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13.12.2012
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Geschenktipps für Räder

Worauf Kinder abfahren

Von
Kokua

Federleichte Hightech-Maschine oder Billig-Bike mit Standarddynamo: Kinderfahrräder gibt es in unterschiedlichsten Gewichts- und Preisklassen. Braucht ein Fünfjähriger eine Kettenschaltung? Darf man Leichtbauräder mit Akkulampen aufmotzen? Der Einkaufsberater für Weihnachten.

Zu Weihnachten ein eigenes Rad - ein schöneres Geschenk kann man einem Kind kaum machen. Auf zwei Rädern schrumpft die Welt ein ganzes Stück: Der weite Weg zur Kita oder zur Schule wird zur flotten Ausfahrt um die Ecke. Die Suche nach dem passenden Rad dafür ist allerdings nicht ganz so einfach.

Das liegt nicht nur daran, dass viele Händler kaum mehr als zwei, drei verschiedene Modelle vorrätig haben. Die Frage ist auch, was für ein Rad es eigentlich sein soll. So leicht wie möglich? Komplett ausgestattet mit Nabendynamo und ausfallsicherer LED-Beleuchtung? Oder muss es einfach nur eines sein - nämlich möglichst günstig?

Fangen wir bei den ganz kleinen Kindern an. Kaufen Sie auf keinen Fall ein Bike mit Stützrädern. Darauf wird Ihr Kind kaum Radfahren lernen - im Gegenteil. Viel besser sind Laufräder, die es mittlerweile in allen Gewichts- und Preisklassen gibt. Kinder, die auf einem Laufrad rasant um die Ecken flitzen, haben kaum Probleme, auf ein richtiges Rad umzusteigen. Ausbalancieren haben sie ausgiebig geübt. Sie müssen nur noch das Pedalieren beherrschen.

Billige Komponenten, billige Räder

Das erste richtige Fahrrad für Kinder hat meist zwölf oder 16 Zoll große Räder. Es gilt offiziell noch als Spielfahrrad und braucht deshalb weder Dynamo noch Lampen, darf aber auch nur auf dem Fußweg benutzt werden. Achten Sie darauf, dass man den Sattel weit genug nach unten verstellen kann, damit die anfangs noch nicht so geübten Kids den Boden mit den Füßen bequem erreichen können. Wenn Sie sichergehen wollen, dass das Gefährt weder zu klein noch zu groß ist, empfiehlt sich eine Probefahrt im Geschäft.

Dort werden Sie feststellen, dass die meisten Kinderräder erschreckend schwer sind. Das liegt vor allem daran, dass viele Hersteller in erster Linie den Preis niedrig halten wollen. Ein Drahtesel für Kinder darf halt nicht teuer sein. Also werden möglichst billige Komponenten verbaut, die vergleichsweise schwer sind.

Puky, einer der bekanntesten Hersteller von Kinderrädern, begründet das relativ hohe Gewicht übrigens auch mit den besonderen Anforderungen: "Bei Kinderfahrrädern müssen wir als Hersteller immer von einer unvorhersehbaren Fehlbelastung wie Treppenfahrten oder der Mitnahme von Kindern auf dem Gepäckträger ausgehen", sagt Firmensprecher Guido Meitler. Bei Rädern für größere Kinder würden zudem die gleichen Komponenten verbaut wie bei Erwachsenenfahrrädern, zum Beispiel Nabendynamos und Nabenschaltungen.

Schon bei 16-Zoll-Rädern können die Gewichtsunterschiede von Bike zu Bike gewaltig sein. Sportliche Kinder mit guter Körperbeherrschung haben ein knapp zehn Kilogramm schweres Rad, wie es beispielsweise Puky oder Pegasus anbieten, sicher schnell im Griff. Viel einfacher zu beherrschen ist jedoch ein leichteres Rad - und zwar sowohl für das Kind als auch für die Eltern, die es immer wieder Treppen hoch- und heruntertragen müssen.

Markenfetischismus der Eltern

Die Hersteller leichter Räder lassen die Rahmen aus dünnwandigeren Rohren zusammenschweißen und verzichten auf fast alle Anbauteile wie Schutzbleche oder Gepäckträger. Der englische Anbieter Islabikes beispielsweise kommt so bei einem 16-Zoll-Rad auf gerade mal sechs Kilogramm - ein enormer Unterschied zu den üblichen zehn Kilogramm. Für das Kind, das selbst gerade mal 15 bis 20 Kilogramm schwer ist, sind das Welten. Inklusive Versand kostet ein solches Islabikes-Leichtbaurad 285 Euro, rund 100 Euro mehr als ein gleich großes Puky.

