der ersten Generation heftige Kritik einbrachte. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) entschied anschließend, es sei für einen flächendeckenden Einsatz zu früh.

Als Grund für die hohe Alarmquote gab das Bundesinnenministerium "Eigenschaften der Kleidung (wie z.B. Faltenwurf)" an. Konkret heißt das: Die Scanner konnten Bügelfalten nicht als solche erkennen und meldeten eine Gefahr. Auch Manschettenknöpfe und Schweißflecken konnten die Scanner nicht von einem Sicherheitsrisiko unterscheiden.

"Noch in diesem Jahr beabsichtigen wir an mindestens einem großen deutschen Flughafen, die Tests mit zwei oder drei Körperscannern fortzusetzen", sagte Bundespolizeipräsident Dieter Romann, 50, Anfang November in einem Interview mit dem SPIEGEL. Die Geräte seien erfolgreich weiterentwickelt worden und "weisen jetzt eine deutlich geringere Fehlerquote auf".

Körperkonturen dürfen nicht erkennbar sein

Die Geräte verfügten über eine neue, bessere Software, die nicht mehr zu den in Hamburg festgestellten Probleme führe, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Markus Beyer, in Berlin. Die Scanner kämen bei der zweiten Kontrolle direkt am Gate zum Einsatz. Über eine Ausweitung ihres Einsatzes auf andere Flugziele sei noch nicht entschieden.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kündigte indessen an, den Betrieb der Körperscanner in Frankfurt "kritisch zu begleiten" und auf die Einhaltung der vom Bundesinnenministerium gegebenen Zusagen hinsichtlich des Datenschutzes zu achten. Es müsse sichergestellt sein, dass die Geräte weder individuelle Körperkonturen noch Geschlechtsmerkmale oder künstliche Körperteile darstellten. Auch dürften die Daten nicht gespeichert werden.

Nach einem vereitelten Terroranschlag am 25. Dezember 2009 über Detroit war in Deutschland eine heftige Debatte über Flugsicherheit entbrannt. Ein Mann hatte an Bord einer US-Maschine versucht, das Flugzeug mit einem Gemisch aus Pulver und Flüssigkeit zu sprengen. Die üblichen Sicherheitsschleusen mit Metalldetektoren finden solche Stoffe nicht. Im Gegensatz dazu entdeckten Körperscanner mit hoher Treffsicherheit versteckte Keramikmesser und flüssige oder pulverförmige Sprengstoffe, hieß es aus dem Bundesinnenministerium. Die Behörden sehen in der neuen Technik einen Sicherheitsgewinn.

jus/dpa/AFP

Forum

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insgesamt 24 Beiträge
1. was eine Anstellerei...
kerckhofs 23.11.2012
Ich verstehe die Aufregung zu Körperscannern nicht. Das ich ein Mann bin sieht man auch so, und wie die dazugehörigen Geschlechtsmerkmale aussehen kann sich auch jeder denken. Ich lasse mich jedenfalls lieber berührungslos [...]
Ich verstehe die Aufregung zu Körperscannern nicht. Das ich ein Mann bin sieht man auch so, und wie die dazugehörigen Geschlechtsmerkmale aussehen kann sich auch jeder denken. Ich lasse mich jedenfalls lieber berührungslos scannen als antatschen...
2. Gefährlich
allereber 23.11.2012
Bei ca.5 Untersuchungen erhöht sich die Krebsrate um das Zwölffache.
Bei ca.5 Untersuchungen erhöht sich die Krebsrate um das Zwölffache.
3. optional
joot 23.11.2012
Wenn die Körsperscanner denn was bringen würden (mehr Sicherheit oder schnellere Passagierabfertigung)... an allen Flughäfen, an denen ich sie bisher erlebt habe, kamen sie mir aber eher als Hindernis vor - und diverse Versuche [...]
Wenn die Körsperscanner denn was bringen würden (mehr Sicherheit oder schnellere Passagierabfertigung)... an allen Flughäfen, an denen ich sie bisher erlebt habe, kamen sie mir aber eher als Hindernis vor - und diverse Versuche haben ja wohl auch gezeigt, dass sich weiterhin gefährliche Stoffe und Gegenstände an Bord schmuggeln lassen. Ich ärgere mich nicht darüber, dass vielleicht irgendein Zöllner meinen Schniedel schemenhaft erkennen könnte, aber dass da Millionen für nichts in den Sand gesetzt werden. Die Hersteller der Körperscanner betreiben eine prima Lobby-Arbeit, das muss man ihnen lassen.
4. Wow da hat wohl ein Lobbyist seien Arbeit gemacht
NeueGedanken 23.11.2012
total unnötige Technik für Million von Euro an den Mann gebracht. Wenn das erstmal läuft werden unnötig Gelder verbraten für eine Technik die keiner haben will außer den Herstellern die damit dick Kohle machen. Wenn wundert [...]
total unnötige Technik für Million von Euro an den Mann gebracht. Wenn das erstmal läuft werden unnötig Gelder verbraten für eine Technik die keiner haben will außer den Herstellern die damit dick Kohle machen. Wenn wundert es da noch das ehemalige Politiker in Aufsichtsräten und Vorständen von Sicherheitsfirmen landen die damit Millionen machen.
5. ...
defortune 23.11.2012
...und dass wissen Sie woher? mein (humorvoll gemeinter) Beitrag hierzu hat leider die SPON-Zensur nicht geschafft. Jedenfalls bin ich gesund... Ob ich diese Scannerei jetzt o.k. finde ist allerdings ein anderes Thema und [...]
Zitat von allereberBei ca.5 Untersuchungen erhöht sich die Krebsrate um das Zwölffache.
...und dass wissen Sie woher? mein (humorvoll gemeinter) Beitrag hierzu hat leider die SPON-Zensur nicht geschafft. Jedenfalls bin ich gesund... Ob ich diese Scannerei jetzt o.k. finde ist allerdings ein anderes Thema und verweigern Sie mal die Scannerei: dann geht der Flieger erst einmal ohne Sie nach irgendwo...

