Schrift:
Ansicht Home:
Reise

Öffentlicher Verkehr

Mehr Zugausfälle bei der Deutschen Bahn

Rund 140.000 Züge sind laut einem Medienbericht 2017 ausgefallen - 20.000 mehr als im vergangenen Jahr. Die Grünen kritisieren, dass die Ausfälle nicht in der Pünktlichkeitsstatistik der Deutschen Bahn berücksichtigt würden.

DPA

Anzeigetafel am Dortmunder Hauptbahnhof (Archiv)

Montag, 07.05.2018   12:24 Uhr

Die Zahl der Zugausfälle bei der Deutschen Bahn ist einem Bericht der "Rheinischen Post" zufolge im vergangenen Jahr angestiegen. 2017 sei die Zahl der ausgefallenen Züge um 20.000 gegenüber dem Vorjahr auf 140.000 angewachsen, heißt es in der Antwort der Regierung auf eine kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion.

Der größte Teil davon sind laut Regierungsangaben knapp 97.000 Züge, die im vergangenen Jahr zwar ihren Startbahnhof verließen, aber nie am Zielbahnhof ankamen. Das waren 0,7 Prozent aller geplanten Zugverbindungen. Weitere gut 40.000 Züge (0,3 Prozent) verließen den Startbahnhof demnach erst gar nicht.

Die meisten dieser Ausfälle seien auf die "heftigen Witterungseinflüsse der schweren Herbststürme" zurückzuführen, sagte Bahnsprecher Jürgen Kornmann. Hinzu kämen die Brandanschläge während des G20-Gipfels und die Sperrung der Rheintalbahnstrecke.

Auch im laufenden Jahr ist dem Bericht zufolge mit ähnlich vielen Zugausfällen zu rechnen. Denn die Zahl der witterungsbedingten Weichenstörungen - etwa aufgrund von Schneefall - sei bis zum 23. April 2018 mit 746 bereits auffallend hoch gewesen. Im gesamten Jahr 2017 gab es demnach 1155 Weichenstörungen.

Die ausgefallenen Züge werden dem Bericht zufolge nicht in die Pünktlichkeitsstatistik der Bahn einbezogen. Ihr Anteil werde innerhalb der Statistik des Unternehmens von der Grundgesamtheit aller planmäßig verkehrenden Züge im Personenverkehr abgezogen, zitierte die Zeitung aus der Antwort des Verkehrsministeriums an die Grünen-Fraktion.

Dieses Vorgehen sei üblich, unter anderem weil es schwierig sei, für Zugausfälle ein sinnvolles mathematisches Modell finden, sagt Kornmann: "Welche Pünktlichkeit ordnet man einem Zug zu, wenn er an einer bestimmten Stelle seiner Fahrt ausfällt?" Zum anderen würde es dem Bahnsprecher zufolge für die Gesamtpünktlichkeit keine wesentliche statistische Abweichung bedeuten, wenn man diese Zahlen einbeziehen würde. Die Ausfälle stellten, trotz der hohen absoluten Zahlen, eine Ausnahme dar.

Der Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel kritisierte hingegen: "Es ist schon ein Hammer, dass ausfallende Züge nicht mehr in der Pünktlichkeitsstatistik auftauchen. Damit ist klar, dass die Zuverlässigkeit im Bahnverkehr noch schlechter ausfällt als ohnehin schon in der Statistik."

