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05.12.2012
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Marode Bauwerke

Eisenbahnbundesamt stellt Sicherheitsmängel an Brücken fest

DPA

Bauarbeiten an der Müngstener Brücke im Juli 2012: "Unmittelbare Sicherheitsmängel"

Jährlich fließen Steuermittel in Milliardenhöhe in das Streckennetz der Bahn, auch um Tausende Brücken in ganz Deutschland instand zu halten. Laut Konzern reicht das Geld nicht aus - und nun stellt auch das Eisenbahn-Bundesamt fest, dass viele Überführungen in schlechtem Zustand sind.

Hamburg - Sie sind oft über hundert Jahre alt, teilweise wahre Sehenswürdigkeiten - und einige auch marode: Die Deutsche Bahn hat ein milliardenschweres Problem mit ihren Brücken. Bei einem Viertel aller Überführungen stellte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) "unmittelbare Sicherheitsmängel" fest. Das ergab ein Prüfbericht der Behörde, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.

Ausgelöst hatte die Sonderprüfung die Bahn selbst, da sie vom Bund eine massive Aufstockung der Mittel für Ersatzinvestitionen verlangt. Als Begründung wird unter anderem der Zustand ihrer insgesamt 27.000 Brücken aufgeführt.

Das Eisenbahn-Bundesamt untersuchte daraufhin in einer Schwerpunktprüfung 256 Bauwerke direkt. Neben den Sicherheitsmängeln bezogen auf Stand-, Betriebs- oder Verkehrssicherheit wurden auch Akten zu den Anlagen geprüft, die ebenfalls in vielen Fällen lücken- oder fehlerhaft waren.

Obwohl DB Netz ein eigenes Sicherheitsmanagementsystem habe, seien "Mängel insbesondere in der Umsetzung der vorgegebenen Prozessabläufe festzustellen", kritisiert die Behörde. "Diese Aufsichtsergebnisse zeigen, dass die Eisenbahnaufsicht durch das EBA unverzichtbar ist."

Die Bahn-Tochter DB Netz bestätigte in einem Schreiben an das Verkehrsministerium die Mängel an den meisten untersuchten Brücken, betonte jedoch, dass "in keinem Fall eine akute Gefährdung des Eisenbahnbetriebs" vorhanden sei.

Investitionen in Schienen statt in Brücken

Die Bahn erhält bislang jährlich 2,5 Milliarden Euro aus Steuermitteln für Investitionen in das Netz inklusive der Brücken. Nach Angaben des Verkehrsministeriums seien davon fast 500 Millionen Euro für die Brücken berechnet worden. Dazu kommen 250 Millionen Euro für die regelmäßige Wartung, die das Unternehmen selbst tragen muss.

Die Bahn hatte dem Ministerium zufolge in den vergangenen drei Jahren aber jeweils immer weniger als 400 Millionen Euro eingesetzt. "Diese für die Substanzerhaltung erforderlichen Beträge wurden mithin in den vergangenen Jahren von der DB Netz AG insbesondere bei der Instandhaltung massiv unterschritten", heißt es in einem Schreiben des Verkehrsressorts, das an die Bahn ging und das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Doch das will die Bahn so nicht stehen lassen. Vom Bund seien keine Investitionshöhen für einzelne Infrastrukturbereiche wie beispielsweise Oberbau, Brücken oder Tunnel definiert worden, sagte ein Sprecher von DB Netz SPIEGEL ONLINE. "Wir haben die Mittel so eingesetzt, dass wir die vereinbarten Qualitätsstandards erfüllen können."

Aus Sicht des Verkehrsministeriums handelt es sich dabei um eine "massive Übererfüllung der bisherigen Qualitätsziele", aber eher beim "theoretischen Fahrzeitverlust" oder dem sogenannten Oberbau - darunter fallen Schienen, Schotter und Schwellen. Anstelle sich um die Brücken zu kümmern, habe die Bahn in unternehmerischer Eigenverantwortung andere Prioritäten gesetzt.

"Es ist dreist von der Bahn, zusätzliches Geld zu fordern"

Die Bahn hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren jeweils 1,4 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln in die Instandhaltung des Streckennetzes investiert. Gefordert gewesen sei eigentlich nur eine Milliarde Euro.

"Fakt ist, dass der Aufwand für die Brückenerneuerung in den nächsten Jahren zusätzliche Mittel in Millionenhöhe erfordern wird", sagte der Konzernsprecher. Dieses Thema sei Bestandteil der derzeit laufenden Verhandlungen zur Folgevereinbarung der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV) mit dem Bund.

