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Flugreisen

Beschwerden bei Schlichtungsstelle nehmen drastisch zu

Aufgrund der vielen Flugverspätungen und -annullierungen in der ersten Jahreshälfte haben auch die Beschwerden der Fluggäste zugenommen. Allein im Juni gingen 2000 Anträge bei der Schlichtungsstelle ein.

DPA

Ein Verkehrsschild weist auf Flugbetrieb hin

Donnerstag, 12.07.2018   09:54 Uhr

Die Beschwerden über Flugreisen bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) haben sprunghaft zugenommen. Im ersten Halbjahr 2018 gingen 7745 Schlichtungsanträge von Fluggästen ein, das waren 45 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, teilte die Einrichtung in Berlin mit.

Allein im Juni waren es demnach mehr als 2000. Für alle Verkehrsträger zusammen gingen von Januar bis Juni 9589 Anträge ein - ein Plus von 37 Prozent.

Die SÖP ist von der Bundesregierung als Schlichtungsstelle für Bahn, Luftverkehr, Fernbus und Schiff anerkannt. Zum größten Teil geht es um eine Entschädigung bei Verspätungen oder Ausfällen von Flügen und Zügen. Inzwischen beziehen sich vier Fünftel (81 Prozent) aller Beschwerden auf Flugreisen, 15 Prozent auf Bahnfahrten und die übrigen vier Prozent auf Fernbusse und den öffentlichen Nahverkehr.

Air-Berlin-Übernahme, Unwetter, Fluglotsenstreiks

Für den deutlichen Anstieg der Fallzahl seien "ganz sicher auch die bereits seit einigen Monaten auftretenden Unregelmäßigkeiten im nationalen und europäischen Luftverkehr verantwortlich", sagte SÖP-Geschäftsführer Heinz Klewe. "Die Kunden spüren die negativen Folgen der zahlreichen Flugverspätungen und Flugannullierungen hautnah und verlangen auf Basis der europäischen Passagierrechte dafür einen finanziellen Ausgleich." (Was Sie tun können, wenn Sie von Verspätungen oder Annullierungen betroffen sind, lesen Sie hier.)

Für die Probleme im Luftverkehr gibt es eine Reihe von Gründen. Die Fluggesellschaften nennen Engpässe bei den Flugsicherungen, Fluglotsenstreiks, lange Wartezeiten bei den Passagierkontrollen und eine Häufung von Unwettern. Hinzu kommen die Folgen der Pleite von Air Berlin im vorigen Jahr. Die Lufthansa-Tochter Eurowings und Easyjet haben zwar die meisten Flugzeuge übernommen. Doch deren Ummeldung auf die neuen Eigentümer und Einbindung der Crews in die Flotten dauert einige Monate.

Bei den Bahnreisen gingen die Beschwerdezahlen in den Jahren 2014, 2015 und 2016 zurück. Der Trend hat sich nun wieder umgekehrt. Zu Bahnfahrten erhielt die SÖP im ersten Halbjahr 1473 Schlichtungsanträge, das waren 15 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2017.

Auch ein Grund: SÖP immer bekannter

Die SÖP geht davon aus, dass ihr Bekanntheitsgrad weiter gestiegen ist und sie auch deshalb häufiger um Hilfe gebeten wird. Die Schlichtungsquote, das ist der Anteil der Fälle mit einer verbindlichen Streitbeilegung, erhöhte sich im ersten Halbjahr bei den Fluggesellschaften auf 81 Prozent (Gesamtjahr 2017: 76 Prozent) und bei der Bahn auf 80 Prozent (2017: 73 Prozent). Rund 360 Verkehrsunternehmen beteiligen sich mittlerweile an dem Schlichtungsverfahren, das sie selbst finanzieren. Auf ihrer Website veröffentlicht die Schlichtungsstelle regelmäßig eine Liste mit den aktuellen Mitgliedern.

Die privatrechtlich organisierte SÖP schlichtet bundesweit außergerichtlich Streitigkeiten zwischen Reisenden und Bahn-, Bus-, Luftfahrt- und Schiffsunternehmen sowie U- und S-Bahn-Betreibern. Die Deutsche Bahn macht sogar mit ihrem Carsharing-Angebot und ihrem Leihfahrrad-System bei der SÖP mit und ist dadurch, wie alle anderen teilnehmenden Konzerne auch, Mitglied im SÖP-Trägerverein.

Auf Bitten des Reisenden greift die Schlichtungsstelle ein. Dieser muss sich allerdings schon vorher um eine Einigung mit dem Unternehmen bemüht haben. Hat ihm der Konzern eine abschließende Antwort erteilt oder sich acht Wochen lang nicht gemeldet, kann der Kunde die SÖP einschalten.

kry/dpa

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