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04.02.2013
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Neuheiten für die Piste

Ein Ski für alle Fälle

DPA

Morgens auf die Piste, am Nachmittag ins Gelände, am nächsten Tag auf Skitour: Immer mehr Winterurlauber brauchen universell einsetzbare Bretter für das perfekte Schneeerlebnis. Auf der Sportmesse Ispo präsentieren die Hersteller daher Hybridmodelle - und immer leichtere Skier.

München - Manchmal ist es eine Frage von Gramm, manchmal aber auch von Kilos: An jedem noch so kleinen Detail tüfteln die Entwickler, um die neuesten Ski immer leichter zu machen. Was in den vergangenen Jahren bei den klassischen Pistenski angefangen hat, geht nun bei den Exemplaren für das Gelände weiter, wie sich bei der Internationalen Sportartikelmesse (Ispo) in München zeigt.

"Früher wurden schwere Platten montiert, heute muss alles leichter sein", sagt Andreas König vom Deutschen Skiverband (DSV), "Schuhe, Bindung, Ski." Bei der Gewichtsreduktion dürfe jedoch keine der Komponenten an Performance verlieren.

Einer der Vorreiter ist dabei Völkl. Das Modell "V-Werks Katana" wurde von einer Expertenjury der Messe zum Produkt des Jahres gewählt: Ein Paar Ski wiegt rund 900 Gramm weniger als die bisherige Ausführung. Möglich macht das der Werkstoff Kohlefaser.

Der Hersteller Rossignol dagegen hatte eine andere Idee, um gewichtsmäßig mitzuhalten: Air Tip heißt die Technologie, bei der Skispitzen und -enden mit Luft gefüllt werden. Zunächst wurde diese Idee zwar nur beim hochpreisigen Freeride-Produkt umgesetzt, sie soll nach Angaben einer Unternehmenssprecherin aber auch auf andere Serien ausgeweitet werden. Salomon geht einen ähnlichen Weg und hat eine Bienenwabenstruktur eingebaut, die ebenfalls mit Luft gefüllt ist. Blizzard verwendet Leichtholz.

"Rocker sind mittlerweile selbstverständlich"

Das große Thema der vergangenen Jahre war die Rocker-Technologie. Rockerski sind vorne und teilweise auch hinten nach oben gebogen. Dadurch sollen sie in tieferem Schnee mehr Auftrieb und damit ein sichereres Fahren ermöglichen. Längst hat sich die Technik etabliert. DSV-Experte König schätzt, dass zwischen 80 und 90 Prozent aller verkauften Ski damit ausgestattet sind. Manch ein Hersteller setzt sogar zu 100 Prozent darauf. "Es gibt keinen Ski mehr bei uns, der nicht gerockt ist", sagt Herbert Buchsteiner von Atomic.

"Rocker sind mittlerweile selbstverständlich, selbst im Riesenslalom-Weltcup", sagt Andreas Mann von Völkl. Salomon hat gerade eine neue Rennserie mit Rockertechnik herausgebracht. Auch K2 hat fast komplett auf Rocker umgestellt und selbst Head, lange Zeit etwas zurückhaltender gegenüber der neuen Technik, setzt laut Marketingchef René Harrer lediglich im Rennbereich noch auf klassische Ski.

Ein Problem hatten Rocker-Ski bislang jedoch: Die Skispitzen waren weniger stabil als bei normalen Carvern. Daran haben die Firmen gefeilt. Head verwendet ein stabilisierendes Außenskelett. Völkl baut seine Uvo-Technologie in die Ski ein: Eine bewegliche Masse in einem Silikonbett an der Spitze des Skis soll Schwingungen absorbieren.

Die Grundregel lautet: Je mehr Gelände, desto mehr Krümmung. Doch die Grenzen zwischen den einzelnen Segmenten sind mittlerweile fließend. Piste, Tourengeher, Freerider: "Die einzelnen Bereiche nähern sich immer stärker an, irgendwann werden die Segmente verschmelzen", prognostiziert Andreas Mann von Völkl. "Es gibt keine klassischen Trennlinien mehr", sagt auch ein Sprecher von K2.

"Der Schneespaß wird mehrdimensional"

Der Grund liegt auf der Hand: "Es gibt immer mehr Skifahrer, die morgens auf die Piste wollen, am Nachmittag ins Gelände und am nächsten Tag eine Skitour planen", erklärt eine Sprecherin von Rossignol. Freerider wollen auch mal bergauf gehen, Tourengeher auch mal eine ordentliche Abfahrt hinlegen", ergänzt ein Sprecher von Blizzard. Doch kaum jemand will und kann sich natürlich für jeden Bereich extra Ski und Schuhe kaufen.

Fast alle Hersteller haben deshalb Ski im Angebot, die theoretisch für mehrere Bereiche einsetzbar sind. Auch bei den Bindungen und vor allem den Schuhen gibt es immer mehr Hybridmodelle. "Ski, Schuhe und Bindung sollen alles können", hat Kerstin Garstenauer von Fischer beobachtet.

Überhaupt ist Tourengehen und Freeriden ein Wachstumssegment im ansonsten eher stagnierenden Skimarkt. "Der Schneespaß wird mehrdimensional", erklärt Christoph Ebert vom Kompetenzzentrum Sport, Gesundheit und Technologie in Garmisch-Partenkirchen. Früher sei man einfach mit dem Lift rauf- und mit den Ski runtergefahren. "Heute ist bei den Leuten angekommen, dass man die Bergwelt auf die unterschiedlichsten Arten erleben kann."