Andere Anbieter leichter Räder sind MTB Cycletech aus der Schweiz und Kokua, der Erfinder des Laufrads. "Wir wollen ein Rad so leicht wie möglich bauen", sagt Kokua-Chef Mertens. Obwohl viele Zweifel an dem Konzept hatten: "Die Händler sagten, die Kunden kaufen das nicht." Aber das stimmt nicht, meint Mertens. Wer als Erwachsener selbst ein gutes Rad fahre, wolle auch für sein Kind ein gutes.

Dass diese Strategie aufgeht, lässt sich in wohlhabenden Vierteln wie dem Prenzlauer Berg in Berlin oder Hamburg-Eppendorf beobachten. Dort ist das Kokua zum Statussymbol vieler Eltern geworden, wie der Bugaboo-Kinderwagen oder die Finkid-Regenjacke. Man kann den Markenfetischismus belächeln - aber das Gewicht der Kokua-Bikes stimmt. Das 16 Zoll große Like to Bike kommt auf 7,5 Kilogramm (Preis 320 Euro), die 20-Zoll-Ausführung auf neun Kilogramm (380 Euro).

Übung macht den Meister

Kinder wachsen schnell, und deshalb brauchen sie auch immer wieder ein größeres Rad. Meist beginnt man mit zwölf Zoll großen Rädern, dann folgen 16, 20 und 24 Zoll. Sportliche Kinder können aber auch von zwölf auf 18 Zoll springen und dann direkt zu 24 Zoll. Bedenken Sie: Meist kann ein Geschwisterkind das Rad noch mal nutzen. Und zumindest die bekannten Marken wie Puky oder Kokua lassen sich sehr gut wiederverkaufen.

Ab acht Jahren dürfen und ab zehn Jahren müssen Kinder auf der Straße fahren. Spätestens dann sollte das Rad über eine anständige Lichtanlage verfügen. Ein Nabendynamo ist zwar schwerer als ein klassischer Seitenläufer - dafür aber viel zuverlässiger. Ausfallsichere LED-Lampen sind beim Rücklicht glücklicherweise längst Standard, bei der Vorderlampe leider noch nicht überall.

Das Gewicht eines komplett ausgestatteten 24-Zoll-Rades übersteigt dann aber auch schnell die 14-Kilo-Marke. Eine kleine Treppe wird damit für viele Kinder zu einem kaum überwindbaren Hindernis. Doch auch bei den großen Kinderrädern gibt es Leichtbauvarianten, auch wenn diesen meist Schutzbleche und Gepäckträger fehlen. Das Islabike BEINN 24 (470 Euro) bringt 8,8 Kilogramm auf die Waage, das Speedster 24 von MTB Cycletech liegt bei 11,5 Kilogramm (480 Euro). Man müsste beide Fahrräder aber zumindest mit Akkulampen aufrüsten, auch wenn dies nicht den Regeln der Straßenverkehrsordnung entspricht. Der Trick: Es gibt batteriebetriebene Lampensets, die aussehen wie normale Lampen und fest am Rad montiert sind, so dass ein solches Rad bei einer Kontrolle kaum auffällt.

Zum Schluss noch ein paar Worte zum Thema Schaltung: Bei Reifengrößen bis 16, 18 Zoll braucht ein Kinderrad eigentlich keine Gangschaltung. Ab 20 Zoll kann eine Dreigangnabe sinnvoll sein. Eine Kettenschaltung mit 24 Gängen, wie man sie bei vielen Mountainbikes findet, wird viele Kinder allerdings anfangs überfordern. Aber auch hier gilt: Übung macht den Meister.

