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Zugverspätungen

Bahn plant digitale Entschädigungsanträge

Wenn der Zug mehr als zwei Stunden Verspätung hat, zahlt die Bahn die Hälfte des Fahrpreise zurück. Bisher ist der Antrag auf Entschädigung jedoch eher kompliziert. Das soll sich ändern.

DPA

Streik bei der Bahn (Dezember 2018)

Samstag, 16.03.2019   17:53 Uhr

Die Bahn will auch bei Anträgen für Entschädigungen bei Zugverspätungen ins Online-Zeitalter - mit komplizierten Formularen soll dann Schluss sein. Die Kunden sollen dies künftig einfacher und auf digitalem Weg machen können. 2,7 Millionen Reisende füllten im vergangenen Jahr das Fahrgastrechte-Formular aus, gaben es in einem Reisezentrum ab oder schickten es per Post an das Servicecenter in Frankfurt.

"Es ist verständlich, dass das derzeitig praktizierte Entschädigungsverfahren von unseren Kunden als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird und diese sich einfache Lösungen wünschen", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Bahn wolle den Entschädigungsprozess vereinfachen und arbeite an notwendigen technischen Voraussetzungen für eine digitale Prozessvariante.

Wie dies genau funktionieren soll, ist noch offen. Denkbar scheint, dass dies direkt über die Bahn-Internetseite gemacht werden könnte. Unklar ist auch, ab wann ein digitaler Entschädigungsantrag möglich ist. "Die Digitalisierung des Fahrgastrechteprozesses ist allerdings sowohl fachlich wie technisch komplex und erfordert daher noch etwas Zeit", sagte der Sprecher.

Der bundeseigene Konzern stehe bei dem Thema im Kontakt mit dem Verbraucherschutz- sowie dem Verkehrsministerium. Die Bahn habe sich generell mit einer konzernweiten Digitalisierungsoffensive zum Ziel gesetzt, ihre Serviceprozesse und Angebote für die Kunden nachhaltig zu verbessern. "Auch für die Bearbeitung von Fahrgastrechtsfällen verfolgen wir dieses Ziel", sagte der Sprecher.

Verbraucherschützer fordern seit Jahren eine Möglichkeit für Kunden, ihre Rechte auch online geltend zu machen. "Dass Geschädigte das Fahrgastrechte-Formular ausdrucken und per Briefpost zusenden müssen, ist nicht mehr zeitgemäß, sondern geradezu antiquiert", hatte Verkehrsexpertin Marion Jungbluth vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) dem "Handelsblatt" gesagt. VZBV-Chef Klaus Müller forderte eine gesetzliche Regelung für ein digitales Verfahren. Dieses müsse "zügig kommen, am besten deutlich vor dem nächsten Weihnachtsurlaub", sagte er der Zeitung.

Scheuer für automatische Entschädigungen im Verkehr

Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sagte: "Wir werden die Fahrgastrechte stärken müssen - bei der Bahn, aber auch im Luftverkehr. Das wäre ein Anreiz für mehr Pünktlichkeit", sagte der CSU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Ich wäre für eine automatische Entschädigung bei Verspätungen. Darüber sind wir gerade mit dem Justizministerium im Gespräch."

Scheuer sagte weiter: "Wir wollen, dass die Reisenden zufrieden sind. Und wenn mal etwas schiefgeht, weil ein Zug ausfällt oder es Verspätungen gibt, muss unbürokratisch entschädigt werden." Er lobte gegenüber dem RND, "dass die Menschen auf die Schiene umsteigen wollen". Die Bahn müsse dafür aber ausreichende Kapazitäten schaffen und für Pünktlichkeit sorgen. Dafür stellte der Minister auch mehr Bundesmittel in Aussicht. "Auf der einen Seite wollen wir sparsam sein und das Geld intelligent ausgeben" - andererseits dürften wichtige Zukunftsinvestitionen nicht abgewürgt werden.

Der Minister hatte bei Treffen mit der Bahn-Spitze im Januar auf zügige Verbesserungen für Bahnkunden gedrängt. 2018 war im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät. Der Konzern hatte Verbesserungen zugesagt, auch beim Service.

