05.02.2013
Air Asia X
Malaysische Airline führt kinderfreie Zone in Economy Class ein
Airbus-Maschine von Air Asia X: Fluggesellschaft verbannt Familien in hintere Reihen
Frankfurt/Main - Malaysia Airlines hat schon vor über einem Jahr kinderfreie Zonen auf Flügen eingeführt - erst in der First Class, später auch im Oberdeck der A380-Maschinen. Nun zieht der malaysische Billigflieger Air Asia X nach: Die ersten sieben Reihen der Economy Class sind ab sofort für Kinder unter zwölf Jahren tabu. Erwachsene, die ohne Kinder reisen und in der ruhigen Zone sitzen wollen, müssen einen Aufschlag zahlen.
Die Airline verspricht auf ihrer Webseite "Frieden und Stille" für ein paar Euro und verbannt die Familien in den hinteren Flugzeugteil. Nach Europa fliegt Air Asia X nicht, die neue Regelung gilt für Flüge von Kuala Lumpur nach China, Taiwan, Japan, Korea, Australien und Nepal.
Im Internet findet sich neben Empörung auch viel Zustimmung zum "Fliegen ohne Kindergeschrei" und einige Kritik an Eltern, die ihren Nachwuchs nicht im Griff hätten. "Ich werde gerne 50 bis 100 Dollar mehr pro Strecke zahlen, wenn man mir versichert, dass fünf Reihen vor und hinter mir kein aufgedrehter Quälgeist sitzt, den seine unnützen Eltern nicht unter Kontrolle haben", zitiert CNN den Forumsnutzer DigDug2010 in einem Bericht. "Alle Airlines sollten kinderfreie Flüge anbieten."
Auch bei Twitter sind positive Reaktionen zu lesen: "Was für eine großartige Idee", kommentiert Nutzerin Ellen Meagher den Vorstoß von Air Asia X. "Ich würde dafür zahlen", heißt es in einem Tweet von Meruschka.
Und offenbar gibt es auch Eltern, die sich für die Idee erwärmen können: CNN-Leser andy b schreibt, er könne es sich vorstellen, so einen Ruhezonen-Sitz zu buchen, wenn er mal ohne sein Kind reist. "Was ich nicht mag, sind Erziehungsratschläge von Leuten, die nicht mal einen Goldfisch aufziehen könnten." Man könne ein Kind nun mal nicht in jeder Situation dazu bringen, sich zu benehmen. "Da hilft nur ausprobieren."
"Das Schreien von Säuglingen muss jeder aushalten können"
Der Hamburger Luftverkehrsexperte Cord Schellenberg sieht im Vorgehen der malaysischen Gesellschaften dennoch keinen globalen Trend. Mindestens in Nordamerika und Europa seien die Gesellschaften sehr sensibel gegen Diskriminierungen, so dass für die Fluggesellschaften keine Möglichkeit bestehe, die mitfliegenden Kinder schlechter zu behandeln als andere Fluggäste. "Ein Großteil der Gäste würde das als sehr unfreundlich empfinden und nicht auf Dauer mit einer solchen Airline fliegen wollen."
Die meisten Kinder seien ohnehin gebannt von Bordfilmen oder elektronischem Spielzeug, sagt Schellenberg. "Und das Schreien von Säuglingen, die ja nun wirklich nichts dafür können, muss doch jeder aushalten können." Ohnehin seien angetrunkene Erwachsene viel unangenehmere Mit-Passagiere.
Die deutschen Fluggesellschaften versichern, es gebe auch überhaupt keine Pläne für kinderfreie Zonen. Air Berlin bezeichnet sich selbst als "Airline mit Herz". "Bei uns gibt es keinerlei Überlegungen in diese Richtung", sagt eine Sprecherin. "Wir werden weiterhin ein vielfältiges Angebot für Familien mit Kindern aller Altersstufen anbieten."
Auch beim Marktführer Lufthansa gibt es keine Tabu-Zonen für junge Passagiere. "Das ist auch nicht geplant", heißt es in der Frankfurter Zentrale. Konflikte an Bord lassen sich am besten durch gut geschultes Personal vermeiden, ergänzt der Experte Gerald Wissel von Airborne Consulting. "Da ist Augenmaß und Fingerspitzengefühl gefragt."
Christian Ebner/dpa/jus