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insgesamt 55 Beiträge
1. gebraucht
meinmein 13.12.2012
Chic, diese Designer-Fahrräder für 300€ - prädestiniert zum Wegtragen. Die meisten Kinderräder werden nur ein Jahr gefahren, es gibt also einen riesigen Gebrauchtmarkt mit günstigen Angeboten. Da schmerzt auch ein Verlust durch [...]
Chic, diese Designer-Fahrräder für 300€ - prädestiniert zum Wegtragen. Die meisten Kinderräder werden nur ein Jahr gefahren, es gibt also einen riesigen Gebrauchtmarkt mit günstigen Angeboten. Da schmerzt auch ein Verlust durch Diebstahl nicht so sehr.
2. Alles toll
by_the_way 13.12.2012
es ist schon verwunderlich, dass von zwölf Rädern nur zwei verkehrsicher sind, weil sie mit einer ordentlichen Beleuchtung ausgestattet sind. Auch ein Gepäckträger an sich ist sinnvolle Ergänzung. Was nützt einem Kind ein [...]
Zitat von sysopFederleichte Hightech-Maschine oder Billigbike mit Standarddynamo: Kinderfahrräder gibt es in unterschiedlichsten Gewichts- und Preisklassen. Braucht ein Fünfjähriger eine Kettenschaltung? Darf man Leichtbauräder mit Akkulampen aufmotzen? Der Einkaufsberater für Weihnachten. Von Puky bis Kokua: Gute Kinderfahrräder und Laufräder kaufen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/von-puky-bis-kokua-gute-kinderfahrraeder-und-laufraeder-kaufen-a-872410.html)
es ist schon verwunderlich, dass von zwölf Rädern nur zwei verkehrsicher sind, weil sie mit einer ordentlichen Beleuchtung ausgestattet sind. Auch ein Gepäckträger an sich ist sinnvolle Ergänzung. Was nützt einem Kind ein tolles MTB, wenn es damit noch nicht mal sicher zu Freunden fahren kann.
3. Toll
leeberato 13.12.2012
In dem Beitrag wird beschrieben weiter man die gesetzliche Regelung umgehen kann und die Kinder mit leeren Batterien herumfahren lässt. Solche Passagen im Text kann der Autor sich sparen. Wenn die Kinder von Grund auf nicht lernen [...]
In dem Beitrag wird beschrieben weiter man die gesetzliche Regelung umgehen kann und die Kinder mit leeren Batterien herumfahren lässt. Solche Passagen im Text kann der Autor sich sparen. Wenn die Kinder von Grund auf nicht lernen wie ein verkehrssicheres Fahrrad aussieht dann fahren sie auch später mit blendenden und blinkenden Lampen durch die Gegend und nerven andere Verkehrsteilnehmer. Ich bin übrigens selbst Radfahrer.
4. Kettenschaltungen an Kinderrädern
widower+2 13.12.2012
sind leider weit verbreitet. Gerade bei den günstigsten Modellen. Sie sind aber völliger Unsinn. Nicht nur sind die Kleinen in der Regel mit der Bedienung überfordert, sie sind auch viel zu anfällig. So ein Rad wird gerne mal [...]
sind leider weit verbreitet. Gerade bei den günstigsten Modellen. Sie sind aber völliger Unsinn. Nicht nur sind die Kleinen in der Regel mit der Bedienung überfordert, sie sind auch viel zu anfällig. So ein Rad wird gerne mal im Eifer des Gefechts hingeschmissen, im Sandkasten abgelegt oder im Streit mit Tritten malträtiert. Von Kettenschaltungen für Kinder unter zehn Jahren kann ich aus leidvoller Erfahrung nur abraten.
5. Apropos Dynamo und Akkulampen
luwigal 13.12.2012
Ja, es hat geschneit und wie ich selbst feststellen mußte, der Dynamo an meinem Radl versagt, sobald Eis und Schnee sich auf dem Fahrradmantel festsetzen. M.a.W., entweder dat Dingens oben am Dynamo, was sich eigentlich drehen [...]
Ja, es hat geschneit und wie ich selbst feststellen mußte, der Dynamo an meinem Radl versagt, sobald Eis und Schnee sich auf dem Fahrradmantel festsetzen. M.a.W., entweder dat Dingens oben am Dynamo, was sich eigentlich drehen soll, wird entweder blockiert oder es kann sich nicht drehen, weil es rutscht. Heißt, die Beleuchtung fällt aus. Nabendynamo habe ich nicht, leider, hab ja auch "nur" ein "Bahnhofsradl". Schätze, das obig erwähnte Problem haben die nicht, oder? Schließlich ist der Typ bzw. die Technik des Dynamos ja 'ne ganz andere. Falls das stimmen sollte, dann sollten Eltern auch das geschilderte Dynamo-Problem sich vor dem Kauf eines Radls durch den Kopf gehen lassen. Nun, gezwungenermaßen muss ich dadurch auf eine Beleuchtung zurückgreifen, die sich selbst versorgt ... Akkubeleuchtung eben. Das die aber nur für "Rennradl" zulässig sein soll, ist in meinen Augen bescheuert. Ich mein, mit 'ner Taschenlampe in der Hand kann ja auch jeder einfach so herumlaufen, aber 'ne festgesteckte Akku-Fahrradleuchte ist verboten. Bleibt über ... mit dem Rad in der Hand latschen. Bescheuert kann ich nur sagen.

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