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29.12.2012
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Luftfahrt

Nie war Fliegen sicherer als 2012

dapd

Passagierflugzeug: Ein Passagier fliegt statistisch gesehen 14.000 Jahre lang unfallfrei

Fliegen ist so sicher wie nie zuvor: 2012 sank weltweit die Zahl der schwerwiegenden Unfälle im Vergleich zum Vorjahr drastisch. Auch die Zahl der dabei getöteten Menschen fiel niedrig aus. Ausnahmen sind Afrika - und Russland.

Notlandungen, giftige Öldämpfe im Cockpit, Beinaheabstürze: 2012 häuften sich die Meldungen über Zwischenfälle beim Fliegen. Angesichts der Schreckensnachrichten fragen sich viele, wie sicher das Reisen per Flugzeug eigentlich ist. Doch die Statistiken zeichnen ein klares Bild: Seit Beginn des Jet-Zeitalters in der zivilen Luftfahrt war Fliegen noch nie so sicher wie in diesem Jahr.

Zu diesem Ergebnis kommen gleich mehrere Organisationen, obwohl diese im Detail unterschiedliche Zählweisen verwenden. Laut Aviation Safety Network, einer unabhängigen Unfalldatenorganisation, kamen 2012 bis jetzt 470 Menschen bei insgesamt 22 Flugzeugunfällen ums Leben. Demnach war die Zahl der tödlichen Flugzeugunfälle seit den sechziger Jahren noch nie niedriger. Lediglich 2004 fiel die Zahl der Todesopfer mit 454 Menschen geringer aus, wobei es sich seinerzeit um insgesamt registrierte Unfälle mit tödlichen Folgen handelte. Auch 2011 verzeichnete die Aviation Safety Network noch 36 schwere Flugzeugunfälle, bei denen 524 Menschen ums Leben kamen. Der Sprung ist groß: In den letzten zehn Jahren betrug die durchschnittliche Zahl fataler Unfälle 34 pro Jahr. Im Schnitt starben dabei jährlich 770 Menschen innerhalb der letzten Dekade.

Auch nach den Berechnungen der International Air Transport Association IATA, die etwa 84 Prozent des gesamten Luftverkehrs vertritt, war 2012 das bisher sicherste Jahr in der Geschichte der kommerziellen Luftfahrt: Demnach verzeichneten die insgesamt 243 IATA-Airlines keinen einzigen Totalverlust eines Jets westlicher Bauart. Bei insgesamt elf tödlichen Zwischenfällen (bis einschließlich 30. November 2012) kamen 401 Menschen ums Leben. 2011 waren es dagegen noch 22 Vorfälle mit 486 Toten. Alle Flugzeuge mit eingeschlossen, kommt es laut IATA-Statistik zu einem Crash pro 470.000 Flügen. Statistisch gesehen bedeute das, so die IATA, dass ein Mensch 14.000 Jahre lang unfallfrei fliegen könne. Pro 5,3 Millionen Flügen weltweit kommt es dabei demnach zu einem "gravierenden" Unfall.

Afrikanische Airlines haben häufiger Unfälle

Der schwerste Flugunfall in diesem Jahr geschah nach Angaben der britischen Luftfahrtberatung Ascend am 3. Juni in Nigeria. Eine Passagiermaschine der Fluggesellschaft Dana Air vom Typ McDonnell Douglas MD-83 stürzte in der Millionenstadt Lagos in ein Gebäude, alle 153 Passagiere und zehn weitere Menschen in dem Gebäude starben. Ascend zufolge ist Fliegen in Afrika immer noch am gefährlichsten, weil dort alte Maschinen aus der ehemaligen Sowjetunion, aus den USA oder anderweitig ausgemusterte Flugzeuge im Einsatz sind.

Ebenso kommt es in Russland und Lateinamerika vergleichsweise häufig zu schweren Unfällen. So führen russische Maschinen typischerweise eher weniger Passagiere mit an Bord - in der Chronik der Luftfahrt hatten sie aber weitaus mehr Unfälle als Maschinen von europäischen oder US-Flugzeugherstellern. Am Samstag zerbrach in Moskau eine Tupolew-Maschine und fing Feuer. Auch Turboprop-Flüge haben den Statistiken zufolge eine höhere Crash-Rate als Linienflüge.

Paul Hayes, Sicherheitschef bei Ascend, sagt in einem Statement: "Die tödlichen Unfallraten verbessern sich stetig. Im Schnitt ist Fliegen doppelt so sicher wie vor 15 Jahren." Dennoch warnen die Experten im Jahresbericht von Ascend davor, den diesjährigen Sprung in der Flugunfallstatistik überzubewerten. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, sagte Hayes: "Wir glauben nicht, dass die Airlines plötzlich viel sicherer geworden sind." Stattdessen könne es sich bei dem drastischen Rückgang der tödlichen Flugzeugunfälle möglicherweise auch nur um einen Ausreißer in der Statistik handeln.

