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Reise

Hamburger-Flughafen-Chef

Stromausfall kostet Airport halbe Million Euro

Einen Tag lang ging am Hamburger Flughafen nichts mehr: Stromausfall. Von Flugstreichungen waren 30.000 Passagiere betroffen. Airport-Chef Michael Eggenschwiler hofft, den Imageschaden klein halten zu können.

DPA
Dienstag, 05.06.2018   14:26 Uhr

Der Hamburger Flughafen stand einen Tag lang still. Am Sonntag fielen die Lichter aus, die Check-in- Schalter, Geschäfte und Sicherheitsschleusen mussten schließen. Und dann der gesamte Airport. Ein Stromausfall durchkreuzte die Pläne vieler Urlauber - 30.000 Passagiere waren von den Flugausfällen an dem Tag betroffen.

Den Hamburger Flughafen hat der Kurzschluss und seine Folgen nach ersten Schätzungen rund eine halbe Million Euro gekostet. Hinzu kämen Schäden bei Airlines und Passagieren, sagte Flughafenchef Michael Eggenschwiler in Hamburg. Der Imageschaden sei noch nicht abzusehen. "Ich hoffe, dass wir den klein halten können."

Eggenschwiler sprach von "höherer Gewalt". Der Defekt an der Isolierung eines 400-Volt-Kabels, der den Kurzschluss ausgelöst habe, sei vorher nicht erkennbar gewesen. Das Kabel sei 15 bis 20 Jahre alt, was aber normalerweise kein Problem sei. Der Kurzschluss sei jedoch "sehr, sehr stark" gewesen, so dass er auch andere Teile des Stromsystems getroffen habe.

Der Vorfall "führte uns schmerzlich vor Augen, wie wichtig der Flughafen ist", sagte Verkehrsstaatssekretär Andreas Rieckhof mit Blick auf Tausende Urlaubs- und Geschäftsreisende, die durch die Einstellung des Flugbetriebs von Sonntagvormittag bis Montagmorgen in Hamburg gestrandet waren. "Wir werden uns mit dem Betreiber und den Gesellschaftern austauschen, was man noch besser machen kann."

Am Dienstag ist der Betrieb am Hamburger Flughafen wieder regulär aufgenommen worden. "Die Lage ist komplett entspannt", hieß es. 217 Ankünfte und 215 Abflüge würden im Laufe des Tages erwartet. Bereits am Montag war der Flugbetrieb allmählich zur Normalität zurückgekehrt. Von den jeweils 214 geplanten Starts und Abflügen waren noch 12 Landungen und 24 Starts gestrichen worden.

Kurzschluss im "Herz" der Stromversorgung

Tausende Passagiere hatten am Sonntag ihre Reisen wegen des Stromausfalls nicht wie geplant antreten können. Auf eine Entschädigung nach EU-Recht können die Reisenden nicht hoffen. Ein Vorfall wie der Stromausfall sei als außergewöhnlicher Umstand zu betrachten, sagt der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover - und dann ist eine Fluggesellschaft von der Zahlung befreit.

Der Kurzschluss entstand nach Angaben des Flughafenchefs in der Stromversorgung des Blockheizkraftwerks des Flughafens, dort war die Isolierung an einem Kupferkabel schadhaft. "Er traf mitten ins Herz", sagte Eggenschwiler am Montag.

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) schreibe zwei unabhängig voneinander betriebene Stromsysteme für die Flugbetriebsflächen vor. Dies sei nach dem Kurzschluss nicht mehr gegeben gewesen. Der Flughafen musste geschlossen werden. 42 Kabel auf 540 Metern Länge seien ausgetauscht worden, sagte Eggenschwiler. Anschließend habe das Blockheizkraftwerk von 3 Uhr an am Montagmorgen wieder stabil zur Verfügung gestanden.

Nach früheren Stellungnahmen des Flughafenverbands ADV hätte so ein Fall in Deutschland nicht vorkommen dürfen. Nach einem zwölfstündigen Stillstand aufgrund eines Stromausfalls am US-Flughafen Atlanta hatte der ADV mitgeteilt, dass deutsche Flughäfen für solche Fälle bestens gerüstet seien. Bei einem Szenario wie in Atlanta sei lediglich von einem zeitlich beschränkten Ausfall in einem eng beschränkten lokalen Gebiet auszugehen. Zu dem Hamburger Vorfall äußerte sich der ADV bislang nicht.