Bahn zahlte deutlich mehr Entschädigungen

Immer mehr Reisende der Bahn nehmen inzwischen ihre Rechte wahr: 2018 zahlte die Deutsche Bahn dem Sprecher zufolge an 2,7 Millionen Reisende eine Entschädigungssumme von insgesamt 53,6 Millionen Euro für Kunden im Nah- und Fernverkehr. Darin enthalten waren auch die Aufwendungen für Hotelübernachtungen und Taxifahrten.

Die Entschädigungen lagen deutlich höher als im Jahr zuvor: 2017 zahlte die Bahn 34,6 Millionen Euro an 1,8 Millionen Reisende. Auch die durchschnittliche Entschädigungssumme stieg: Knapp 20 Euro waren es 2018, im Vorjahr noch gut 19 Euro.

abl/dpa/AFP

insgesamt 19 Beiträge
emd 16.03.2019
1. Falsche Schraube
Na ja, da dreht die Bahn an der falschen Schraube. Anstatt man alle Energie darauf verwendet, daß die Züge wieder einigermaßen pünktlich fahren, versucht man lieber, das Verfahren für die Entschädigungsanträge zu [...]
Na ja, da dreht die Bahn an der falschen Schraube. Anstatt man alle Energie darauf verwendet, daß die Züge wieder einigermaßen pünktlich fahren, versucht man lieber, das Verfahren für die Entschädigungsanträge zu verbessern. Ob da wirklich eine Verbesserung bei rauskommt, bleibt abzuwarten. Ich wüde solche Anträge NUR schriftlich und mit Einschreiben und Rückschein einreichen. Wenn man heutzutage sowas "online" macht, versickert sowas in aller Regel in irgendwelchen Datenbanken und ward nie mehr gesehen. Das sind jedenfalls meine Erfahrungen mit Versicherungen, Behörden, Funktelefonanbietern etc. etc
quark2@mailinator.com 16.03.2019
2.
Ich finde diese Entschädigungen ja eigentlich falsch, also nicht wirklich im Interesse der Fahrgäste. Aber wenn schon, dann dürfen sie gern automatisch überwiesen werden. Der größte Teil der Fahrkarten wird heute wohl über [...]
Ich finde diese Entschädigungen ja eigentlich falsch, also nicht wirklich im Interesse der Fahrgäste. Aber wenn schon, dann dürfen sie gern automatisch überwiesen werden. Der größte Teil der Fahrkarten wird heute wohl über nicht-anonyme Wege verkauft, also via bahn.de oder "App". Der vom "Schaffner" kontrollierte 2D-Code stellt genug Info zur Verfügung, so daß die Bahn weiß, wer wirklich im Zug war und inwiefern für diesen Kunden eine Verspätung "erzielt" wurde. Das kann direkt eine Überweisung eine Informations-eMail auslösen. Wenn der Kunde nicht einverstanden ist, kann er darauf Bezug nehmen.
bartsuisse 16.03.2019
3. im Ausland 100%
nach einer Stunde. Es ist aber erstaunlich, die DB setzt Energien ein für die Rückerstattungen, schafft es aber nicht auch nur annähernd pünktlich zu sein. Nein sie erhöht einfach die Toleranz auf 15 Minuten, die sie auch nie [...]
nach einer Stunde. Es ist aber erstaunlich, die DB setzt Energien ein für die Rückerstattungen, schafft es aber nicht auch nur annähernd pünktlich zu sein. Nein sie erhöht einfach die Toleranz auf 15 Minuten, die sie auch nie schaffen wird. Die unpünktlichste Bahn Westeuropas, zu schweizer Preisen mit tiefster Performance. Deutschland wie mans kennt. Die Service Wüste
Stäffelesrutscher 16.03.2019
4.
Oh, man untersucht und testet. Vielleicht guckt man mal nach Frankreich, zur SNCF? Da flutscht das mit den digitalen Fahrgastrechten schon lange.
Oh, man untersucht und testet. Vielleicht guckt man mal nach Frankreich, zur SNCF? Da flutscht das mit den digitalen Fahrgastrechten schon lange.
doxa1 17.03.2019
5. Abzocke
Die Bahn hat jahrelang einen einfachen Entschädigungsprozess blockiert. Neue Anbieter nutzen.
Die Bahn hat jahrelang einen einfachen Entschädigungsprozess blockiert. Neue Anbieter nutzen.

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