Auch Günther Matschnigg, Iata-Verantwortlicher für das Thema Sicherheit, sagte in einer Pressekonferenz im Genf vor kurzem: "Wir dürfen nicht nachlassen. Denn jeder tödliche Flugunfall ist eine Tragödie." Zwar sei die Luftfahrt eine unglaublich sichere Industrie, und Fliegen sei die sicherste Art zu reisen. Dennoch gelte es, das Reisen per Flugzeug noch sicherer zu machen.

Warum Fliegen 2012 besonders sicher war, ist nicht ganz klar. Harro Ranter, der Chef des Aviation Safety Network sagte dem "Wall Street Journal", es sei schwierig, einen einzelnen Grund dafür anzugeben. Der Experte glaubt, die Verbesserungen der Sicherheitsvorkehrungen sowohl auf nationaler Ebene als auch seitens der Airlines und internationaler Organisationen trage dazu bei.

Nach Angaben der Passagierluftfahrtbehörde ICAO (International Civil Aviation Organization) flogen 2012 insgesamt etwa 2,3 Milliarden Passagiere in einem Flugzeug, die IATA erwartet einen Anstieg auf 3,6 Milliarden Passagiere im Jahr 2016.

cib

Forum

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insgesamt 28 Beiträge
1. Turboprop vs. Linienflug
tg923 29.12.2012
Heisst also alle Turbopropflüge sind Charter oder wie?? Denkt mal drüber nach was ihr schreibt. Die Statistik ist doch eher Zufall...Wenn morgen ein vollbesetzter A380 runtergeht haben wir sofort die schlechtesten Werte seit [...]
Heisst also alle Turbopropflüge sind Charter oder wie?? Denkt mal drüber nach was ihr schreibt. Die Statistik ist doch eher Zufall...Wenn morgen ein vollbesetzter A380 runtergeht haben wir sofort die schlechtesten Werte seit Jahren.
2. Das Turboprops haeufiger
hdudeck 29.12.2012
in Unfaelle verwickelt sind liegt in der Natur der Sache. Sind diese doch bei weiten kleiner (mit weniger Passagieren) und sind dem Wetter dementsprechend mehr ausgliefert, als Jet Flugzeuge. Das gilt speziell fuer Russland [...]
Zitat von sysopFliegen ist so sicher wie nie zuvor: 2012 sank weltweit die Zahl der schwerwiegenden Unfälle im Vergleich zum Vorjahr drastisch. Auch die Zahl der dabei getöteten Menschen fiel niedrig aus. Ausnahmen sind Afrika - und Russland. Luftfahrt-Statistik: Nie war Fliegen sicherer als 2012 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/luftfahrt-statistik-nie-war-fliegen-sicherer-als-2012-a-875092.html)
in Unfaelle verwickelt sind liegt in der Natur der Sache. Sind diese doch bei weiten kleiner (mit weniger Passagieren) und sind dem Wetter dementsprechend mehr ausgliefert, als Jet Flugzeuge. Das gilt speziell fuer Russland und Sued-America, wo es immer wieder extreme Wetterbedingungen gibt.
3. Häää?
meberz 29.12.2012
"Auch Turboprop-Flüge haben den Statistiken zufolge eine höhere Crash-Rate als Linienflüge."... Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Auch bei LH fliegen eine ganze Reihe Turboprops (z.B. ATRs) und diese [...]
"Auch Turboprop-Flüge haben den Statistiken zufolge eine höhere Crash-Rate als Linienflüge."... Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Auch bei LH fliegen eine ganze Reihe Turboprops (z.B. ATRs) und diese Flugzeuge fliegen im Linienverkehr... verstehe diesen Satz nicht...
4. Aaah, sooo!
denkdochmal 29.12.2012
...Auch Turboprop-Flüge haben den Statistiken zufolge eine höhere Crash-Rate als Linienflüge... Und nachts ist es immer kälter als in der Stadt?
...Auch Turboprop-Flüge haben den Statistiken zufolge eine höhere Crash-Rate als Linienflüge... Und nachts ist es immer kälter als in der Stadt?
5.
germanvirgin 29.12.2012
Nach Angaben der Passagierluftfahrtbehörde ICAO (International Civil Aviation Organization) flogen 2012 insgesamt etwa 2,3 Milliarden Passagiere in einem Flugzeug, wow, das muss aber ein grosses Flugzeug gewesen sein. hahaha. [...]
Nach Angaben der Passagierluftfahrtbehörde ICAO (International Civil Aviation Organization) flogen 2012 insgesamt etwa 2,3 Milliarden Passagiere in einem Flugzeug, wow, das muss aber ein grosses Flugzeug gewesen sein. hahaha. Im Ernst, wurden bei der Zaehlung aber auch die vielen Unfaelle der Kleinflugzeuge mitgerechnet oder fliegen die nicht?

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