abl/dpa

insgesamt 19 Beiträge
thomas.vonbroeckel 05.06.2018
1. Bananenrepublik Deutschland
Oberpeinlich, dieser Vorfall! Deutschland zeigt immer gerne mit dem Finger auf andere Länder und versichert, dass etwas Vergleichbares in Deutschland selbstverständlich nicht vorkommen kann. Auf Bayern 3 hieß es heute Morgen, [...]
Oberpeinlich, dieser Vorfall! Deutschland zeigt immer gerne mit dem Finger auf andere Länder und versichert, dass etwas Vergleichbares in Deutschland selbstverständlich nicht vorkommen kann. Auf Bayern 3 hieß es heute Morgen, dass etwas Vergleichbares am Münchner Flughafen kaum vorkommen könne, da alles doppelt und dreifach abgesichert sei. Das Gleiche hätte der Hamburger Flughafen vorher sicher auch behauptet. Fakt ist, dass die Infrastruktur hochgradig gefährdet ist, gerade auch im Hinblick auf Hackerangriffe. Also vielleicht mal etwas mehr Selbstkritik und bessere Absicherungen...
guayaquil 05.06.2018
2. Techniker-Versagen!
Es kann doch nicht sein, daß in einem Land wie Deutschland, wo es höchstqualifizierte Techniker hat, wegen eines Kurzschlusses in einem 400V-Kabel der ganze Betrieb lahmgelegt wird!?? Es sollte doch nebem jedem Trafo in den [...]
Es kann doch nicht sein, daß in einem Land wie Deutschland, wo es höchstqualifizierte Techniker hat, wegen eines Kurzschlusses in einem 400V-Kabel der ganze Betrieb lahmgelegt wird!?? Es sollte doch nebem jedem Trafo in den einzelnen Bereichen gleich ein Notstromaggregat haben, daß die Versorgung automatisch übernimmt, damit Rollfeldbeleuchthung, Radaranlage, der Tower etc etc sowie im Hauptgebäude die Beleuchtung, Belüftung, Rolltreppen, Förderbänder, automatische Türen etc etc funktionieren. Für die Computer sollte es doch ausserdem USV-Anlagen installiert haben, damit auch nur ein winzigkleiner Stromausfall keinen Unterbruch im System bringt und zumindestens 10-15 Minuten die PC's an den Schaltern funktionieren, bis die Notstromaggregate angelaufen sind und der Strom durchgeschaltet. Was da in Hamburg passierte, kommt einer Konkurserklärung gleich und ist nicht Deutschland-würdig!
nesmo 05.06.2018
3. Tja, der ADV
kennt sich eben nicht mit der Haltbarkeit von 400-Volt-Stromkabeln in hamburger Schmuddelwetter aus. Sonst hätten sie sich wohl nicht soweit aus dem Fenster gelehnt, dass dies in Deutschland nicht möglich sei. Ich empfehle in [...]
kennt sich eben nicht mit der Haltbarkeit von 400-Volt-Stromkabeln in hamburger Schmuddelwetter aus. Sonst hätten sie sich wohl nicht soweit aus dem Fenster gelehnt, dass dies in Deutschland nicht möglich sei. Ich empfehle in Zukunft dort Seekabel zu verlegen, die halten dann auch bei Üerschwemmungen, die Hamburg wegen des Klimawandels ohnehin drohen
stonki 05.06.2018
4. typisch Hamburg
als Vielflieger aus Hamburg mit ca. 50 Flüge im jahr ab Hamburg wundert mich das erneute Versagen des Hamburger Flughafens überhaupt nicht. Wenn weder Checkin, sicherheitskontrolle noch Gepäckausgabe funktionieren. Mitarbeiter [...]
als Vielflieger aus Hamburg mit ca. 50 Flüge im jahr ab Hamburg wundert mich das erneute Versagen des Hamburger Flughafens überhaupt nicht. Wenn weder Checkin, sicherheitskontrolle noch Gepäckausgabe funktionieren. Mitarbeiter total genervt, aber eine Geschäftsführung mit über 400.000€ jahresgehalt. Solange hier keine grundsätzlichen Änderungen vorgenommen werden, wird sich die Qualität nicht verbessern..
senapis 05.06.2018
5. Ignoranten
Im Beitrag heißt es ganz deutlich, dass für den sicheren Betrieb des Flughafens eine redundante Spannungsversorgung vorgeschrieben ist. Wenn die Wiederinbetriebnahme des Primärsystems also nicht absehbar ist, muss der [...]
Im Beitrag heißt es ganz deutlich, dass für den sicheren Betrieb des Flughafens eine redundante Spannungsversorgung vorgeschrieben ist. Wenn die Wiederinbetriebnahme des Primärsystems also nicht absehbar ist, muss der Flughafenbetreiber genau so handeln, wie er es dann auch getan hat. Unschön, ist dann aber so. Dass ein Blick auf die Frage der Möglichkeit einer Wiederholung zw. Fehlervermeidung geworfen wird, setze ich mal voraus. Und die Laien können den Blutdruck wieder runterfahren...

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