bbr/AFP

insgesamt 17 Beiträge
Olli Ökonom 07.05.2018
1. Wundert mich nicht!
Die Deutsche Bahn ist doch nichts weiter als die Inkompetenz auf Rädern. Völlig überbezahlt und dienstleistungsfeindlich. Dazu ein Kundeninformation, die nur zur Desinformation beiträgt. Dort müsste man man sämtliche [...]
Die Deutsche Bahn ist doch nichts weiter als die Inkompetenz auf Rädern. Völlig überbezahlt und dienstleistungsfeindlich. Dazu ein Kundeninformation, die nur zur Desinformation beiträgt. Dort müsste man man sämtliche Gehälter auf den Mindestlohn setzen und das wäre bei der gebotenen Leistung noch deutlich zuviel.
charlybird 07.05.2018
2. Man soll ja eigentlich nicht zurückschauen
und schon gar nicht dieses ''Früher war alles besser'' Syndrom hervorkramen. Aber was die gute alte Bahn angeht, komme ich nicht umhin festzustellen, früher war die deutlich besser, pünktlicher, preiswerter, komfortabler, [...]
und schon gar nicht dieses ''Früher war alles besser'' Syndrom hervorkramen. Aber was die gute alte Bahn angeht, komme ich nicht umhin festzustellen, früher war die deutlich besser, pünktlicher, preiswerter, komfortabler, sozialer, bisschen beamtenmuffig und natürlich langsamer, aber dafür meist gemütlich und sicherer. Das neuzeitlichere Management der letzten Jahrzehnte hat offenbar versucht die Bahn immer mit dem Flugverkehr gleichzusetzen, das ist ihr auf einigen Luxusstrecken gelungen, leider zum Nachteil und preislich beleidigend für Millionen von Pendlern und Reisende, die auf die Bahn angewiesen sind. Es ist grausam, wer sich da alles versaubeutelnd als Boss versucht hat. Stuttgart 21 ist dabei das letzte Glanzstück vollkommen zukunftsfanatischer Ideologisierung. Ein Zug ist weder eine U-Bahn, noch kann er fliegen, sollte man dem nächsten ''Boss'' in die Agenda schreiben. Dass sich ein Grünenbahnexperte da nun meldet ist aber ein Treppenwitz, die GRünen hatten es in der Vergangenheit mehr als in der Hand hier einmal die Weichen richtig zu stellen.
Skeptiker99 07.05.2018
3. Dumme Frage
"Welche Pünktlichkeit ordnet man einem Zug zu, wenn er an einer bestimmten Stelle seiner Fahrt ausfällt?" Natürlich die Zeit, bis der nächste Zug die Strecke fährt. Wenn ich eine Stunde auf den nächsten Zug [...]
"Welche Pünktlichkeit ordnet man einem Zug zu, wenn er an einer bestimmten Stelle seiner Fahrt ausfällt?" Natürlich die Zeit, bis der nächste Zug die Strecke fährt. Wenn ich eine Stunde auf den nächsten Zug warten muss, ist das für mich eine Verspätung von 60 Minuten. Wenn nur ein mal am Tag ein Zug kommt, und der dann ausfällt, macht macht das dann eben eine Verspätung von 24 Stunden.
schlaumeier54 07.05.2018
4. Immer die Bahn....
taucht regelmäßig bei Spiegel online auf. Meistens nichts Gutes. So berechtigt das auch ist. Aber....Ist hier schon mal festgestellt worden, wie „pünktlich“das Auto ,dank der doch jetzt schon auf nahezu jeder Autobahn [...]
taucht regelmäßig bei Spiegel online auf. Meistens nichts Gutes. So berechtigt das auch ist. Aber....Ist hier schon mal festgestellt worden, wie „pünktlich“das Auto ,dank der doch jetzt schon auf nahezu jeder Autobahn befindlichen Baustellen , eigentlich ist? Nein, schweigen im Walde. Das wird , auch hier, nicht thematisiert. Staus ohne Ende, stundenlange Wartezeiten, LKW Unfälle etc. All das wird als Gott gegeben hingenommen. Stattdessen wird immer und immer wieder jedes kleinste Detail der Bahn auseinander genommen. Natürlich zu Recht. Aber warum werden die anderen Mängel und Fehlplanungen und deren Folgen nicht genauso ins Visier genommen? Demgegenüber sind die Mängel bei der Bahn eine Kleinigkeit! Ich bin froh, dass die Bahn mich, trotz allem, immer heil und gesund ans Ziel bringt. Für die LKW herrschen offenbar andere Sicherheitsstandards, sowohl bei Petsonal und Material. Leider !
Marvin__ 07.05.2018
5. Gab es schonmal ...
... vor ungefähr 20 Jahren in den Niederlanden. NS, die dortige Eisenbahngesellschaft, hat die gleichen Programme gefahren wie hier: Erst Kostensenkungen beim Unterhalt, bis die Verspätungen aus dem Ruder liefen. Dann [...]
... vor ungefähr 20 Jahren in den Niederlanden. NS, die dortige Eisenbahngesellschaft, hat die gleichen Programme gefahren wie hier: Erst Kostensenkungen beim Unterhalt, bis die Verspätungen aus dem Ruder liefen. Dann Pünktlichkeitsvorgaben. Die der Vorstand erreichte, in dem späte Züge einfach angehalten wurden - Ausfälle zählten nicht als Verspätung. Irgendwann dann die Einsicht, dass es doch mehr Züge braucht, um die Fahrpläne ein zu halten. Warum müssen wir alle Fehler noch mal selber machen, anstatt Experten in Aufsichtsrat und Bahnvorstand zu holen, die sich auskennen?

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP