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Reise

Sommerurlaub

Flugpassagiere müssen mit vielen Verspätungen und Ausfällen rechnen

In diesem Jahr erleben Reisende an Flughäfen mehr Ärgernisse als sonst. Auch für die Urlaubsmonate scheint sich die Lage an Europas Himmel nicht zu verbessern. Doch es gibt auch eine gute Nachricht.

Getty Images/ PhotoAlto

Warten auf den Flieger

Montag, 11.06.2018   10:55 Uhr

Flugpassagiere brauchen in diesem Sommer voraussichtlich besonders viel Geduld. Die Airlines haben zwar auf breiter Front ihre Angebote ausgebaut, es häufen sich aber auch Annullierungen und starke Verspätungen. Neben Fluglotsenstreiks und ungünstigem Wetter tragen dazu auch die mangelhafte Infrastruktur und Organisationsprobleme bei den Gesellschaften bei, meinen Experten.

Bis einschließlich 7. Juni diesen Jahres sind von und nach Deutschland bereits mehr als 13.000 Flüge ganz gestrichen worden und mehr als 3200 über drei Stunden zu spät ans Ziel gekommen, wie das Passagierrechtsportal EUclaim berichtet. Im Vorjahreszeitraum waren es nur gut 8400 Annullierungen und gut 2000 Verspätungen.

TUIfly-Geschäftsführer Roland Keppler warnte in der "Rheinischen Post" bereits vor weiteren Problemen: "Wenn das mit den Streiks weitergeht, müssen sich die Passagiere auf einen heißen Sommer mit vielen Verspätungen einstellen." Er fordert eine einheitliche Kontrolle des Luftverkehrs in Europa, um bei Ausständen oder Unwettern Flüge besser umleiten zu können.

Streiks in Europa und Umbau bei den Fluggesellschaften

"Die Flugpläne sind immer mehr auf Kante genäht", sagt Gerald Wissel von der Hamburger Beratungsgesellschaft Airborne. Im Sommer schickten die Unternehmen alles in die Luft, was fliegt, um an der stark gestiegenen Nachfrage nach Flugreisen teilzuhaben. Reservemaschinen würden kaum noch vorgehalten, Mietjets seien ebenfalls äußerst knapp. Die gute Nachricht für die Verbraucher: "Wir sehen einen massiven Druck auf die Preise."

Das Flugjahr 2018 in Europa ist bislang geprägt von heftigen Streiks insbesondere der französischen Beschäftigten, aber auch der Italiener und Griechen. Die Mitarbeiter der Air France brachten bereits ihren Chef Jean-Marc Janaillac zum Rücktritt. Die französischen Fluglotsen sorgten mit Streikwellen im März und Mai für Tausende Ausfälle. Allein der Billigflieger Ryanair musste nach eigenen Angaben im Mai rund 1100 Flüge streichen, etwa 200.000 Passagiere waren betroffen. Weitere Arbeitsniederlegungen sind angekündigt.

Viele der touristischen Airlines sind nach der Air-Berlin-Pleite zudem im Umbau. Die Lufthansa-Tochter Eurowings muss ebenso Flugzeuge und Crews integrieren wie der britische Konkurrent Easyjet. Die Ryanair-Beteiligung Laudamotion stammt ebenfalls aus dem Air-Berlin-Nachlass und legte zum Beginn des Sommerflugplans im Juni einen mehr als holprigen Start hin, nachdem die Organisation des Flugbetriebs von Thomas Cook auf Ryanair gewechselt war. EUclaim registrierte in fünf Tagen 163 Ausfälle und schwere Verspätungen bei den Österreichern.

Überangebot und Preisverfall

"Wir sehen hier deutliche Wachstumsprobleme, die auch mit bürokratischen Hemmnissen zu tun haben", erklärt Wissel. Die Flugzeuge müssen nämlich nicht nur umlackiert, sondern auch bei den Behörden umgemeldet werden - oft über Ländergrenzen hinweg.

"Flugzeuge bestehen nicht aus Metall, sondern aus Akten", stöhnt dazu ein Lufthansa-Insider. Bei der besonders in der Kritik stehenden Lufthansa-Tochter Eurowings sieht Wissel zusätzliche Probleme durch die komplexe Struktur. Unter einem Dach sollen hier unterschiedliche Gesellschaften ein einheitliches Produkt anbieten.

Und alle fliegen nach Mallorca. Nach einer Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) waren bereits im März für Juli 3400 Flüge aus Deutschland auf die Balearen-Hauptinsel geplant, mehr als 100 pro Tag. In der Zwischenzeit sind weitere Verbindungen hinzugekommen, beispielsweise von Laudamotion, sodass immer mehr Sitze leer bleiben könnten. Wegen des zwangsläufigen Preisverfalls dürfte das Überangebot nicht von Dauer sein, schätzt eine Touristikerin. Im kommenden Jahr sei es damit wohl vorbei.

Dass die zusätzlichen Flüge aus Deutschland und die mit ihnen kommenden Passagiere die Hotels auf der Insel überfordern, steht aber nach Einschätzung von Experten nicht zu befürchten. So setzt ein Teil der Mallorca-Reisenden ohnehin auf Privatunterkünfte. Nicht ohne Grund schiebt die Inselhauptstadt Palma de Mallorca der Vermietung von Privatunterkünften an Touristen etwa über das Portal Airbnb einen Riegel vor, weil durch dieses Geschäft die Mieten für Einheimische stark gestiegen sein sollen.

ele/dpa

insgesamt 4 Beiträge
agreatwaytofly 12.06.2018
1. Es liegt an der Infrastruktur
Das Problem liegt darin, dass es Airlines in Deutschland praktisch nur mit Monopolen zu tun haben: Flugsicherung: Erhöht jährlich die Gebühren, schafft es aber seit Jahren nicht, die Kapazitäts-/Personalengpässe zu [...]
Das Problem liegt darin, dass es Airlines in Deutschland praktisch nur mit Monopolen zu tun haben: Flugsicherung: Erhöht jährlich die Gebühren, schafft es aber seit Jahren nicht, die Kapazitäts-/Personalengpässe zu schließen. Airports: Mit wenigen Ausnahmen Institutionen der öffentlichen Hand, die vollständig von Airlines finanziert werden (mit Ausnahme der überflüssigen Kleinstflughäfen, die sich von Ryanair veräppeln lassen). Sicherheitskontrollen an den Flughäfen: Werden von der Bundespolizei eingekauft und gesteuert. Und die Fluggäste erwarten, dass Fliegen sicher bleibt - aber am liebsten immer billiger wird.
ulrics 13.06.2018
2. Und was ist mit Bevölkerung?
Jede Verspätung bringt die Bevölkerung um den Schlaf, weil Fluggesellschaften zu eng kalkulieren. Das Schicksal von einigen wenigen Reisenden verblasst vor dem der fluglärmgeplagten Bevölkerung.
Jede Verspätung bringt die Bevölkerung um den Schlaf, weil Fluggesellschaften zu eng kalkulieren. Das Schicksal von einigen wenigen Reisenden verblasst vor dem der fluglärmgeplagten Bevölkerung.
Hans58 13.06.2018
3.
Die Flugsicherung hat weltweit in jedem Land eine Monopolstellung, nicht nur in Deutschland. Dass deutsche Flughäfen (überwiegend in öffentlicher Hand) von den Airlines finanziert werden, ist nur ein Teil der [...]
Zitat von agreatwaytoflyDas Problem liegt darin, dass es Airlines in Deutschland praktisch nur mit Monopolen zu tun haben: Flugsicherung: Erhöht jährlich die Gebühren, schafft es aber seit Jahren nicht, die Kapazitäts-/Personalengpässe zu schließen. Airports: Mit wenigen Ausnahmen Institutionen der öffentlichen Hand, die vollständig von Airlines finanziert werden (mit Ausnahme der überflüssigen Kleinstflughäfen, die sich von Ryanair veräppeln lassen). Sicherheitskontrollen an den Flughäfen: Werden von der Bundespolizei eingekauft und gesteuert. Und die Fluggäste erwarten, dass Fliegen sicher bleibt - aber am liebsten immer billiger wird.
Die Flugsicherung hat weltweit in jedem Land eine Monopolstellung, nicht nur in Deutschland. Dass deutsche Flughäfen (überwiegend in öffentlicher Hand) von den Airlines finanziert werden, ist nur ein Teil der Geschichte. Jeder Passagier trägt sein Scherflein dazu bei, sei es, dass die Airlines weltweit ein Teil der an einen Airport zu zahlenden Gebühren auf die Passagiere "übertragen" haben oder dass Passagiere Dienstleistungen an Airports in Anspruch nehmen, selbst beim Kauf von Waren in den Geschäften. Übrigenss, weltweit "finanzieren" Airlines Flughäfen. Ohne Airlines wäre ein vorhandener Flughafen tote Infrastuktur. Ich weiß nicht, was Sie damit meinen, dass Sicherheitskontrollen an (deutschen) Flughäfen von der Bundespolizei eingekauft und gesteuert werden.? Fakt ist, dass die der Flugsicherheit dienenenden Sicherheitskontrollen zu den gesetzlichen Obliegenheiten der Bundespolizei gehören, aber unter Aufsicht der Bunderspolizei privaten Firmen übertragen wurden.
Hans58 13.06.2018
4.
Das trifft aber nur dann zu, wenn die Verspätung zu einer (erlaubten) Überschreitung der Ruhezeiten führt. Wenn ein Flugzeug statt um 09:30 Uhr erst um 14:30 Uhr startet, dürfte wohl kaum einer m Schlaf gestört werden.
Zitat von ulricsJede Verspätung bringt die Bevölkerung um den Schlaf, weil Fluggesellschaften zu eng kalkulieren. Das Schicksal von einigen wenigen Reisenden verblasst vor dem der fluglärmgeplagten Bevölkerung.
Das trifft aber nur dann zu, wenn die Verspätung zu einer (erlaubten) Überschreitung der Ruhezeiten führt. Wenn ein Flugzeug statt um 09:30 Uhr erst um 14:30 Uhr startet, dürfte wohl kaum einer m Schlaf gestört werden.

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