Splitboard: Zwitter aus Ski und Snowboard

Darum sind auch Splitboards weiter auf dem Vormarsch. Im Grunde handelt es sich um in der Mitte längs durchgeschnittene Snowboards. Für den Aufstieg werden sie auseinandergenommen und bieten zwei Tourenski mit entsprechenden Bindungen. Auf dem Berg werden sie mit wenigen Handgriffen zusammengesteckt und wie ein Snowboard genutzt.

Erste Splitboards gab es bereits Ende der achtziger Jahre. Sie setzten sich jedoch nicht durch. Vor drei Jahren tauchten sie auf der Ispo dann wieder auf - seither entwickeln die Hersteller die Modelle weiter. K2 hat bei seinem "Kwicker" vor allem an der Bindung gearbeitet. Sie ist laut einem Unternehmenssprecher 1,4 Kilogramm leichter als bei einem normalen Splitboard. Daneben seien der Schuh sowie die Ummontage deutlich verbessert worden.

Rossignol hat in sein Splitboard einen sogenannten Tip-Tail-Rocker eingebaut, sprich das Brett ist hinten und vorne aufgebogen und bietet auch bei schwierigen Schneeverhältnissen gute Fahreigenschaften.

Ob Ski, Snow- oder Splitboard: Viele der großen Hersteller tragen dem Alles-in-einem-Trend bereits seit einigen Jahren Rechnung - andere ziehen nach. Fischer hat zum Beispiel auf der Ispo erstmals eine komplette Ausstattung für Tourenskifahrer vorgestellt: vom Ski über Bindung und Schuhe bis hin zu den Fellen. Und auch Head ist in das Segment eingestiegen. "Es geht einfach ums Schneeerleben - egal ob auf oder neben der Piste", formuliert es König.

Michael Zehender/dpa/jus

Forum

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insgesamt 3 Beiträge
1. Oh oh,
larkmiller 04.02.2013
Es ist ja toll, wenn die Industrie hier weiter entwickelt, noch toller wäre es, wenn das schifahrerische Können dem Schritt halten könnte. Das ist leider und offensichtlich nicht der Fall. Wohin man sieht: das eigene Können [...]
Es ist ja toll, wenn die Industrie hier weiter entwickelt, noch toller wäre es, wenn das schifahrerische Können dem Schritt halten könnte. Das ist leider und offensichtlich nicht der Fall. Wohin man sieht: das eigene Können wird meist grob überschätzt. Hier gibt es immer mehr Aufholbedarf. Falls das Problem nicht schnellstens gelöst wird, werden sich die Unfälle auf den Pisten vervielfachen, da die meisten auf Grund ihrer Ausrüstung ihre eigenen Grenzen nicht mehr kennen - bis es knackt und Blut spritzt. Mir auf jeden Fall, als jemand, der noch in den 60ern bei "richtigen" Schilehrern das Fahren gelernt hat, macht es auf den Pisten kaum mehr Spaß: überforderte Carver und dahin gekleckste Snowboarder sowie Fahrer die einfach einem hinterher fahren und dann feststellen, dass die Route etwas over the top ist, lassen nur noch den Kopf angesichts so viel Selbstüberschätzung schütteln. Und jetzt soll's noch ein paar Schi für alle Eventualitäten geben? Die Flugrettungunternehmen werden sich die Hände reiben. Zu Recht, denn der Nachschub ist gesichert.
2. Unfälle
wennderbenzbremst... 04.02.2013
@Larkmiller: Natürlich verführt das Material zur Selbstüberschätzung, andererseits bin ich aber der Meinung, dass die wenigsten Leute sich anständig aufs Skifahren vorbereiten. Da gehts am ersten Tag direkt ganz rauf auf die [...]
@Larkmiller: Natürlich verführt das Material zur Selbstüberschätzung, andererseits bin ich aber der Meinung, dass die wenigsten Leute sich anständig aufs Skifahren vorbereiten. Da gehts am ersten Tag direkt ganz rauf auf die schwarze Piste, keinerlei Akklimatisierung (von 0 auf 3500m in 24h) und aufgewärmt wird sich in der Skihütte bei nem alkoholischen Getränk. Klar, die 1-2 Wochen will man ja auch so richtig ausnutzen. Aber es sind immer wieder die gleichen Typen, die dann mit dem Krankenwagen ins Spital gebracht werden. Unter Einheimischen wird sogar gespöttelt, dass die Krankenwagen in der Hochsaison eher Shuttle-Service fahren :D Zu den überforderten Carvern: Nach meiner Beobachtung können 90-95% der Leute gar nicht richtig carven. Aber schnell fahren, das können sie alle, solang es geradeaus geht. Meistens fliegen aber schon da die Bindungen bei dem einen oder anderen Schlag weg. Soll ja am Anfang auch nicht zu stramm sitzen das ganze. Mann muss ja nicht gleich 5 Paar Ski mitnehmen, aber ein bisschen mitdenken würde nicht schaden. Mit meinen 1,90m Race-Carvern incl. entsprechend strammer Bindung bin ich nicht wirklich erpicht darauf, im Tiefschnee rumzueiern. Da ist nämlich ne üble Verletzung schon vorprogrammiert.
3. Holländer-Triathlon...
Flitzpiepin 05.02.2013
...nennt sich der Spaß: mit dem Lift den Berg rauf, mit dem Ackja den berg runter und mit dem Gipsbomber nach Hause- kein Wunder, wenn man nur Deiche oder das Sauerland zum üben hat.
...nennt sich der Spaß: mit dem Lift den Berg rauf, mit dem Ackja den berg runter und mit dem Gipsbomber nach Hause- kein Wunder, wenn man nur Deiche oder das Sauerland zum üben hat.

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