06.12.2012
Neues Ticketkonzept
Germanwings bietet Business-Class an
Von Martin U. Müller
Germanwings startet durch: 2013 übernimmt der Billigflieger Flüge der Lufthansa
Es ist eine kleine deutsche Luftfahrt-Revolution: 2013 wird sich die Lufthansa aus dem Flächengeschäft in Deutschland verabschieden. Alle Verbindungen, die nicht nach Frankfurt oder München führen oder von dort starten, sollen von da an von der konzerneigenen Billigtochter Germanwings angeflogen werden.
Das ist bitter nötig, denn Lufthansa steckt auch und vor allem im sogenannten Direktverkehr in wirtschaftlich schwerem Fahrwasser. Weil aber "Billigtochter" so hart klingt, versucht die Lufthansa am Donnerstag in Köln bei einer Marketingveranstaltung Journalisten klarzumachen, dass es nicht unbedingt eine Verschlechterung sein muss. Nach SPIEGEL-Informationen ist das auch nicht ganz falsch. Zumindest dann, wenn man bereit ist, mehr zu bezahlen.
Wann genau welches Flugzeug von der Lufthansa-Flotte zu Germanwings wechseln wird, ist noch nicht ganz klar - 30 Maschinen sollen es werden; es gibt einen Marken-Relaunch, und wenn auch klein, wird die Konzernzugehörigkeit zur "Lufthansa" auf dem Rumpf deutlich gemacht. Klar ist aber: Das Ziel von Germanwings ist durchaus ambitioniert. So soll die Gesellschaft an den angeflogenen Flughäfen wie Hamburg, Berlin und Köln-Bonn in Deutschland Marktführer werden.
Business-Class-Komfort in den ersten Reihen
Das neue Preiskonzept für die Flugtickets folgt einem dreigeteilten Ansatz. Modell Nummer eins namens "Basic" soll bereits ab 33 Euro zu haben sein. Da ist kaum mehr als der Flug und Sammelmeilen inbegriffen, wer etwa Gepäck aufgeben möchte, zahlt extra. In der zweiten Preisstufe "Smart" sitzt man mit mehr Sitzabstand im vorderen Teil der Maschine, darf auch einen Koffer bis zu 23 Kilogramm aufgeben und wird verpflegt.
Im "Best"-Tarif - der dritten und hochwertigsten Preisstufe - passiert etwas für klassische Billigflieger Ungewöhnliches: Man sitzt in den ersten drei Reihen des Flugzeuges (mit größerer Beinfreiheit), darf zuerst einsteigen, hat einen garantiert geblockten Nachbarsitz, Essen und Trinken ist inklusive, und der Koffer kann kostenlos aufgegeben werden. Außerdem gibt es ein reserviertes Handgepäckfach, Catering á la carte mit einer Auswahl aus bis zu 30 Snacks, dazu Priority-Check-in und -Boarding und Lounge-Zugang. Kurz: Es ist quasi ein Business-Class-Tarif, ohne dass er so heißt.
Wann diese neuen Preismodelle tatsächlich umgesetzt werden können, hängt auch mit dem Umbauzeitpunkt der Lufthansa-Flugzeuge zusammen - da vor allem die Sitzabstände angepasst werden müssen.
Neuheit unter Billigfliegern
Die Vorteile der Business Class auf Kurzstrecken bei der klassischen Lufthansa sind schon heute sehr überschaubar. Die Sitze sind exakt gleich wie in der Economy Class, ebenso der Sitzabstand, nur der Mittelsitz ist geblockt. Das Catering ist von überschaubarem Wert. Kaltgetränke werden statt im Plastikbecher in einem Glas kredenzt, morgens gibt es statt Orangensaft aus dem Tetra-Pack einen Saft aus der Plastikflasche, der etwas frischer anmutet.
Setzt nun Lufthansa bei der Konzerntochter Germanwings ein solches Premium-Tarifmodell um, würde dies nicht nur mit der Doktrin bestehender Budgetflieger wie Easyjet, Ryanair oder Air Berlin brechen - eine Angebot für alle. "Das Alles-inklusive-Angebot klingt besser als die Lufthansa-Business-Class. Das ist eine Kampfansage", sagt ein Lufthanseat. Geschäftsreisende, die wegen ihrer Firmenvorschriften auf kurzen Strecken nicht Business Class fliegen dürfen, könnten den flexiblen Tarif buchen.
Erstaunlich ist, dass Lufthansa zum 1. September zum Ärger mancher Vielflieger die Sammelmöglichkeit von sogenannten HON-Circle-Meilen in der Economy-Class abschaffte. Im teuersten Germanwings-Tarif soll das nun offenbar wieder möglich sein.