Die Bahn verlangt vom Bund künftig 1,5 Milliarden Euro jährlich mehr für das Netz. Zudem soll in den kommenden beiden Jahren rund eine Milliarde Euro des Bundes für den Strecken-Neubau in das bestehende Netz investiert werden. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Toni Hofreiter, zeigte sich empört: "Es ist dreist von der Bahn, jetzt zusätzliches Geld zu fordern, wo sie jahrelang bei der Instandhaltung der Brücken geschlampt hat", sagte der Grünen-Politiker.

Das Bundesverkehrsministerium will in Zukunft genauer festlegen, wie viel Geld pro Jahr für Eisenbahnüberführungen ausgegeben werden soll. In dem Schreiben an die Bahn heißt es: Bei Brücken wolle man künftig Teilbudgets vorgeben, deren Einhaltung vom Infrastrukturwirtschaftsprüfer des Bundes geprüft werden könnten.

jus/Reuters

Forum

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insgesamt 15 Beiträge
1. optional
G111 05.12.2012
Tja Herr Hofreiter, was soll die DB denn tun? Die Brücken verfallen lassen? So ich den Artikel richtig verstanden habe, wurde in der Vergangenheit weniger ausgegeben als vom Bund zur Verfügung gestellt wurde, da auch ein Teil aus [...]
Tja Herr Hofreiter, was soll die DB denn tun? Die Brücken verfallen lassen? So ich den Artikel richtig verstanden habe, wurde in der Vergangenheit weniger ausgegeben als vom Bund zur Verfügung gestellt wurde, da auch ein Teil aus Eigenmittel in die Instandhaltung geflossen ist. Jetzt braucht sie das Geld, dass in der Vergangenheit nicht abgerufen wurde, wo ist also das Problem?
2. wieso
hanfiey 05.12.2012
wieso hat die Bahn die Netze und Bauwerke noch mal bekommen?
wieso hat die Bahn die Netze und Bauwerke noch mal bekommen?
3.
Stäffelesrutscher 05.12.2012
In diesem Zusammenhang nochmals ein herzliches Dankeschön an den Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie, der sich für diesen Posten dadurch qualifiziert hat, dass er in seiner Zeit als Bundesverkehrssminister aus der [...]
In diesem Zusammenhang nochmals ein herzliches Dankeschön an den Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie, der sich für diesen Posten dadurch qualifiziert hat, dass er in seiner Zeit als Bundesverkehrssminister aus der Deutschen Bundesbahn die Bahn AG gemacht hat. An jede Brücke und an jede Langsamfahrstelle sollte man ein entsprechendes Schild hängen.
4. mir geht die Galle hoch
NPicasso 05.12.2012
anstatt die Gelder,die sie vom Bund und von uns Fahrgästen bekommt für die Instandhaltung auszugeben, hatte die Bahn unter Grube es vorgezogen, 3 Milliarden Euro für den Ankauf von Arriva (inkl. Schuldenübernahme) zu tätigen. Ob [...]
anstatt die Gelder,die sie vom Bund und von uns Fahrgästen bekommt für die Instandhaltung auszugeben, hatte die Bahn unter Grube es vorgezogen, 3 Milliarden Euro für den Ankauf von Arriva (inkl. Schuldenübernahme) zu tätigen. Ob dabei in Deutschland wegen mangelhafter Wartung/Sanierung Menschenleben in Gefahr waren oder sind, vollkommen egal. Menschenverachtung pur. Zitat Grube: Cash in the däsh is the name of the game!
5. Es gab eine Zeit
felisconcolor 06.12.2012
da wollte die DB das Eisenbahnbundesamt ganz aus der Kontrolle drängen. Das könne man alles selbst besser und billiger. Dann hat man alles verkommen lassen und nun schreit man wieder nach dem Amt um noch mehr Geld ab zu [...]
Zitat von sysopJährlich fließen Steuermittel in Milliardenhöhe in das Streckennetz der Bahn, auch um Tausende Brücken in ganz Deutschland instand zu halten. Laut Konzern reicht das Geld nicht aus - und nun stellt auch das Eisenbahn-Bundesamt fest, dass viele Überführungen in schlechtem Zustand sind. Eisenbahn-Bundesamt stellt Sicherheitsmängel an Brücken fest - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/eisenbahn-bundesamt-stellt-sicherheitsmaengel-an-bruecken-fest-a-871155.html)
da wollte die DB das Eisenbahnbundesamt ganz aus der Kontrolle drängen. Das könne man alles selbst besser und billiger. Dann hat man alles verkommen lassen und nun schreit man wieder nach dem Amt um noch mehr Geld ab zu schöpfen. Das erinnert mich an einen vergangenen real existierenden Sozialismus.

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