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Nacktscanner

Was ist der Vorteil eines Nacktscanners?
Körperscanner sind Geräte, mit denen die Oberfläche des menschlichen Körpers unter der Kleidung abgebildet werden kann. So sollen versteckte Gegenstände sichtbar gemacht werden - etwa Sprengstoff oder sogenannte Nichtmetallwaffen wie Keramikmesser, die bei herkömmlichen Scannern unerkannt bleiben.
Wie funktioniert das Gerät?
REUTERS/ TSA

Für die Nacktscanner gibt es zwei technische Methoden: Röntgenstrahlen und die Terahertzstrahlen. Bei der Röntgenmethode ist die mittlere Gesamtstrahlenbelastung geringer als beim konventionellen Röntgen. Die dabei anfallende Strahlung entspricht nach Angaben der US-Flugsicherheitsbehörde TSA in etwa der Dosis, der ein Passagier innerhalb von zwei Minuten in einem Flugzeug auf Reiseflughöhe ausgesetzt ist.

Die Terahertzmethode setzt elektromagnetische Strahlung im Grenzbereich zwischen Infrarotlicht und Mikrowellenstrahlung ein. Die sogenannten T-Wellen sind Teil der natürlichen Wärmestrahlung. Bis vor wenigen Jahren waren diese technisch noch gar nicht zugänglich. Die Terahertzmethode wird untergliedert in eine aktive und eine passive Form. Bei der aktiven Methode scannt ein fokussierter Strahl den Körper ab und konstruiert aus der Rückstreuung ein Bild. Bei der passiven Methode wird nur die natürliche Wärmestrahlung des menschlichen Körpers erfasst, wodurch ein Bild ohne anatomische Details erzeugt wird. Im Vergleich zur Röntgenmethode ist die auf den menschlichen Körper wirkende Energie bei der aktiven Terahertzmethode wesentlich geringer, im Passivmodus wirkt sogar überhaupt keine Strahlenquelle auf den Körper.
Warum ist der Scanner umstritten?
Datenschützer halten den flächendeckenden Einsatz von Scannern für unverhältnismäßig. Besonders kritisiert wird an den Geräten, dass die erzeugten Nacktbilder die Privatsphäre oder sogar die Menschenwürde verletzen. Außerdem können die Scanner keine Substanzen oder Gegenstände erkennen, die in Körperöffnungen wie Mundhöhle, Gehörgang oder Rektum eingeführt wurden.
Wird der Körperscanner in Europa eingesetzt?
Sogenannte Nacktscanner werden in der EU bislang nur zu Testzwecken eingesetzt. Die EU-Kommission erklärte zwar im Herbst 2008, den Einsatz dieser Geräte an Flughäfen zulassen zu wollen, doch das Europaparlament stoppte das Vorhaben. In Deutschland begannen im Dezember 2008 Laborversuche bei der Bundespolizei, ab September 2010 sollen erste freiwillige Tests am Hamburger Flughafen stattfinden.

DPA

Eine neue Generation von Scannern wird derzeit in Amsterdam, London und Zürich getestet - ebenso wie in Moskau und US-amerikanischen Städten. Laut Experten sind diese Geräte vollkommen automatisiert. Die Scanbilder von unbekleideten Körpern bekommt - angeblich zumindest - kein anderer Mensch mehr zu sehen, sondern nur noch der Computer. Sobald dem Rechner an einem Körper etwas gefährlich erscheint, sendet er eine Warnmeldung.

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